Carsten Ramelow über Hertha

»Es tut natürlich weh«

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Carsten Ramelow, wo erwischen wir Sie gerade?

Ich bin auf dem Weg ins Büro. Ich bin an einer Firma in Köln beteiligt, wir arbeiten im Bereich Events und Location. Außerdem bin ich, ebenso wie Christoph Metzelder, Vizepräsident der Spielergewerkschaft VDV.

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Welche Rolle nehmen Sie denn in dieser Funktion ein?

Christoph und ich sind quasi die Schnittstelle zwischen den Fußballprofis und der Gewerkschaft. Wir sorgen dafür, dass ein regelmäßiger Austausch stattfindet und die wichtigen Themen und Probleme auf den Tisch kommen.

Zwischenzeitlich versuchten Sie sich auch als Musiker...

Das stimmt, ich habe mal aus Spaß eine CD aufgenommen. Mit Bayer Leverkusen hatten wir das bereits zwei Mal gemacht, und der Produzent wohnte zufällig hier bei mir im Ort. Wir fanden zwei Firmen, die eine gewisse Stückzahl abnahmen und haben die Einnahmen anschließend für einen guten Zweck gespendet.

Welche Musikrichtung schlugen Sie denn ein?

Das waren nur drei Songs, von Lionel Ritchie, den No Angels und den Backstreet Boys. Die habe ich dann selbst eingesungen. Ich habe die Scheibe vielen Freunden vorgespielt, ohne ihnen vorher etwas zu sagen. Die meisten merkten zunächst gar nicht, dass ich das war. Das war eine schöne Bestätigung, zumal die Titel nicht ganz einfach zu singen waren. Ein Riesenspaß war es sowieso.

Aber eine zweite Karriere als Musiker konnten Sie sich nicht vorstellen?

Ach was, für eine richtige Karriere reicht es sicher nicht, da kann ich mich gut genug einschätzen.

Am Samstag trifft Bayer Leverkusen auf Hertha BSC. Sie haben nicht nur für beide Vereine gespielt, sondern standen auch 1993 mit den Hertha-Amateuren im Pokalfinale gegen Bayer. Ihr erster großer Traum, der damals in Erfüllung ging?

Auf jeden Fall. Ich erinnere mich immer wieder gerne an diese Zeit. Wir gingen ganz unbefreit in die ganzen Pokalspiele, weil wir wirklich gar nichts zu verlieren hatten. Für mich als 19-jährigen Jungspund war es das erste große Erlebnis als Fußballer. Vor ein paar Wochen erst fiel mir wieder die Videokassette von damals in die Hände. Da schaut man gerne immer mal wieder rein.

Als gebürtiger Berliner im vollbesetzten Olympiastadion zu spielen, muss alleine schon etwas Besonderes gewesen sein...

Vor allem vor dieser Kulisse! Damals spielte selbst die erste Mannschaft von Hertha ja nur in der zweiten Liga, wir waren daher nicht allzu verwöhnt, was die Zuschauerzahlen angeht. Bereits das Halbfinale gegen Chemnitz war sensationell. Im Endspiel haben wir 90 Minuten gefightet und alles gegeben, aber man muss sagen, dass Leverkusen einfach besser war und verdient gewonnen hat.

Sie hielten das Finale lange offen, Ulf Kirsten traf erst in der 77. Minute.

Ulf erzielte per Kopf die Entscheidung. Später spielte ich ja lange mit ihm zusammen und konnte mich von seinen unglaublichen Qualitäten überzeugen. Er war einfach immer zur Stelle und machte auch aus wenigen Chancen Tore. Das war eine Qualität, die wir »Hertha-Bubis« damals sicher nicht hatten...
Nun steht Hertha mit anderthalb Beinen in der zweiten Liga. Blutet Ihnen da als Berliner das Herz?

Das tut natürlich weh. Ich verfolge die Entwicklung der Hertha noch, obwohl ich ja nun schon 15 Jahre nicht mehr in Berlin lebe. Als zwischenzeitlich ein, zwei Siege eingefahren wurden, hatte ich wieder etwas Hoffnung. Aber irgendetwas scheint in der Mannschaft nicht zusammen zu passen. Nun ist die Lage ja so gut wie aussichtslos.

Mit dem letzten Heimspiel stellte Hertha einen zweifelhaften Rekord von Tasmania Berlin ein. Sie spielten in der Jugend für Tasmania oder?

Ja, das stimmt, von der F-Jugend bis zur C-Jugend. Aber der Verein hatte sich ja 1973 neu gegründet, und als Knirps ist einem das sowieso nicht bewusst.

Als Berliner, der über 300 Spiele für Leverkusen bestritten hat: Wem drücken Sie die Daumen am Samstag?

Ich gehe das relativ gelassen an. Beide Vereine brauchen unbedingt den Dreier, Hertha gegen den Abstieg, Bayer für Rang drei. Da ich das eh nicht beeinflussen kann, soll der Bessere gewinnen. Im Stadion werde ich wahrscheinlich nicht sein, ich habe andere Sachen vor.

Ein »Fußball-Junkie« wie andere Ex-Kollegen scheinen Sie nicht zu sein.

Nein, nein. (lacht) Heutzutage kann man ja jeden Tag Fußball im Fernsehen schauen, wenn man will. Aber das habe ich noch nie gemacht. Wichtige Spiele wie die Champions-League-Halbfinalpartien in dieser Woche schaue ich mir schon an, aber alles muss wirklich nicht sein!

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