18.03.2011

Carsten Jancker zieht Bilanz

»Es war die harte Schule«

Fast zwei Jahrzehnte ackerte ein 1,93 Meter großer Glatzkopf in den Strafräumen dieser Fußball-Welt, jetzt ist die Karriere von Carsten Jancker beendet. Ein Gespräch über Champions League, Fußball in Österreich und Neonazis.

Interview: Alex Raack Bild: Imago
Diesen Job haben Sie jetzt fast 17 Jahre lang ausüben können, für einen Fußballer fast schon eine Ewigkeit. Geben Sie mir Recht, wenn ich behaupte, dass Ihre besten Jahre allerdings schon einige Zeit zurückliegen?

Das kann ich unterschreiben. Den besten Fußball meiner Karriere habe ich definitiv bei Rapid Wien und den Bayern gespielt.

2002 verließen Sie München und gingen zu Udinese Calcio. War das der entscheidende Karriereknick?

Vielleicht, aber ich bin ja damals nicht in die dritte portugiesische Liga, sondern in die Serie A gewechselt. Dass es letztlich dort nicht funktioniert hat, lag wahrscheinlich daran, dass die italienische Mentalität nicht zu mir passte und definitiv daran, dass ich beschissen gespielt habe.

Wie geht man damit um, wenn man weiß: Meine beste Phase habe ich wohl hinter mir?

Bei mir ist es die Familie, die mich immer wieder aufgefangen hat. Wenn man drei Frauen im Haushalt hat, haben die kein Verständnis dafür, wenn man schlechte Laune wegen Fußball hat.

Wenn man an den Fußballer Carsten Jancker denkt, dann fallen einem sofort drei Bilder ein: Der Turban im Europapokal-Viertelfinale gegen Dynamo Moskau, der Fallrückzieher im Champions-League-Finale 1999 und der Oben-ohne-Jubel beim 8:0 gegen Saudi-Arabien 2002.

Hoffentlich auch der Champions-League-Sieg 2001 und die beiden knappen Meisterschaften 2000 und 2001.

Welche Erinnerungen haben Sie eigentlich an das Meisterschafts-Fernduell mit Bayer Leverkusen vor zehn Jahren?

Wir führten schnell mit 3:0 gegen Bremen, ich habe selbst zwei Tore geschossen, musste dann aber wegen Rückenproblemen kurz vor der Pause ausgewechselt werden. In Unterhaching fiel bald das Tor für die Spielvereinigung und ich saß in der Kabine und habe gezittert vor Aufregung...

Moment mal, Sie saßen in der Kabine?


Gerade als ich aus der Dusche kam, fiel das zweite Tor für Unterhaching durch Oberleitner. Da bin ich aus Aberglauben alleine in der Kabine geblieben und habe den Rest der zweiten Halbzeit im Fernseher gesehen.

Sie machen Witze...

Das ist die volle Wahrheit. Als in Unterhaching Schluss war und bei uns das Stadion explodierte, bin ich wieder auf den Rasen gerannt, wo schon alle ganz besoffen vor Glück waren.

Auch ein Jahr später gewannen Sie die Meisterschaft erst am letzten Spieltag.


Diese Saison war ja einfach nur verrückt. Am vorletzten Spieltag verlor Schalke, wir gewannen durch ein Tor kurz vor dem Abpfiff gegen Kaiserslautern und brauchten am letzten Spieltag gegen Hamburg nur ein 0:0 um Deutscher Meister zu werden. Als Barbarez vier Minuten vor dem Ende traf, war alles in mir wie tot. Der Olli (Kahn) schrie zwar immer wieder: »Noch vier Minuten, noch vier Minuten!«, aber eigentlich war mir klar, dass wir die Meisterschaft verspielt hatten.

Und dann gelang Patrick Andersson der legendäre Treffer nach einem indirekten Freistoß...

...und plötzlich durchströmte mich diese unglaubliche Euphorie, die ich dann wieder irgendwie bremsen musste, weil Tage später das Champions-League-Finale gegen Valencia anstand.

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