07.10.2009

Bundesverdienstkreuz für Benjamin Adrion

Am Anfang war Kuba

Am Montag wurde Benjamin Adrion mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Im Interview spricht der Ex-Profi über Entwicklungshilfe, Fußball in Afrika und warum er so früh seine aktive Karriere beenden musste.

Interview: Christian Piarowski und Fabian Friedmann Bild: Imago
Bundesverdienstkreuz für Benjamin Adrion
Glückwunsch, Herr Adrion. Ihr Projekt »Viva con Agua« verfolgt das Ziel, in Entwicklungsländern die Wasserversorgung zu verbessern. Lange Jahre spielten Sie zuvor beim FC St. Pauli. Waren Sie dort auch eher der Wasserträger?

Erstmal Danke. Wasserträger? Zum Ende meiner Karriere St. Pauli spielte ich zentral im Mittelfeld vor der Abwehr. Ich war schon eher der mannschaftsdienliche Spieler und nicht die Diva hinter den Spitzen. Später kamen dann die Verletzungen. Und vor zwei Jahren musste ich meine aktive Laufbahn beenden.



Sie sind mit 28 Jahren im besten Fußball-Alter. Juckt es nicht noch in den Beinen?

Mehr zum Spaß habe ich kürzlich erst wieder ein paar Trainingseinheiten mit der zweiten Mannschaft von St. Pauli gemacht. Da merkte ich schon, dass ich von diesem leistungsorientierten Training weg bin. Zwei Jahre sind eine lange Zeit. Danach benötigt man unheimlich viel Arbeit, um wieder zurückzukommen.

Wie verlief ihre Karriere bis zur Verletzung?

Ich habe mit zwölf Jahren beim VfB Stuttgart schon sehr früh leistungsorientiert gespielt. Mit 15 war ich Nationalspieler. Später in der U 19 beim VfB verspürte ich allerdings den Drang aufzuhören, erst nach einer kurzen Pause ließ ich mich überreden weiterzumachen. Ich war auch durchaus erfolgreich, war Stammspieler bei VfB II, spielte mit Hleb und Amanatidis zusammen, wir wurden Zweiter in der Regionalliga Süd. Dann folgten drei Jahre Profivertrag beim VfB. Später bei St. Pauli bekam ich chronische Achillessehnenprobleme, mein Körper wollte einfach nicht mehr. Mit 25 war dann Schluss.

Und als das Karriereende abzusehen war, starteten Sie ihr Projekt »Viva con Agua«?

Nicht ganz. Bereits als Aktiver kam ich auf die Idee. Anstoß war ein Trainingslager auf Kuba mit dem FC St. Pauli. Und als ich zurückkam, da wuchs der Gedanke in mir. Ich dachte mir: Was kannst du aufbauen mit Hilfe des Vereins, der Presse, mit den Netzwerken eines ganzen Stadtteils im Rücken. Die Zeichen standen günstig. Das erste Ziel war zunächst die Wasserversorgung auf Kuba zu verbessern. Dass das Ganze dann so eine Dynamik annehmen würde, war damals noch nicht abzusehen.

Wie war das genau vor Ort auf Kuba? Sind Sie abseits der Trainingseinheiten durch das Land gezogen und haben die Zustände erlebt?

Nein, so war es nicht. Es gab jetzt keine konkrete Situation, wo mir die Schuppen von den Augen gefallen wären. Da ich aber vorher schon einige Wochen auf Jamaika war, und nach kurzem Aufenthalt in Deutschland das Trainingslager auf Kuba losging, wurde mir der Kontrast sehr deutlich vor Augen geführt. Was dann dazu geführt hat, etwas auf die Beine zu stellen. In dieser Zeit entstand die Idee, meinen Vertrag bei St. Pauli zu verlängern und nebenbei ein soziales Projekt zu entwickeln.

Warum haben Sie Ihr soziales Engagement nicht mit Fußball verbunden, etwa mit einer Fußballschule?

Das hat sich aufgrund der Recherche ergeben, durch die ich auf ein Wasserprojekt der Welthungerhilfe gestoßen bin. Die hatten bereits ein Projekt mit Kindergärten auf Kuba gemacht und das war dann sozusagen mein Einstieg. Im Nachhinein stellte sich schnell raus, dass Wasserprojekte relativ nachhaltig und kontrollierbar verwirklicht werden können. Später bin ich dann noch zweimal nach Kuba, um mich über die Fortschritte dort selbst zu informieren.

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