30.04.2010

Carsten Ramelow über Hertha

»Es tut natürlich weh«

Von 1991 bis 2005 machte Carsten Ramelow über 400 Bundesligaspiele für Hertha und Leverkusen. Vor dem Aufeinandertreffen seiner Ex-Klubs sprachen wir mit ihm über Minimalchancen, das 93er Pokalfinale und die No Angels.

Interview: Johannes Ehrmann Bild: Imago
Carsten Ramelow, wo erwischen wir Sie gerade?

Ich bin auf dem Weg ins Büro. Ich bin an einer Firma in Köln beteiligt, wir arbeiten im Bereich Events und Location. Außerdem bin ich, ebenso wie Christoph Metzelder, Vizepräsident der Spielergewerkschaft VDV.



Welche Rolle nehmen Sie denn in dieser Funktion ein?

Christoph und ich sind quasi die Schnittstelle zwischen den Fußballprofis und der Gewerkschaft. Wir sorgen dafür, dass ein regelmäßiger Austausch stattfindet und die wichtigen Themen und Probleme auf den Tisch kommen.

Zwischenzeitlich versuchten Sie sich auch als Musiker...

Das stimmt, ich habe mal aus Spaß eine CD aufgenommen. Mit Bayer Leverkusen hatten wir das bereits zwei Mal gemacht, und der Produzent wohnte zufällig hier bei mir im Ort. Wir fanden zwei Firmen, die eine gewisse Stückzahl abnahmen und haben die Einnahmen anschließend für einen guten Zweck gespendet.

Welche Musikrichtung schlugen Sie denn ein?

Das waren nur drei Songs, von Lionel Ritchie, den No Angels und den Backstreet Boys. Die habe ich dann selbst eingesungen. Ich habe die Scheibe vielen Freunden vorgespielt, ohne ihnen vorher etwas zu sagen. Die meisten merkten zunächst gar nicht, dass ich das war. Das war eine schöne Bestätigung, zumal die Titel nicht ganz einfach zu singen waren. Ein Riesenspaß war es sowieso.

Aber eine zweite Karriere als Musiker konnten Sie sich nicht vorstellen?

Ach was, für eine richtige Karriere reicht es sicher nicht, da kann ich mich gut genug einschätzen.

Am Samstag trifft Bayer Leverkusen auf Hertha BSC. Sie haben nicht nur für beide Vereine gespielt, sondern standen auch 1993 mit den Hertha-Amateuren im Pokalfinale gegen Bayer. Ihr erster großer Traum, der damals in Erfüllung ging?

Auf jeden Fall. Ich erinnere mich immer wieder gerne an diese Zeit. Wir gingen ganz unbefreit in die ganzen Pokalspiele, weil wir wirklich gar nichts zu verlieren hatten. Für mich als 19-jährigen Jungspund war es das erste große Erlebnis als Fußballer. Vor ein paar Wochen erst fiel mir wieder die Videokassette von damals in die Hände. Da schaut man gerne immer mal wieder rein.

Als gebürtiger Berliner im vollbesetzten Olympiastadion zu spielen, muss alleine schon etwas Besonderes gewesen sein...

Vor allem vor dieser Kulisse! Damals spielte selbst die erste Mannschaft von Hertha ja nur in der zweiten Liga, wir waren daher nicht allzu verwöhnt, was die Zuschauerzahlen angeht. Bereits das Halbfinale gegen Chemnitz war sensationell. Im Endspiel haben wir 90 Minuten gefightet und alles gegeben, aber man muss sagen, dass Leverkusen einfach besser war und verdient gewonnen hat.

Sie hielten das Finale lange offen, Ulf Kirsten traf erst in der 77. Minute.

Ulf erzielte per Kopf die Entscheidung. Später spielte ich ja lange mit ihm zusammen und konnte mich von seinen unglaublichen Qualitäten überzeugen. Er war einfach immer zur Stelle und machte auch aus wenigen Chancen Tore. Das war eine Qualität, die wir »Hertha-Bubis« damals sicher nicht hatten...
Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden