12.04.2012

Carsten Jancker über seine Zeit in China

»Lebendige Kröten beim Essen«

Dieser Mann kennt sich aus mit chinesischem Fußball: Carsten Jancker spielte 2006 ein halbes Jahr lang in der chinesischen Super League für Shanghai Shenhua, dem Verein der jüngst Nicolas Anelka verpflichtet hat. Was hat China, was andere nicht haben?

Bild: Imago

Carsten Jancker, Ihr ehemaliger Verein Shanghai Shenhua hat während der Winterpause Nicolas Anelka verpflichtet. Was macht den Reiz für solch einen Spieler aus nach China zu wechseln?
Carsten Jancker: Ich will ihm nicht zu nahe treten, aber ein Nicolas Anelka wechselt wahrscheinlich nicht allein wegen der sportlichen Perspektive nach China, sondern weil er sicher ein sehr lukratives Angebot vom Verein bekommen hat. Vielleicht ist er ja auch abenteuerlustig. 

Wie ist die Liga sportlich einzuordnen?
Carsten Jancker: Fußballerisch ist die Liga auf dem Niveau der dritten Liga in Deutschland. 

Vor zehn Jahren war Jörg Albertz der erste wirklich prominente Spieler, der aus Europa nach China wechselte. Nun stand sogar Didier Drogba kurz vor einem Wechsel nach Shanghai. Was ist da los in China?
Carsten Jancker: Ich denke, dass da richtig was passiert. Mit dem zunehmenden Reichtum gibt es auch mehr Investoren für den Fußball. Bei Shanghai Shenhua wird ein neuer Finanzier an Bord sein, der jetzt Meister werden will und mit Anelka einen Riesen-Fisch an Land gezogen hat. 

Welches Potenzial hat der chinesische Fußball?
Carsten Jancker: Schon wegen der Masse der Leute ist da ein großes Potential. Wenn man sich endlich gezielt auf den Fußball konzentriert, kann sich eine sehr gute Liga und auch eine erfolgreiche Nationalmannschaft entwickeln. 

Wie populär ist der Fußball in China?
Carsten Jancker: In Shanghai war der Zuschauerzuspruch ziemlich groß. Zu unseren Heimspielen kamen ungefähr 20.000 Fans. Bei Auswärtsspielen, zu denen man schon mal vier Stunden geflogen ist, waren aber teilweise nur 2000 bis 3000 Zuschauer. 

Sie sind 2006 für ein halbes Jahr nach Shanghai gewechselt. Was wussten Sie vor ihrem Wechsel vom Fußball in China?
Carsten Jancker: Eigentlich überhaupt nichts.

Sie haben sich also in das Abenteuer gestürzt ohne zu wissen, was Sie erwartet?
Carsten Jancker: Nicht ganz, denn ich war vor der Vertragsunterzeichnung zwei oder drei Tage beim Probetraining. Da konnte ich sehen, dass der Verein gute Bedingungen bietet. Wir hatten einen Trainer, der an der Sporthochschule Köln ausgebildet wurde, mindestens zehn Rasenplätze und eigene Räume für jeden Spieler. 

Sie mussten sich nicht groß umstellen?
Carsten Jancker: Fußball ist Fußball. Wir hatten 22 Spieler auf dem Platz und auch der Trainingsaufbau hat sich nicht weiter von dem Gewohnten unterschieden. Aber Shanghai war schon ein Kulturschock. Die Menschenmassen in der Stadt waren ungewohnt, alles war so groß und hektisch. Dort leben 20 Millionen Menschen und es gibt es vermutlich ebenso viele Taxen. Beim Einkaufen wurden mir lebendige Kröten angeboten und auch das Essen mit der Mannschaft war gewöhnungsbedürftig. Aber das größte Problem ist die Sprache. Englisch ist nicht so verbreitet und Chinesisch ist keine Sprache, die man nebenher lernen kann.

Hat man Sie auf der Straße erkannt?
Casten Jancker: Man kannte mich von der Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea. Und natürlich bin ich mit meiner Größe und den blonden Haaren aufgefallen. 

Jörg Albertz, der zwischen 2003 und 2005 ebenfalls für Shanghai spielte und Ernst Middendorp, der kurzzeitig Trainer von Changchun war, berichteten nach ihrer Zeit von massiven Korruptionsfällen. Haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht?
Casten Jancker: Ich weiß, dass so etwas in der Liga vorgekommen ist, war aber nicht direkt betroffen. Wenn man im Nachhinein darüber nachdenkt, kommen einem schon einige Zweifel. Als ich dort war, habe ich aber nicht darüber nachgedacht.

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