Bundestrainer Löw über die T-Frage

»Flexibilität ist vonnöten«

Es wird ernst für die Nationalmannschaft in der WM-Qualifikation. Im Interview spricht Bundestrainer Joachim Löw über die Spiele gegen Finnland und Russland, die weiterhin offene Torhüterfrage und übt Kritik an der FIFA. Bundestrainer Löw über die T-Frage

Wie hat Robert Enke die Entscheidung aufgenommen, in den WM-Qualifikationsspielen gegen Russland und Finnland nicht Kader anzugehören?

Das war eine Entscheidung von uns beiden. Es war klar, dass er die nächsten zwei bis drei Wochen im Training nicht komplett belastet werden kann, weil er noch Antibiotika nehmen muss. Somit war klar, dass Robert bei den Spielen nicht auf seinem Top-Niveau sein würde.

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Haben Sie Robert Enke eventuell Zusagen, was einen Einsatz in den November-Länderspiele anbelangt, gemacht?

Nein, so etwas ist nicht besprochen worden. Da haben wir uns nicht festgelegt, denn eigentlich war geplant, dass Wiese und Neuer nochmals in diesem Jahr spielen sollten. Das Ganze zeigt jedoch, dass wir auf alle Eventualitäten vorbereitet sein müssen. Es ist nicht das erste Mal, auch bei den Feldspielern mussten wir schon kurzfristig umdenken. Es ist größte Flexibilität vonnöten.

Es besteht somit auch kein akuter Handlungsbedarf, was die Rolle des Stammtorhüters für die WM 2010 anbelangt?

Rene Adler wird in den Spielen gegen Russland und Finnland, sofern nichts dazwischenkommt, im Tor stehen. Er hat in den beiden letzten Spielen überzeugt. Aber es ist absolut noch keine Vorentscheidung über die WM-Stammtorhüterrolle gefallen. Warum sollten wir auch jetzt entscheiden, wenn die WM 2010 erst im Juni losgeht? Wir werden den Kader im Mai nominieren, natürlich etwas früher wird schon eine Entscheidung bei den Torhütern fallen.

Sie nehmen wieder drei Torhüter zum Doppelspieltag Russland/Finnland mit?

Das machen wir generell bei den Doppelspieltagen so. Es werden nach jetzigem Stand Rene Adler, Manuel und Tim Wiese nominiert.

In Moskau gegen EM-Halbfinalist Russland wird auf Kunstrasen gespielt. Sie trainieren vorher in Mainz. Gibt es aus Ihrer Sicht dennoch ein Handicap?

Es ist schon eine Umstellung nötig, keine Frage. Wir müssen die zwei bis drei Tage in Mainz nutzen, um uns möglichst optimal auf die Gegebenheiten einzustellen. Aber unsere Spieler sind professionell genug, um damit umgehen zu können.

Aserbaidschans Trainer Berti Vogts sprach davon, dass der Kunstrasen keine Entschuldigung für Deutschland sein dürfe. Stimmen Sie ihm zu?

Es gibt keine Entschuldigung für uns. Wir thematisieren das auch nicht weiter. Wir müssen uns an die Gegebenheiten anpassen und versuchen, das Beste daraus zu machen.

Noch eine Frage zur U20-WM in Ägypten. Ihr Kollege Horst Hrubesch hat zahlreiche Ausfälle, insgesamt 27 Spieler stehen nicht zur Verfügung. Haben Sie fast ein wenig Mitleid mit ihm?


Entscheidend ist, dass die Ansetzung durch die FIFA während der Saison für eine solche Weltmeisterschaft nicht in Ordnung ist. Das ist nicht nachvollziehbar. Man kann die Haltung der Klubs verstehen, dass sie nicht wochenlang auf Spieler verzichten wollen und sie diese deshalb für die WM nicht abstellen. Auch für die Spieler ist es ein zwiespältiges Gefühl, denn einerseits wollen sie natürlich gerne eine solche WM bestreiten, andererseits laufen sie Gefahr, vielleicht ihren Stammplatz im Verein zu verlieren.

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