Bundesliga 2001: HSV-Bayern 1:1

»Es war kein Rückpass«

Mathias Schober erinnert sich vor dem Spiel Schalke gegen den HSV an das Jahr 2001 und spricht im Interview über Oliver Kahn, seine Situation als Nummer Zwei und die aktuellen Probleme auf Schalke. Bundesliga 2001: HSV-Bayern 1:1

Herr Schober, fürchten Sie schon um Ihre Position als zweiter Torhüter, wenn Sie hören, dass Schalke 04 mit Oliver Kahn verhandelt?

Nein, der Oliver hat seine aktive Karriere beendet und wird andere Positionen bekleiden. Außerdem ist ja noch keine Entscheidung gefallen.

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Wie sehr beeinträchtigen die Querelen im Umfeld die Mannschaft?

Die Mannschaft geht ganz normal damit um. Bei solch einer wichtigen Entscheidung, wie die Entlassung eines Managers, ist es logisch, dass das auch in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Wir Spielern müssen damit professionell umgehen.

Das tägliche Training verläuft also normal?

Das ist da gar kein Thema, wir müssen ja unsere Arbeit machen. Natürlich bekommen wir alles am Rande über Zeitung oder Fernsehen mit, aber die tägliche Trainingsarbeit ist auf keinen Fall beeinflusst.

Werder Bremen hat bei gleichen Zielen »noch« weniger Punkte auf dem Konto. Verstehen Sie eigentlich die ganze Kritik auf Schalke, wenn bei Werder dagegen Ruhe herrscht?

Das ist Schalke 04. Es wird alles in der Öffentlichkeit breitgetreten, dass muss man wissen – und damit muss man umgehen können, wenn man bei Schalke arbeitet. Es auf der einen Seite schade, auf der anderen Seite zeigt es aber auch, dass Schalke ein sehr interessanter Verein ist.

Hat man die Saisonziele inzwischen neu definiert?

Wir wollen weiterhin international spielen.

Am Sonntag geht es gegen den Hamburger SV.

Wir brauchen jeden Zähler, das ist klar. Natürlich wollen wir am Samstag drei Zähler einfahren, auch wenn das keine leichte Aufgabe wird, wie man gestern Abend gesehen hat.

Haben Sie das Spiel gegen Galatasaray gestern Abend mit der Mannschaft gesehen?

Nein, zu so später Stunde ist man zu Hause in den eigenen vier Wänden. Ich habe eingeschaltet – als mich meine Frau mal gelassen hat – und genau den richtigen Zeitpunkt erwischt, als der HSV gerade das Spiel gedreht hat.

Nach dem letzten Heimspiel wurden Sie trotz eines Sieges von den eigenen Fans ausgepfiffen. Was erwarten Sie am Sonntag von den Anhängern?

Letzte Woche in Wolfsburg haben wir verloren, und die Fans haben geklatscht. Wenn ich ganz ehrlich bin, möchte ich lieber drei Punkte haben und ausgepfiffen werden. Aber ich denke, dass das Verhältnis zwischen Fans und Mannschaft wieder auf einem besseren Weg ist, wenn man gesehen hat, wie wir in Wolfsburg unterstützt wurden und wie sich die Mannschaft reingekniet hat.

Die Hierarchien im Schalker Tor sind klar verteilt. Gibt es trotzdem einen Konkurrenzkampf?

Natürlich, es gibt immer einen Konkurrenzkampf, egal auf welcher Position. Ich habe am Freitag wieder gezeigt, dass ich da bin, wenn ich gebraucht werde. Ich habe eine ordentlich Leistung gezeigt, denke ich, auch wenn ich vier Gegentore kassiert habe.

Wie sehr schmerzt es, wenn man als zweiter Torhüter eine Einsatzchance erhält und dann so abgeschossen wird?

Das ist richtig bitter!

Am Wochenende ist Manuel Neuer wieder fit?

Bis jetzt hat er trainiert – und wenn ich ihm nichts ins Essen tue, wird er spielen. (lacht)

Hoffen Sie noch auf einen Einsatz in dieser Spielzeit, oder sind Sie froh, wenn Manuel Neuer alle Partien absolvieren kann?

Ich wäre sicherlich froh, wenn Manuel alle Partien absolvieren kann. Aber ich hätte auch nichts dagegen, wenn der Trainer sagt, dass ich spiele, so ist das nicht. Er soll möglichst gesund bleiben, doch das ich spielen möchte, ist ja klar.

Kommen Erinnerungen an das Jahr 2001 zurück, wenn Sie am Sonntag auf den HSV treffen?

Nein, ich war ja nur ein Jahr nach Hamburg ausgeliehen und habe dann sechs schöne Jahre in Rostock gehabt. Mittlerweile bin ich ja auch schon im zweiten Jahr auf Schalke, also da denke ich wirklich keine Sekunde mehr dran.

Es lief für Sie sehr unglücklich im Spiel mit dem HSV gegen die Bayern.

Ich habe eigentlich sehr gut gehalten und dann hat der Schiedsrichter leider in der Nachspielzeit, die eh viel zu lang war, eine unglückliche Entscheidung getroffen.

Haben Sie im Spiel daran gedacht, dass es für Ihren eigentlichen Verein, Schalke 04, um die Meisterschaft geht?

Während des Spiels konzentriert man sich nur auf das Spiel. Aber vorher war schon klar, dass, wenn wir gewinnen und Schalke gleichzeitig Unterhaching schlägt, die Schalker Deutscher Meister sind. Ich war vorher zehn Jahre auf Schalke und nur ausgeliehen. Von daher war es doppelt bitter, dass praktisch meine Mannschaft nicht Meister geworden ist.

Was war Ihr erster Gedanke, als Patrick Anderson den indirekten Freistoß in die Maschen drosch? War es mehr das Gegentor, das schmerzte, oder waren Sie mit Ihren Gedanken gleich im Parkstadion?

In der Situation kam alles zusammen. Wenn man ein Tor fängt, ist das immer doof, gerade in so einem wichtigen Spiel. Ich wusste ganz genau, was dieses Gegentor bedeutete.

Können Sie sich noch in die Situation versetzen, als der Rückpass auf Sie zugerollt kam?

Es war ja kein Rückpass – und ich kann mich auch nicht mehr daran erinnern. Als Torhüter muss man solche Situationen schnell abhaken.

Sie hatten danach nicht mit Schuldgefühlen zu kämpfen?

Damals war es ja auch so, dass Rudi Assauer und Huub Stevens klar in der Öffentlichkeit ihr Bekenntnis abgegeben haben, dass der Schiedsrichter eine falsche Entscheidung getroffen hat. Sie wussten ganz genau, dass ich alles dafür getan hätte, dass Schalke 04 Deutscher Meister wird.

Können Sie sich die Bilder aus dem Parkstadion heute noch ansehen?

Mir reicht das, was meine Freunde und Bekannten mir erzählt haben und was Sie erlebt haben.

Gibt es heute noch nachtragende Fans?

Nein, jeder weiß, dass ich durch und durch Schalker bin. Wer sollte das Ding Schalke mehr gegönnt haben als ich? Ich hätte die Schale persönlich mit dem Fahrrad von Hamburg nach Gelsenkirchen gefahren.

Sie sind jetzt 32, somit im besten Torwartalter. Trotzdem haben sie bei Schalke, wo Manuel Neuer die klare Nummer Eins ist, einen Vierjahresvertrag unterschrieben. Reizt es Sie nicht, nochmal als Nummer Eins zu spielen?

Das kann ich doch auf Schalke auch. Ich habe ja auch am Anfang der Saison gespielt. Wer weiß, was passiert wäre, wenn ich nicht einen Muskelfaserriss in der Wade gehabt hätte.

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