08.02.2012

Casper über Galgenhumor in Bielefeld

»Arminia ist mein St. Pauli«

Arminia Bielefeld stieg ab, er mit seinem neuen Album »XOXO« auf Platz 1 der deutschen Charts ein. Benjamin Griffey alias Casper wird als Retter des deutschen HipHop gefeiert. Wir sprachen mit ihm über den DSC, pathetische Fanlieder und Stehtribünen.

Interview: Moritz Herrmann Bild: Four Music Productions

Benjamin Griffey, dein Verein, Arminia Bielefeld, stieg als Tabellenletzter aus der 2. Liga ab. Dazu kamen finanzielle Probleme. Wie sehr hat dich der Niedergang geschmerzt?

Benjamin Griffey: So stumpf und dumm das klingt, aber ich finde, dass es an der Zeit ist, alles endlich mal so richtig kaputtgehen zu lassen, damit man den Verein neu aufbauen kann. Aber selbst in der dritten Liga sträuben sich die Verantwortlichen noch dagegen. Das ist mir, auch wenn ich nur Laie bin, unverständlich.



Du kennst dich bei der Arminia nicht aus?

Benjamin Griffey: Nicht mehr. Das letzte Mal im Stadion war ich vor Ewigkeiten, als die legendäre Stehtribüne aus Stahlrohr, auf der ich stand, dichtgemacht wurde. Wir fühlten uns durch den Abriss schwer in unserem 15-Mann-Guerilla-Fantum angegriffen! Diese Tribüne und das Stadion vor seinem Umbau spiegelten immerhin all das, was die Arminia ausmacht: Der Verein der kleinen Leute zu sein, der Verein, zu dem jeder kommen kann, der Verein mit dem Stadion, das zu drei Vierteln aus Stehplätzen besteht. Als die Tribüne weg war, wollte ich auch nicht mehr hin. Arminia-Fan bin ich trotzdem geblieben. Sowas vergeht nicht.

Du bist in Bösingfeld bei Extertal geboren. Da scheint eine Fanliebe zu Arminia Bielefeld vorprogrammiert, schon mangels guter Alternativen in der Region.

Benjamin Griffey: Naja, man kann auch zum VfB Fichte gehen, aber sonst steht die Arminia allein auf weiter Flur. Fußballbegeistert war ich schon als Kind. Beim FC Oberes Extertal wurde ich als Mittelstürmer Vereinsschützenkönig in der D-Jugend. Eines Tages nahm mich mein Stiefvater mit auf die Alm. Es war das letzte Spiel in der Regionalliga, Bielefeld stand schon als Aufsteiger fest, der Gegner hieß Eintracht Trier (05.06.95, d. Red.), am Ende stand ein Remis, 1:1. Ich erinnere mich, weil es tatsächlich mein erstes Erlebnis live im Stadion war. Der Aufstiegstaumel und die Faszination der lokalen Nähe haben mich begeistert. Ich konnte mich mit dem Verein identifizieren.

Eine Dauerkarte hattest du aber nie?

Benjamin Griffey: Ich wollte mir immer eine holen, nur lief der Vorverkauf zu schnell. Es hieß immer: Achtung, Leute, Dauerkarten gibt es ab ... jetzt. Und ich dann: Wie, jetzt? Jetzt habe ich aber gerade kein Geld. Später waren alle Saisontickets natürlich schon vergriffen.

Vielleicht schenkt dir die Arminia ja bald eine Dauerkarte. Dein Album ist auf Platz 1 der Charts eingestiegen, du wirst von den Feuilletons als Retter des deutschen Rap gefeiert. Die Vereine schmücken sich eigentlich gerne mit prominenten Fans.

Benjamin Griffey: Dazu existiert eine lustige Anekdote. Vorletzte Woche hatte ich einen Interviewmarathon und saß auch bei 1Live. In der Sendung habe ich meinem Frust Luft gemacht. Dass sich der Verein gefälligst mal bei mir melden und mir eine Dauerkarte geben soll, immerhin bin ich seit Jahren der Erste aus Bielefeld, der so richtig was reißt! Noch dazu habe ich eine Verbindung zur Arminia, ich stand in der Kurve und habe ein Lied getextet, das auch gespielt wird im Stadion.

Trotzdem noch keine Dauerkarte aus dem Briefkasten gefischt?

Benjamin Griffey: Das nicht, aber vorhin hat sich Arminia Bielefeld bei meinem Manager gemeldet. Die wollen mit mir reden. (lacht) Hoffentlich werben sie mich an.

Dein Bielefeld-Lied heißt »Eines Tages«, du singst davon, »eines Tages an der Spitze zu stehen«. Davon ist die Arminia weiter entfernt denn je.

Benjamin Griffey: Weiter heißt es, »nach all den bitteren Jahren endlich wieder auf den Sitzen stehen.« Das ist natürlich wahnsinnig pathetisch, klar. Aber es passt. Arminia ist mein St. Pauli.

Das musst du erklären.

Benjamin Griffey: Alle hauen immer drauf: Bielefeld, geht ja gar nicht! Was, du bist Arminia-Fan? Dazu kommen diese Running Gags, die Stadt gebe es ja eigentlich gar nicht. Es erfordert also Mut und Leidensfähigkeit, Arminia-Fan zu sein und Woche für Woche auf den Deckel zu kriegen. Jeder kann Fan vom FC Bayern sein. Das ist einfach, das ist wie für Musik ins Geschäft gehen und sich Lady Gaga oder Unheilig kaufen – Platten, die es überall gibt, im Zweifelsfall auch bei Marktkauf.

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