18.03.2011

Carsten Jancker zieht Bilanz

»Es war die harte Schule«

Fast zwei Jahrzehnte ackerte ein 1,93 Meter großer Glatzkopf in den Strafräumen dieser Fußball-Welt, jetzt ist die Karriere von Carsten Jancker beendet. Ein Gespräch über Champions League, Fußball in Österreich und Neonazis.

Interview: Alex Raack Bild: Imago

Mannschaftskapitän, sieben Tore in der laufenden Saison – eigentlich wollte Carsten Jancker im Spätherbst seiner Karriere noch einmal zur Höchstform auflaufen. Doch Trainer Franz Lederer befand den deutschen Hünen für »zu alt« und stellte Jancker vom Spielbetrieb frei. Obwohl sein Vertrag erst am 31. Juli diesen Jahres endet, ist Carsten Janckers Laufbahn beendet. Er sagt: »Der unschöne Abschied wiegt schwerer, als die erfolgreichen Jahre in Mattersburg.« Den ersten Gesprächstermin muss Jancker noch verschieben, eine seiner Töchter ist krank. Erst als sie versorgt ist kann das Interview beginnen.  



Carsten Jancker, warum mögen Sie Deutschland nicht?

Das habe ich doch nie gesagt. Aber ich wollte mit meiner Familie sesshaft werden und das haben wir nun auch gemacht: In Österreich.

Warum nicht in Deutschland? Hier sind Sie Champions-League-Sieger geworden, haben den Weltpokal geholt, sind Nationalspieler geworden...


Meine Frau kommt aus Wien und wollte auch dort wohnen bleiben. Jetzt leben wir in Neusiedl, das ist 40 Autominuten von Wien entfernt.

Mit seiner Entscheidung hat Mattersburg-Trainer Franz Lederer Ihre Karriere früher beendet, als angedacht. Wann wäre denn Schluss gewesen, wenn Sie das entschieden hätte?

Ich bin bald 36, im Sommer wäre es also ohnehin so weit gewesen. Langsam spüre ich die Jahre.

Valerien Ismael hat erzählt, dass er irgendwann vor Schmerzen nicht mehr aufstehen konnte.

So schlimm ist es nicht, nur der Rücken zwickt. Aber das tut er eigentlich schon seit ich in Rostock auf das Jugendinternat gegangen bin.

Weil Sie zu viel trainiert haben? Immerhin waren Sie damals erst 12 Jahre alt.

Nein, solche Probleme haben andere auch. Und die sind nicht durch die harte Schule gegangen, die ich durchlaufen habe.

Harte Schule?


Sechs Uhr aufstehen. Sieben Uhr Schulbeginn. Halb elf Training. Mittagessen. Zu Fuß zur Schule. Wieder Training und dann bist du um sechs Uhr zu Hause und musst noch Hausaufgaben machen. Und das alles alleine.

Hört sich nach harter Arbeit an.


Das müssen Sie heute mal mit einem Zwölfjährigen versuchen und den am Wochenende noch motivieren Fußball zu spielen. Dafür braucht man eine gewisse Einstellung.

Warum tut man sich das an?


Ich hatte die einmalige Chance mein Hobby zum Beruf zu machen.

Das ist alles?


Das ist Motivation genug.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden