BVB-Fans vs. Uefa: Streit um ein Fest

»Fußball gehört uns, nicht McDonald's«

Ben McFadyean wollte eigentlich nur ein Fest für Dortmunder in London organisieren – jetzt haben er und sein Fan-Club 2000 Pfund Schulden. Im Interview spricht er über den Einfluss der Uefa, die Interessen der Stadt London und den Auftritt von Frank Mill.

Herr McFadyean, wie kamen Sie auf die Idee, im Rahmen des Champions-League-Finals ein Fan-Fest in Ealing zu organisieren?
Ich bin in Dortmund aufgewachsen, aber mit 19 Jahren nach London gezogen. Die Liebe zum BVB hält aber natürlich – seit über 20 Jahren. Wir haben einen Dortmunder Fan-Club hier in England gegründet. Als dann klar war, dass der BVB in Wembley spielen würde, wollten wir unbedingt etwas auf die Beine stellen. Ich selbst arbeite als Eventmanager und habe gewisse Erfahrung in dem Bereich. Ich traf mich also mit Julian Bell, unserem Stadtrat in Londoner Vorort Ealing, und erzählte ihm von der Idee eines BVB Fan-Festes. Er war sofort begeistert. Die Stadt Ealing stellte uns einen Vorschuss von 79 000 Pfund für die Organisation in Aussicht und auch der hiesige Einzelhandelsverband wollte das Event mit Sponsoring unterstützen.

Wie sollte das Fan-Fest genau aussehen?
Es sollte über drei Tage laufen, ein echtes Highlight von Fans für Fans, ganz anders als die offiziellen Veranstaltungen. Wir organisierten Bands wie »Pommes Schwarz-Gelb«, sprachen mit Bier- und Essenslieferanten aus Deutschland und konnten sogar ehemalige Spieler für das Fest gewinnen wie Frank Mill oder Murdo MacLeod. Die Resonanz aus Dortmund war überwältigend, tausende Fans wollten zu uns kommen. Wir rechneten mit 15 000 Besuchern. Dann knallte ein Anruf bei uns rein.

Von wem?
Die Polizei meldete sich. Das Fan-Fest könne nicht stattfinden, hieß es. Da standen wir gerade mit Vertretern der Stadt zusammen, um alles in trockene Tücher zu bringen. Der Tenor der Polizei war: »Wir können das aus Sicherheitsgründen nicht managen, außerdem befürchten wir, dass viele Fans ohne Eintrittskarte aus Dortmund anreisen.« Doch wenig später wurde uns mitgeteilt, dass die Bedenken nicht bei der Polizei lagen, sondern bei der Uefa.

Wer hat ihnen das mitgeteilt?
Stephen Pound, unser lokaler Parlamentsabgeordneter von der Labour-Partei. Er vermutete, dass der Verband und die Sponsoren Druck auf die Stadt London und den englischen Verband ausgeübt hätten. Sie sehen alle Veranstaltungen als Konkurrenz zu ihren eigenen Events. Das ist bezeichnend für die Habgier der Konzerne. Auch in Oberhausen wurde auf Druck von der Uefa eine öffentliche Übertragung abgesagt. Die Uefa teilte uns dann in einer kurzen E-Mail mit, dass sie ein »PublicViewing« nicht erlauben und somit auch das Fan-Fest nicht stattfinden könne.


Wie haben Sie reagiert?
Natürlich waren wir erst einmal geschockt, dass die Uefa bei einem kleinen Fan-Club so eingreift, aber wir haben uns dann nach Alternativen umgesehen. Wir fanden ein ehemaliges Kino, das »Troxy«, mit Platz für dreitausend Fans. Die Besitzer und deren Sicherheitsfirma haben das abgenickt, sie sahen überhaupt keine Probleme. Wir standen gleichzeitig in Kontakt mit Fanvertretern des BVB, die dann sehr überrascht reagierten. Die Uefa hatte ihnen mitgeteilt, dass das neuerliche Fan-Fest verboten wurde. Und tatsächlich meldete sich einige Tage später die Polizei beim »Troxy« mit einer erneuten Absage. Die neue Lokalität sei zu nah am offiziellen Champions League-Festival, sagten sie. Sie könnten nicht genug Polizisten für unser Fest abstellen.

Wie weit waren die beiden Veranstaltungen voneinander entfernt?
Ungefähr drei Kilometer.

Haben Sie eine Erklärung für die Aussagen der Polizei?
Es sieht so aus, als wären sie die Handlanger der Uefa. Aber sie haben bestimmt auf Druck von oben gehandelt, die Stadt London und der englische Verband wollten es sich mit der Uefa nicht verscherzen. Das Ganze ist schlimm für den Fußball: Die Uefa hat uns das Fest kaputt gemacht, sie beschneidet die Fans.

Wie haben Sie das Endspiel erlebt?
Letzten Endes haben wir trotzdem ein authentisches schwarz-gelbes Fest mit 300 Leuten in Ealing gefeiert. Das lief unter dem Motto »German beer tasting festival«, nicht als »Public Viewing«. Für uns bleibt aber ein fader Beigeschmack, da wir auf den Kosten sitzen bleiben. Schließlich hatten wir schon so viel organisiert, zum Beispiel Karten, Essen, Getränke und die ehemaligen Spieler als Gäste. Unser Anwalt hat uns empfohlen, die Uefa zu verklagen. Aber dafür fehlt uns das Geld. Momentan haben wir 2000 Pfund Schulden. Wir kämpfen darum, nicht auf den Miesen sitzen zu bleiben.

Wie?
Wir haben »Borussia Dortmund UK Fan Club«-T-Shirts drucken lassen mit dem »The Clash – London Calling«-Motiv – umgemünzt auf den BVB. Ein Bekannter meiner Schwester hat bei »The Clash« gespielt, das passte. Wenn wir so an die 300 Shirts verkaufen, haben wir eine Chance, unsere Schulden zu tilgen.

Wie blicken Sie auf die letzten Wochen zurück?
Wir haben sehr lange gegen die Uefa gekämpft und mussten uns immer wieder umstellen. Am Ende war es doch eine unglaubliche Feier und ein unglaublicher Tag – abgesehen vom Endergebnis. Viele Engländer haben den BVB lieben gelernt. Doch letzten Endes bleibt auch sehr viel Ärger. Fußballfans müssen langsam mal ein Zeichen setzen. Wir müssen zeigen, dass der Fußball uns gehört. Nicht der Uefa, McDonalds oder Mastercard.

Wer die Aktion unterstützen möchte, kann das Borussia Dortmund UK Fan-Club-Shirt hier f+r £14 plus £1.50 Versand erwerben. £7 des Verkaufes gehen an den UK Fan Club.
UPDATE Donnerstag, 10:30 Uhr: Der Link zur Shirtbestellung ist nun freigeschaltet. Hier geht es außerdem zu der Facebook-Seite des Fan-Clubs.

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