23.05.2013

Carsten Jancker über den CL-Triumph 2001

»Der Wille der Bayern erinnert mich an unsere Mannschaft«

Carsten Jancker feierte 2001 mit dem FC Bayern den letzten Titel in der Königsklasse. Im Interview erinnert er sich an das dramatische Finale von Mailand und erklärt den besonderen Stellenwert der Champions League im Vergleich zu einer Weltmeisterschaft. 

Interview: Sebastian Wolf Bild: Imago

Carsten Jancker, ganz Deutschland fiebert schon seit Wochen dem Champions-League-Finale entgegen. Hat es Sie auch schon gepackt?

Dass ich dem Spiel entgegen fiebere, wäre vielleicht zu viel gesagt. Aber ich freue mich natürlich auch drauf.

Sie leben und arbeiten inzwischen schon einige Jahre in Österreich. Wie wird dort das deutsche Duell aufgenommen?

Ganz Europa schaut in diesen Tagen auf das Endspiel, das ist in Österreich nicht anders. Mit David Alaba steht ja auch ein Österreicher in den Reihen der Bayern, deshalb ist es auch hier in den Medien ein großes Thema.

Sie standen selbst zweimal mit den Bayern im Champions-League-Finale und konnten den Henkelpott im Jahr 2001 gewinnen. Wie emotional verfolgen Sie ein solches Spiel?
Ich drücke den Bayern natürlich die Daumen, aber die ganz großen Emotionen sind mittlerweile nicht mehr im Spiel.

Gerade im Vorfeld eines solchen Spiels werden von den Medien immer wieder die Bilder und Geschichten von damals aufgegriffen. Kommen dann auch bei Ihnen die Erinnerungen noch einmal hoch?

Nein, nein. Es waren zwar unvergessliche Momente, an die man sich auch heute immer noch gerne zurückerinnert, aber dass die Bilder gerade jetzt noch einmal besonders präsent sind, könnte ich nicht behaupten. Es ist mehr ein Gefühl wie Stolz, dass man diesen großen Titel schon einmal gewonnen hat.

An welchen Moment denken Sie auch heute noch besonders gerne zurück?
Ähnlich wie 1999 gegen Manchester United, war es auch 2001 gegen Valencia eine unheimlich dramatische Partie. Der emotionalste Moment, an den ich mich erinnere, war wohl der letzte gehaltene Elfmeter von Oli Kahn. Wir hatten es endlich geschafft, unser großes Ziel zu erreichen und wurden in diesem Moment für die bittere Niederlage zwei Jahre zuvor entschädigt.



Dabei hatte die Partie alles andere als positiv begonnen. Ein früher Rückstand und kurz darauf vergab Mehmet Scholl die große Chance zum Ausgleich vom Elfmeterpunkt. Haben Sie nicht gedacht: Jetzt läuft schon wieder alles gegen uns?
Wir wussten ja, dass uns noch jede Menge Zeit bleibt und sind einfach vollkommen fokussiert geblieben. Auch Valencia hatte im Jahr zuvor das Endspiel verloren und hatte dementsprechend genauso großen Druck wie wir. Am Ende gehört aber immer auch das nötige Glück dazu und das hatten wir im Elfmeterschießen auf unserer Seite.

Wenn man sich die Szenen nach dem Abpfiff anschaut, wirkt es fast, als wäre die Erleichterung in den ersten Minuten größer gewesen als die Freude. Täuscht der Eindruck?

Ich glaube, dass es beides war. Diese beiden Emotionen waren in diesem Moment auch nur schwer voneinander zu trennen. Der Moment in dem ich aber wirklich realisiert habe, was wir erreicht haben, kam erst beim Bankett.


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