08.11.2012

BVB-Fanlegende Bruno Reckers über Fanfreundschaften

»Und jetzt alle auf die Dortmunder!«

Kein Wochenende ohne Hauereien und negativer Presse über deutsche Fußballfans. Können wir uns denn nicht mehr lieb haben? Bruno Reckers, seit fast einem halben Jahrhundert Dortmund-Fan und Mitglied unseres Roundtables im »Fan-Spezial« über feucht-fröhliche Abende in Schottland und Türsteher-Schlägereien als Auslöser einer wunderbaren Freundschaft.

Interview: Alex Raack Bild: Privat

Bruno, Du musst uns helfen!
Was ist los?

Wir verlieren langsam den Glauben daran, dass Fußballfans auch friedlich koexistieren, miteinander feiern oder gar zu Freunden werden können. Geht es nach der öffentlichen Wahrnehmung, dürften Fans dazu gar nicht mehr in der Lage sein.
Wie kann ich euch helfen?

Du bist seit fast 50 Jahren Dortmund-Fan, Dein Foto hängt im BVB-Museum, nur wenige Menschen in Deutschland dürften in den vergangenen Jahrzehnten mit so vielen Fußballfans in Kontakt gekommen sein, wie Du. Wir würden gerne wissen, ob wenigstens Du uns ein paar herzerwärmende Fan-Geschichten erzählen kannst?
Wo soll ich anfangen? Vielleicht mit der Reise nach Schottland?

Schieß los!
Das war beinahe exakt auf den Tag heute vor zehn Jahren. Wir spielten am Samstag in Cottbus, am Dienstag in der Champions League gegen den FC Liverpool. Mit ein paar Freunden fuhr ich im Bulli nach Cottbus, gleich danach weiter Richtung Glasgow zu alten Freunden, für die wir ebenfalls Karten besorgt hatten. Wir also von Glasgow nach Liverpool und wieder zurück nach Glasgow, um Celtic am Mittwoch gegen Juventus Turin zu sehen!

Respekt!
5000 Straßen-Kilometer in acht Tagen! Das Schönste passierte allerdings am Mittwoch in Glasgow. Weil für das Spiel keine Tickets mehr zu bekommen waren, suchten wir eine Celtic-Kneipe auf. Ich denk, ich guck nicht richtig, geh zum Barkeeper und sage: »Kerle, du bist doch Paul!« Und er so: »Jau, und du bist doch Bruno!« Ein alter Kumpel aus Schottland. Wenige Minuten später lernten wir eine Familie kennen, alle Celtic, die extra für dieses Spiel aus Kanada angereist waren. Was soll ich sagen: Wir fünf Besucher aus Deutschland durften anschließend den ganzen Abend lang kein Bier mehr bestellen.

Bitte?
Es hieß nur: »Ihr seid Gäste, ihr bezahlt hier nicht einen Cent!« So ging das den ganzen Abend. Als einzige Gegenleistung wurden Schals, Mützen und Anstecker akzeptiert.

Wie ging es weiter?
Irgendwann mussten wir uns verabschieden, unser Hotel lag etwa 20 Kilometer außerhalb von der City. Aber natürlich verpassten wir den letzten Zug, auf den Schock brauchten wir erstmal ein Pils. Wir marschierten in eine Kneipe gleich am Bahnhof, aber als der Wirt uns sah – gut behangen mit Trikots, Schals und Mützen – schmiss er gleich sein Handtuch über den Zapfhahn. »No football colours!«, rief er. Ich versuchte ihn dennoch zu einem Bier zu überreden, er fragte mich: »Seid ihr Italiener?« »Nein«, rief ich, »Dortmund und Celtic-Supporters!« Da ging das Handtuch wieder runter, wir konnten weiter trinken.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden