BVB-Fanbeauftragter über das Anreisechaos

»So etwas wie Anarchie«

Die Auswärtsfahrt zum Champions-League-Spiel gegen Olympiakos Piräus wurde für viele BVB-Fans zur Odyssee. Ein Generalstreik in Griechenland verhindert eine geregelte An- und Abreise. Der BVB-Fanbeauftragte Jens Volke meldet sich direkt aus Athen und spricht über Autofahrten ab Sofia und schöne Ausblicke. BVB-Fanbeauftragter über das Anreisechaos

Jens Volke, Sie sind Fanbeauftragter des BVB und mussten bis zuletzt die Auswärtsfahrt zum Spiel gegen Olympiakos Piräus organisieren. Die wichtigste Frage deswegen zuerst: Wo sind sie gerade?

Jens Volke: Ich stehe an der Akropolis und blicke auf Athen.

Nach all dem Stress, den Sie in den letzten Tage hatten, ist also nun endlich Zeit für etwas Sightseeing.

Jens Volke: Ehrlich gesagt musste ich mal was anderes sehen. Ich hätte mich sicher geärgert, wenn ich mir diesen Ausblick hätte entgehen lassen.

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In Griechenland ist für heute und morgen ein Generalstreik angekündigt. Vielen BVB-Fans ist deswegen die Anreise nach Athen extrem erschwert worden. Was meinen Sie: Wie viele Dortmunder werden überhaupt die Möglichkeit bekommen, die Akropolis von nahem zu sehen?

Jens Volke: Wenn ich das wüsste. Hier klingelt pausenlos das Telefon, unsere Fans versuchen alles, um hier her zu kommen. Wir können immer wieder nur sagen: »Ruft eure Fluggesellschaft an.« Denn hier sickern die Informationen auch nur äußerst spärlich durch. Aber manche müssen einfach auf diese Auswärtsfahrt verzichten. Einige haben erst hier vor Ort von ihren Fluggesellschaften die Ansage bekommen, dass sie hier nicht vor Samstag oder Sonntag wieder wegkommen werden. Das unsichere Abreisedatum war für viele schon ein Grund, die Anreise hierher direkt zu stornieren. Mir tut es für die Fans echt leid, dass diese tolle Auswärtsfahrt so chaotisch ist.

Dabei ist ein unfreiwiliger Kurzurlaub im warmen Griecheland doch gar nicht so schlecht. Man hätte ja auch in Rumänien landen können.

Jens Volke: Das mag sein, aber manche verpassen dadurch unser nächstes Heimspiel. Das tut unseren Allesfahrern schon sehr weh.

Welche Fangruppe hat die wohl kurioseste Anreise nach Griechenland?

Jens Volke: Gestern haben sich Leute gemeldet, die nach Sofia fliegen und von dort mit dem Auto nach Athen fahren wollen. Wenn alles glatt läuft, wollen sie heute um 21:00 Uhr hier vor Ort sein. Bei den Verkehrsverhältnissen, die hier herrschen, kann man den Jungs nur Glück wünschen, dass alles so klappt wie sie sich das vorstellen.

Ist man als Fanbeauftragter so weit, diesen Optimisten zu sagen: »Jungs, dreht lieber um. Das wird nichts.«

Jens Volke: Ich habe denen gesagt, dass es sehr gefährlich ist, was sie da vorhaben und klar gemacht, dass ich es für keine gute Idee halte. Aber so sind Borussen nun mal: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Auf der Hompage des BVB warnen Sie die Fans vor Alleingängen in der Stadt. Ist es als Deutscher wirklich so gefährlich in Griechenland auf die Straße zu gehen?

Jens Volke: Die Sicherheit unserer Fans hat bei uns oberste Priorität. Deswegen haben wir die Warnungen, die wir von anderen Vereinen und der örtlichen Polizei bekommen haben, an unsere Anhänger weitergegeben. Die lauten: Man sollte abends nicht alleine auf die Straßen gehen und vor dem Spiel bloß keine Fanutensilien tragen. Hier herrscht derzeit so etwas wie Anarchie und gerade unter Fußballfans soll es hier besonders heiß hergehen. Wir wollen niemanden in Gefahr bringen und rufen deshalb zur Vernunft auf.

Wie ist denn die Stimmung in der Stadt? Fliegen wirklich überall die Steine durch die Gegend?

Jens Volke: Die Leute waren uns gegenüber sehr gastfreundlich. Und wenn man nicht wüsste, was hier gerade für ein Brand schwelt, würde man meinen, dass alles seinen normalen Lauf nimmt. Wir hoffen einfach, dass unsere Fans hier einen tollen Champions-League-Abend haben werden und niemand zu Schaden kommt.

Wenn man es positiv sehen möchte, könnte man auch sagen: Endlich wird die Auswärtsfahrt mal wieder zum Abenteuer.

Jens Volke: Ich glaube, darauf hätten viele gerne verzichtet. Die Leute sind sehr enttäuscht und wütend, weil sie von den Fluggesellschaften erst sehr spät informiert wurden. Manche haben auch gar nichts gehört oder erst gestern morgen Umbuchungen angeboten bekommen – obwohl der Generalstreik schon lange angekündigt war. Da wird gesagt: »Na, klar kannst du Freitag zurückfliegen, aber dann nur in der Business-Class für 800 Euro.« Das ist für unsere Fans natürlich eine Katastrophe.

Heute Abend um 20:45 Uhr wird das Spiel gegen Olympiakos Piräus angepfiffen. Wie viele von den eingeplanten 1.400 BVB-Fans werden ihre Mannschaft am Ende im Stadion unterstützen können?

Jens Volke: Das wird eine Wundertüte. Wir treffen uns heute um 17:30 Uhr an der Metrostation Sygrou Fix. Vielleicht sind wir 1000, vielleicht stehen wir auch nur mit 60 Mann da.

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