23.05.2013

Carsten Jancker über den CL-Triumph 2001

»Der Wille der Bayern erinnert mich an unsere Mannschaft«

Carsten Jancker feierte 2001 mit dem FC Bayern den letzten Titel in der Königsklasse. Im Interview erinnert er sich an das dramatische Finale von Mailand und erklärt den besonderen Stellenwert der Champions League im Vergleich zu einer Weltmeisterschaft. 

Interview: Sebastian Wolf Bild: Imago

Die aktuelle Bayern-Mannschaft hat im vergangenen Jahr das »Finale dahoam« auf ähnlich dramatische Art und Weise verloren, wie Sie damals 1999 in Barcelona. Kann man die Situation beziehungsweise die Mannschaften miteinander vergleichen?

Die Parallelen sind auf jeden Fall vorhanden. Insbesondere das Hinspiel gegen Barcelona hat das deutlich gemacht. Dieser unbedingte Wille und die absolute Fokussierung haben mich schon an unsere Mannschaft von damals erinnert.

Als Sie vor kurzem in der Talkshow von Markus Lanz zu Gast waren, haben Sie gesagt, dass Sie auch lange Zeit nach dem verlorenen Finale 1999 sehr schlecht geschlafen haben. Der Druck vor dem Finale 2001 muss enorm gewesen. Wie haben Sie es geschafft, damit umzugehen?

Im Endeffekt machst du nichts anderes als vor einem Bundesligaspiel. Die Anspannung ist vielleicht ein bisschen größer, weil es ein Endspiel ist und es um diesen großen Titel geht, aber sonst sind die Abläufe identisch.

Das klingt ziemlich abgeklärt. Ihr Teamkollege Michael Tarnat konnte nach eigenen Angaben schon vor dem Finale gegen Manchester United nichts essen und war so aufgeregt, wie noch nie zuvor in seinem Leben.
So ganz genau weiß ich es zwar nicht mehr, wie ich mich damals gefühlt habe, schließlich ist es ja auch schon einige Jahre. Aber so schlimm war es bei mir nicht (lacht).

Wie muss man sich als Außenstehender die Abläufe an einem solchen Finaltag vorstellen?
Man trifft sich morgens zum Frühstück und absolviert noch eine leichte Trainingseinheit. Danach geht es zurück ins Hotel, wo man dann gemeinsam Mittag isst. Anschließend ist Mittagsruhe. Da kann sich jeder Spieler noch einmal zurückziehen und für sich sein. Nachmittags folgt dann die Mannschaftssitzung, ehe es nach Kaffee und Kuchen zum Stadion geht. Es passiert also wirklich nichts Weltbewegendes.

Neben den beiden Champions-League-Finals standen Sie 2002 auch mit der Nationalmannschaft im Endspiel um die Weltmeisterschaft. Gab es einen emotionalen Unterschied?

Das ist schwer zu sagen. Grundsätzlich ist ein Finale ein Finale, bei dem du am Ende entweder den Pokal in den Händen hältst oder eben die Silbermedaille um den Hals gehängt bekommst. Vielleicht ist die Champions League einen Tick besonderer. In diesem Wettbewerb bestreitet man eine ganze Saison zusammen als Mannschaft, während man sich bei der Nationalmannschaft immer nur in größeren Zeitabständen trifft.

Für viele Experten sind die Bayern nach ihrem beeindruckenden Siegen gegen Mannschaften wie Juventus Turin und vor allem gegen den FC Barcelona der große Favorit. Wie sehen Sie dieses Duell aus der Sicht eines Trainers?
Wenn der FC Bayern die Leistungen aus den Spielen gegen Barcelona wieder abrufen kann, wird es sehr schwer für Borussia Dortmund. Über 90 Minuten gegen einen solchen Gegner so zu verschieben, die Bälle zu erobern und schnell umzuschalten, hat mich schon schwer beeindruckt.


Kommt es den Dortmundern zu Gute, dass der große Druck nach dem verlorenen Endspiel im letzten Jahr bei den Münchenern liegt?

Man könnte aus meiner Sicht genauso gut argumentieren, dass es für die meisten Bayern-Spieler ein Vorteil ist, schon einmal in einem Champions-League-Finale gestanden zu haben. Einige waren ja sogar schon zweimal dabei.
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