19.01.2009

Calle Del'Haye über Bayern, Poldi und sich selbst

»Ich ließ mich nicht verkaufen«

Wenn Bayern München einen Spieler aus der Bundesliga verpflichtet, prophezeit die Öffentlichkeit ihm gern das Schicksal von Calle Del’Haye. Von Scheitern will der jedoch nichts wissen. Hier macht er seinen Frieden.

Interview: Erik Rossel Bild: Imago
Herr Del`Haye, würden Sie Bankdrückern wie Lukas Podolski bei Bayern München raten, den Verein zu wechseln? Sie waren damals in einer ähnlicher Situation.

Meine Situation war eine ganz andere. Ich kam mit einem Dreijahresvertrag nach München. Am Anfang gab es aus taktischen und auch aus zwischenmenschlichen Gründen Probleme. Man wollte mich dann verkaufen. Ich habe aber gesagt, dass ich mich nicht verkaufen lasse. Ich wollte beweisen, dass ich jederzeit in dieser Mannschaft Fussball spielen kann. Das habe ich dann auch geschafft. Wenn man sich meine Statistik anschaut, sieht man das auch. In der Saison 1982/83 habe ich 31 Spiele für die Bayern gemacht. Es gibt in jedem Beruf Höhen und Tiefen. Mich stört es schon, dass es viele junge Spieler gibt, die sich nicht durchbeißen wollen. Aber es muss ja jeder selbst wissen, ob er die Flinte ins Korn schmeißt oder nicht.



Hat es sich für Sie gelohnt, bei den Bayern zu bleiben?

Ich habe das nicht bereut. Ich hatte die Möglichkeit, mich sportlich zu verbessern, und das habe ich getan. Klar, habe ich mir Gedanken macht, als ich auf der Bank saß, aber wenn ich bei Gladbach geblieben wäre, hätte ich mir ein Bein brechen können oder mich mit dem Trainer verkrachen können. Dann  hätte ich auch nicht gespielt. Fußball konnte ich bei Bayern jedenfalls jeden Tag spielen. Es gibt viele Märchen über mich. Es gibt Leute, die einfach sagen: »Calle Del’Haye hat bei Bayern München nur auf der Tribüne gesessen.« Ich saß während der fünf Jahren bei Bayern höchstens drei mal auf der Tribüne.

Hatten Sie Meinungsverschiedenheiten mit Trainern?

Sicherlich hatte ich die auch. Im letzten Jahr bei den Bayern hatte ich Probleme mit Udo Lattek. Aber wissen Sie, das ist schon so lange her. Mit Pál Csernai waren es nur taktische Probleme.  

Wie wird Lukas Podolski jetzt wieder zu einem Spitzenspieler?

Das ist schwierig zu sagen. Ich bin da eher skeptisch und gespannt, wie das für ihn weiter geht. Für ihn scheint ja das Umfeld ziemlich wichtig zu sein. Der 1. FC Köln ist momentan nur Mittelmaß. Bei Bayern München hatte er die Chance, international zu spielen.

Die Chance schien er ja nicht wirklich zu haben.

Na ja. Im Fussball können sich die Dinge so schnell drehen. Seine Äußerungen über die Öffentlichkeit waren nicht immer so geschickt. Das war nicht die hohe Kunst der Diplomatie.

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