BVB-Fanvertreter Marco Blumberg über den Fall Hoffenheim

»Wenig Aussicht auf juristischen Erfolg«

Die Störgeräusche, mit denen die TSG Hoffenheim am Wochenende angeblich Schmähgesänge von BVB-Fans unterbinden wollte, erregten die Gemüter. Wir sprachen mit BVB-Fanvertreter Marco Blumberg über die Vorfälle im Kraichgau. BVB-Fanvertreter Marco Blumberg über den Fall Hoffenheim

Marco Blumberg, 29 Jahre, ist seit Januar 2010 ehrenamtlicher Vorsitzender der BVB Fan- und Förderabteilung. Hauptberuflich arbeitet er als Rechtsanwalt in Oberhausen.

Marco Blumberg, können Sie mich überhaupt verstehen?


Marco Blumberg: Natürlich, klar und deutlich. Meine Ohren haben in Hoffenheim keinen Schaden genommen. Sie müssen also nicht schreien.

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Wie gestern bekannt wurde, soll die TSG Hoffenheim am Wochenende schrille Störgeräusche im Gästeblock abgespielt haben, um Schmähgesänge gegen den Mäzen Dietmar Hopp zu stören. Sie selbst waren im Stadion. Wie schlimm war es denn nun?

Marco Blumberg: Mir ist relativ früh aufgefallen, dass beim Aufkommen dieser unsäglichen Anti-Hopp-Gesänge immer ein seltsames akkustisches Signal zu hören war. Ich habe weit oben im Block gestanden und deswegen dieses Summen und Fiepen nicht genau orten können. Wir haben uns schon früh gewundert, dass die Hoffenheimer offenbar mit diesem Vorgehen versuchen, bestimmte Gesänge zu unterbinden oder zu stören.

Wie oft war dieses Störsignal überhaupt zu hören?

Marco Blumberg: In der ersten Hälfte vielleicht drei mal, aber je länger das Spiel dauerte, umso mehr wuchs die Frustration unserer Fans über den Spielverlauf. Es kamen immer mehr Unmutsäußerungen gegenüber Hoffenheim und Hopp, dementsprechend häufte sich auch dieser unangenehme Ton.

Im BVB-Forum www.schwatzgelb.de sprechen Fans von körperlichen Schmerzen, die ihnen dieser Ton bereitet hat. War es wirklich so schlimm?

Marco Blumberg: Ich habe mit Leuten gesprochen, die weit unten im Block standen und für die es wirklich sehr unangenehm gewesen sein muss. Ob das jetzt wirklich in den Bereich der Körperverletzung fällt, wage ich als Jurist zu bezweifeln. Allerdings ist das immer auch ein subjektiver Eindruck. Für mich selbst war es vor allem störend und verstörend zugleich. Mir war nicht bewusst, dass ein Verein ernsthaft meint, mit diesen Mitteln die Stimme der Fans unterdrücken zu können.

Hier geht's zur offiziellen Stellungnahme von 1899 Hoffenheim >>>

Ist mittlerweile bekannt, woher dieses Geräusch überhaupt kam?

Marco Blumberg: Weil das Geräusch außerordentlich laut wahrnehmbar war, wusste jeder, dass es nicht aus dem Nachbarblock kommen konnte. Das hätte man sicher gemerkt. Deswegen habe ich am Anfang angenommen, dass es aus der Stadionanlage kam. Mittlerweile kursieren sogar Fotos von einem Gerät, dass unter einer Plane im Tunnel zum Spielfeld, unmittelbar unter dem Gästeblock, installiert worden sein soll. Das klingt für mich logisch. Juristisch nachweisbar ist das aber wahrscheinlich nicht mehr.

Was wollte die TSG Hoffenheim mit dieser Aktion eigentlich bezwecken?

Marco Blumberg: Ich gehe davon aus, dass dieses Mittel eingesetzt wurde, um Schmähgesänge zu übertönen. Ich glaube nämlich nicht, dass die Urheber ernsthaft davon ausgingen, dass man unsere Gesänge so unterbinden kann. Dafür hätte es schon deutlich mehr in den Schmerzbereich gehen müssen, um einen Fan am Gesang zu hindern. Das Anwenden des Störsignals bei Anti-Hopp-Gesängen spricht doch eine deutliche Sprache. Der bewusste Einsatz solcher Mittel ist mehr als traurig.

Hoffenheim hat sofort reagiert und gegenüber des BVB-Forums www.borussen.tv die Vorwürfe weit von sich gewiesen. (Diese Antwort im Namen des Vereins TSG Hoffenheim wurde fälschlicherweise als offizielle Pressemitteilung verstanden. Anm. d. Red)

Marco Blumberg: Mich wundert die Schnelligkeit der Reaktion. Das wirft aus meiner Sicht kein gutes Licht auf den Klub und riecht zumindest leicht nach Eingeständnis. Doch vor allem der Wortlaut des Dementi macht mir Sorgen. Das erinnert stellenweise an poltische Machtregime von Unrechtsstaaten wie wir sie derzeit in Afrika kennen lernen. Sie wollen unbedingt die Meinungsmacht behalten und sind nicht bereit, Fehler einzugestehen. Das ist meiner Meinung nach zu kurz gedacht und mit das Dümmste und Schlechteste, was man machen kann. Wenn man mit Argumenten nicht mehr weit kommt, dann muss man doch merken, dass man auf dem falschen Weg ist.

Als Jurist können Sie es einschätzen: Hätte eine Anzeige wegen Körperverletzung gegen die TSG Hoffenheim überhaupt Aussicht auf Erfolg?

Marco Blumberg: Grundsätzlich kann jeder, der ernsthaft das Gefühl hat, von diesem Geräusch körperlich geschädigt worden zu sein, Strafanzeige stellen. Das würde ich auch gut heißen. Es darf natürlich nicht sein, dass jetzt jeder, der sich gestört gefühlt hat, Anzeige erstattet. Dazu gehört eine merkliche körperliche Beeinträchtigung, um Aussicht auf juristischen Erfolg zu haben. Was ich im Stadion von Hoffenheim gehört habe, war ein nerviger, unangenehmer Ton. Das allein ist aber nicht strafrechtlich relevant. Dann wäre auch jede Stadiondurchsage zu überprüfen.

Hoffenheim hat also keine Massenanzeigen zu befürchten.

Marco Blumberg: Ich glaube nicht. Der Verein sollte allerdings einmal ernsthaft seine Mittel überdenken, mit denen gegen auswärtige Fans vorgegangen wird. Die sind neben den juristischen Konsequenzen schlichtweg zu verurteilen.

Das Verhältnis zwischen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp und dem BVB-Anhang ist vergiftet. Schießen die eigenen Fans manchmal vielleicht auch über das Ziel hinaus?

Marco Blumberg: Das Ziel der BVB-Fanabteilung ist es, dass die Vereine mitgliederbestimmt bleiben und nicht zum Spielzeug einzelner Personen verkommen. Das Modell Hoffenheim widerspricht dieser Vorstellung.

Spätestens seit dem Fadenkreuz-Banner, das BVB-Fans einst gegen Dietmar Hopp hochhielten, werden aber immer wieder Grenzen des guten Geschmacks überschritten.

Marco Blumberg: Ich halte diese extremen Formen der Beleidung allerdings nicht für zielführend. Im Gegenteil, viel mehr schwächen sie unsere Argumente, weil diese Grenzüberschreitungen automatisch zu Solidarisierungseffekten mit Dietmar Hopp und Co. führen. Wie ich bereits sagte, wenn einem die richtigen Argumente fehlen, hat man ein Problem. Und wir haben ausreichend vernünftige Argumente gegen ein System, wie es in Hoffenheim gewachsen ist. Und auf die sollten wir uns zukünftig auch wieder mehr besinnen.

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