Captain Blade im Interview

„Ich bin zu fett“

Glückwunsch! Captain Blade, Maskottchen von Sheffield United, ist zum hässlichsten Vertreter seiner Zunft gewählt worden. Doch beim großen Maskottchen-Wettrennen fiel der adipöse Seemann durch Unfairness auf. Was denkt er sich dabei? Imago
Heft #74 01 / 2008
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Captain Blade, Sie wurden beim „Mascot Grand National 2007“ offiziell zum hässlichsten Maskottchen Englands gekürt. Herzlichen Glückwunsch!

Danke. Ich bin wirklich stolz. Nachdem sie mir den Pokal überreichten, schwebte ich über den Wolken aus der Arena. Ein fantastisches Gefühl.

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Mit Verlaub: Sie sind wirklich hässlich. Wer erschafft so eine Kreatur?

Wissen Sie, Schönheit ist nur ein Wort, ein Hülle. Meine Eltern gebaren mich irgendwie anders. Vielleicht wurde ich „inside/out“ geboren. Ich weiß es nicht...

Ihre Schönheit kommt also von Innen...


Genau. Wenn Sie in mich hineinschauen könnten, sähen Sie das Paradies, eine Schönheit, für die es keine Worte gibt. Ich bin ein wundervolles Wesen.

Uns kam zu Ohren, dass Sie gerne mal neben David Beckham posieren würden. Ein Gerücht?


Nun ja, das wäre sicherlich ein ganz schönes Bild – „the beauty and the beast“. Ich traf übrigens mal Thierry Henry. Das wäre ja ein ebenso schönes Kontrastbild. Als ich ihn sah, verfolgte ich ihn über das ganze Spielfeld. Doch leider ließ er sich nicht einfangen.

Fristen Sie aufgrund Ihrer unzweifelhaften Hässlichkeit eigentlich ein isoliertes Dasein?

Sehen Sie, da liegt der Hund begraben. Jeder denkt, nur weil man hässlich ist, bekommt man keine Chicks an den Start. In Wirklichkeit ist es so: Jede Lady liebt Captain Blade. Manche Groupies lieben ihn sogar abgöttisch. Das ständige Anhimmeln wird mitunter richtig nervig. Sie können das nicht nachvollziehen. Aber mal ganz im Vertrauen: Die heutigen Maskottchen sind größer als Popstars. Und vor allem wichtiger. Madonna – wer ist das? Puff Daddy? Alles geldgeile Säcke. Captain Blade ist das Maß aller Dinge.

Gewiss, Herr Blade. Sex, Drugs and Rock n Roll, die alte Geschichte. Apropos: Wie sieht es mit dem Rocklaster Alkohol aus?

Nennen Sie mich den „Lager-Mann“. Zwei Lager-Bier am Morgen vertreiben die Sorgen.

Und vor dem Rennen geht es weiter?

Zugegeben, am Abend vor dem Rennen haben wir ordentlich auf unserer privaten Hotelparty gebechert. Einige halten das natürlich nicht durch und versagen am Renntag kläglich. Übrigens: Kurz bevor der Startschuss fiel, verhaftete ich noch ein paar Lager mit „Yorkie the Lion“ vom York City Footballclub. Er wurde 54. – von 54. Was mit mir geschah, ist ja hinlänglich bekannt.

Sie schlichen sich aus dem Starterfeld kurz vor die Ziellinie. Niemand bemerkte es. Als die anderen Maskottchen das Ziel vor Augen hatten, stürzten Sie sich aus dem großen Zuschauerpulk auf die Sprinter. Ein hinterlistiges Manöver.

Was soll’s!? Einige von den Jungs waren viel zu schnell unterwegs. Das sollten sie nicht. Maskottchen wurden nicht dazu erschaffen, so schnell zu rennen. Also habe ich einfach versucht, die Schnellsten unter ihnen rauszukicken.

Es mutet wie eine ziemliche Harakiri-Aktion an.


Das stimmt. Und das Beste daran war meine gewiefte Taktik: Ich täuschte kurz vor dem Startschuss eine Verletzung vor und wurde dann auf einer Barre aus dem Starterfeld getragen. Niemand sah mir hinterher, die Idioten dachten nur: Gut, einer weniger im Rennen. Die haben wirklich geglaubt, ich sei verletzt. Ich könnte mich darüber immer noch scheckig lachen.

Sie wurden also an die Seite getragen, stiegen von der Barre und mischten sich unters Volk.

Richtig. Was hätte ich auch tun sollen?

Mitlaufen?


Unter uns: Ich bin zu alt, zu langsam und vor allem: zu fett. Es gab insgesamt neun Rennen – wer alle mitläuft, der hat sie doch nicht alle.

Wacky Macky Bear haben Sie mit den Bodycheck-Attacken nicht erwischt. Er war dennoch nicht gerade gut auf Sie zu sprechen, denn Sie hätten ihn beinahe den Sieg gekostet. Haben Sie sich entschuldigt?

Wie bitte? Ich soll mich entschuldigen? Ich habe ihn nicht mal berührt. Er war zu schnell für mich. Das ärgert mich. Aber es stimmt: Nach dem Rennen wird Wacky Macky Bear mich sicherlich nicht in sein Herz geschlossen haben. Aber mir ist’s egal. Ich werde ihn auch beim nächsten Rennen rauszukicken – das heißt: Ich werde es versuchen.

Mal ehrlich: Sie sind doch neidisch auf den rasanten Flitzer Wacky Macky Bear.

Überhaupt nicht. Ich vermute nur, dass er gar kein Maskottchen ist. Er ist so eine Art Profiathlet, so ein Typ, der das ganze Jahr trainiert, nie trinkt, sich vegetarisch ernährt und abends die Biographie von William Shakespeare liest, anstatt wie jeder vernünftige Engländer in den Pub zu gehen. Ein typisches Strebermaskottchen. Wettbewerbsverzerrung nenne ich das. Massive Wettbewerbsverzerrung.

Sie tragen stets zwei Säbel bei sich. Warum haben Sie nicht versucht, Wacky Macky Bear damit zu stoppen?

Sind Sie verrückt?! Ich will doch kein Blut vergießen. Wir sind echte Männer – das heißt... Moment... manche sind auch Bären, andere Eichhörnchen, Löwen, Affen oder Tiger. Da lief sogar eine Kröte mit. Wie auch immer: Wir kämpfen mit Fäusten und Füßen, mit Tatzen und Krallen, aber Säbel... nun, das geht etwas zu weit.

Freuen Sie sich auf „The Mascot Grand National 2008“?


Nun, ich frage Sie: Kann man sich auf Prügel freuen? Ich denke, es wird zu hooliganartigen Ausschreitungen kommen, wenn die anderen Maskottchen mich wieder sehen. Aber ich habe ein dickes Fell. Ich hoffe auch darauf, dass die mich nicht noch hässlicher kloppen wollen, als ich eh schon bin. Come on boys! Wir sind doch alle Maskottchen.

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Im aktuellen 11FREUNDE-Heft kommt Wacky Macky, der pfeilschnelle Sieger des Wettrennens, zu Wort.

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