Bruno Labbadia im Interview

„Da hieß es: Friss oder stirb“

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Herr Labbadia, wie sind Sie eigentlich zum Fußball gekommen?

Da war ich noch ganz klein. Weil wir neun Geschwister waren, haben bei uns zu Hause immer jung und alt zusammen gespielt. Das hat natürlich auch dazu geführt, dass man sich frühzeitig durchsetzen musste, wenn man nicht auf der Strecke bleiben wollte. Da hieß es: Friss oder stirb.

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Und wann gingen Sie zum Verein?


Es gab in der zweiten Klasse eine Lehrerin, für die ich sehr geschwärmt habe. Die hat dann mal einen Mitschüler dafür gelobt, dass er Fußball im Verein spielt. In dem Moment habe ich mir gedacht: Da musst du auch hin!

Wo haben Sie sich damals in Ihren Träumen gesehen?


Von irgendwelchen Sachen in der Zukunft habe ich nie so richtig geträumt. Es war damals schon so wie heute, dass ich mir gesagt habe: Ich versuche das, was ich gerade mache, mit so viel Herzblut zu machen, dass ich gar nicht an das denken muss, was noch kommt. Als Junge habe ich zum Beispiel nie davon geträumt, mal beim FC Bayern zu spielen. Auch als ich schon in der 2. Liga angefangen hatte, war das nicht mein Ziel. Ich wollte einfach nur gut Fußball spielen und dann sehen, wie es weitergeht.

Als Kind gewannen Sie auch einen Talentbewerb und durften zum großen Pelé nach Amerika reisen.

Da war ich 13 und kam zum ersten Mal mit der großen weiten Welt in Kontakt. Der Wettbewerb wurde damals von zwei Firmen in ganz Deutschland veranstaltet, und erst wurden regional die besten Kinder gesucht. Hier im Raum Darmstadt war es Fritz Walter, der mich aus über 1000 Kindern ausgesucht hat. Er hat uns damals etwas mitgegeben, was mich bis heute begleitet: „Jungs, nach oben kommen ist schwer – oben bleiben aber noch viel, viel schwerer.“

Wie war Fritz Walter als Mensch?


Ich durfte ihn dann noch persönlich kennen lernen, weil wir nur 500 Meter Luftlinie voneinander entfernt gewohnt haben. Das war natürlich ein Traum. Er hatte eine so liebenswürdige Art und war stets zu jedem freundlich.

Wie ging der Wettbewerb weiter?

Es wurden dann national auch noch einmal die besten Kinder ausgesucht, und insgesamt durften 40 von ihnen nach Amerika. Wir haben das Cosmos-Stadion besucht und Beckenbauer und Ferenc Puskas getroffen. Danach wurde ich auch in der Region bekannt, in Auswahlmannschaften berufen, und mir wurde klar: „Da willst du hin.“ Vorher habe ich nur gespielt, weil Fußball für mich – wie heute immer noch – das geilste Spiel der Welt ist.

Hatten Sie dann ein konkretes Ziel?

Nein. Für mich bestand der Reiz immer darin, egal wo ich spiele oder trainiere, das Gefühl zu haben, dass es momentan der größte Verein der Welt ist. Deswegen fühlt es sich in Fürth für mich derzeit auch so an, als ob ich den FC Barcelona trainieren würde.

Sie wurden als jüngstes von neun Kindern geboren und wuchsen in einfachen Verhältnissen auf. Wie sehr hat Sie das geprägt?

Extrem, denn ich hatte eine super Kindheit. Wir konnten uns zwar nicht alles leisten, aber damals war es auch noch nicht so schwer, mit weniger Geld auszukommen. Wir haben einfach die Sachen von den Geschwistern mitgetragen. Heutzutage wäre so etwas natürlich viel schwieriger – bei den ganzen Markenartikeln. Ich kann nur sagen, dass es wunderschön für mich war, weil wir als Großfamilie viel an der frischen Luft waren, und ich besonders mit meinen nächsten drei Geschwistern ständig unterwegs war.

Gehörten Sie auch zu den Kindern, die auf dem Bolzplatz standen bis es dunkel wurde?

Und noch länger. Es wäre schon gut gewesen, wenn ich etwas früher kapiert hätte, dass die Schule auch ein Thema sein sollte. Das hat leider gedauert.

Wo haben Sie gespielt?

Hinterm Bauernhof hatten wir unseren einen eigenen Bolzplatz, den wir mit Freunden und den ganzen Geschwistern geschaffen hatten. Ich kann mich noch daran erinnern, wie wir erst mit Sensen das ganze Gestrüpp weggehauen und dann gleich mit dem Spielen angefangen haben. Da war natürlich immer was los.

Zurück zum Verein. Hat Sie dort jemand gefördert?

Es gibt eine Person, Georg Linnert, die wie ein Ziehvater für mich ist. Diesem Mann habe ich sehr viel zu verdanken, denn er hat mich von der E-Jugend bis zu den Senioren geführt. Mit ihm trifft sich heute noch die ganze ehemalige Mannschaft - zweimal im Jahr mit den kompletten Familien. Wir halten ständig Kontakt, und er ist mittlerweile der Patenonkel meines Sohnes.

Beziehen Sie sich heute noch in Ihrer Trainerarbeit auf ihn?

Auf alle Fälle – insofern, dass das Fußballspielen und die Technik auch bei mir große Schwerpunkte sind. Darin hat er mich von Anfang an geprägt. Wir haben zum Beispiel damals schon einmal die Woche auf einem Handballplatz trainiert, weil ihm das Spiel auf engem Raum sehr wichtig war. Heute lasse ich selbst als Trainer auch immer wieder Spiele auf Kleinfeld machen, um den Bolzplatz zu simulieren.

Wie sehr hat Sie ihre italienische Abstammung in Ihrer Jugend beeinflusst?


Damals waren die Italiener noch fast die einzigen Ausländer. Klar wurde man dann auch mal Spaghetti-Fresser genannt. Aber ich habe mich immer als Deutscher gefühlt, weil ich ja hier geboren wurde. Heute bin ich sehr froh, dass ich beides in mir habe. Einmal dieses Akribische, Geordnete, gut Organisierte, und andererseits auch ein Stück weit das „Dolce Vita“, wenn es denn angebracht ist. Das möchte ich auch meinen Jungs vermitteln: Auf der einen Seite muss man hart für den Erfolg arbeiten - aber dann auch genießen können. Das ist es, was das Leben ausmacht.

War es für Sie als Gastarbeiterkind schwieriger?

Schwer zu sagen. Wir hatten ja einfach nicht die Möglichkeiten. Wenn man mit acht Geschwistern groß wird, beide Eltern berufstätig sind und auch nicht das große Geld verdienen, kann man sich gewisse Dinge einfach nicht leisten.

Sie haben mit 18 Ihren ersten Profivertrag unterschrieben. Konnten Sie dadurch auch Ihrer Familie finanziell helfen?

Das haben meine Eltern nicht gewollt. Heutzutage ist es so, dass viele Eltern Talent in ihr Kind hineininterpretieren, das gar nicht vorhanden ist und ihre Kinder damit unter Druck setzen.

Und Ihre Eltern?

Die haben sich nie bei mir eingemischt. Meine Eltern haben sich damals ein Haus gekauft und von ihrem eigenen Geld abbezahlt, ohne dass sie von mir jemals einen Pfennig wollten. Wie sie das geschafft haben, bewundere ich.

Also sind ihre Eltern auch Vorbilder für Sie?


Ja, ich habe einen Riesenrespekt vor ihnen. Sie kamen mit so einer großen Familie in ein fremdes Land, dessen Sprache sie nicht mächtig waren, und haben es dann geschafft, im Laufe der Zeit soviel zu arbeiten und so sparsam zu sein, dass sie sich ein Haus leisten konnten. Das war eine riesige Leistung.

Haben Sie auch mal davon geträumt, in Italien zu spielen? Eventuell bei Ihrem Lieblingsverein Sampdoria Genua?

Ja, ich war mehrmals nah dran. Bei verschiedenen italienischen Vereinen war ich immer mal kurz ein Thema. Einer der letzten war der SSC Neapel, aber da war das Risiko zu groß, und einige Sachen stimmten nicht. Damals war ja Italien fußballerisch noch das Land, wo jeder hin wollte. Für mich persönlich wäre das auch etwas Besonderes gewesen, aber ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich auch die Bundesliga sehr schätze. Andererseits ist es natürlich immer interessant, auch mal in einem fremden Land zu arbeiten.

Trauern Sie der verpassten Chance nach?

Nein. Ich bin ein Mensch, der nie etwas nachtrauert, weil ich die Vergangenheit nicht mehr verändern kann. Ich kann nur zwei Sachen beeinflussen: Das Jetzt und das Morgen.

Warum haben Sie sich für die deutsche Nationalmannschaft entschieden?


Das war damals eine schwierige Entscheidung. Es gab noch die Regelung, dass in der 2. Liga nur zwei Ausländer in einer Mannschaft spielen durften. Wir waren drei Ausländer, und ich war der jüngste und auch derjenige, der in Deutschland geboren war. Ich wurde dann gefragt, ob ich Deutscher werden möchte. Es war für meine Eltern nicht so einfach, dass ich mit 18 Jahren Deutscher wurde. Letztendlich nur, weil ich unbedingt in der 2. Liga spielen wollte.

Also eher eine pragmatische Entscheidung?


Damals schon, weil ich einfach spielen wollte. Aber ich habe mich immer als Deutscher gefühlt, genauso wie ich auch meine italienischen Wurzeln nicht verleugne. Die haben mir in meinem Leben viel mitgegeben.

Waren Sie in den Länderspielen trotzdem mit dem Herzen dabei?


Also, ich wäre da auch schon vorher zu Fuß hingelaufen. In der Nationalmannschaft zu spielen, ist immer etwas Besonderes, und die deutsche und die italienische Nationalmannschaft sind beide ganz große Mannschaften.

Und wenn sie aufeinander treffen, wie beim Halbfinale der WM?

Ich weiß, was Sie fragen wollen. Ganz ehrlich, bei diesem Spiel verfahre ich ausschließlich nach dem Motto: „Der Bessere soll gewinnen.“ Ich war auch beim Halbfinale in Dortmund, und das war eine ganz komische Sache, als Deutschland ausgeschieden ist. Irgendwo waren die Italiener den Tick stärker, aber in dem Moment habe ich gemerkt, dass die WM für Deutschland vorbei ist.

Zu ihrer Karriere: Sie haben immer Ihre Tore gemacht. Warum sind Sie trotzdem bei keinem Verein so richtig angekommen?

Ich bin ein Mensch, der immer mit dem Herzen dabei sein muss. Und wenn ich etwas mache, mache ich das zu 100 Prozent. Wenn ich das Gefühl habe, dass da etwas ist, was mich dazu bewegt, nicht voll dabei zu sein, ziehe ich meine Konsequenzen. Dann kann man sagen: „Der ist ein Wandervogel.“ Oder man kann sagen: „Der ist auf seine Art konsequent.“ Das war nicht immer der bequemste Weg, aber ich wollte ihn unbedingt gehen.

Sie sind der einzige Spieler, der über 100 Tore in der ersten und der zweiten Liga erzielt hat. Bedeutet Ihnen dieser Rekord etwas?


Es ist immer schön, wenn man etwas hat, was kein anderer hat. Aber es ist nicht so, dass ich es jeden Tag sehen oder hören muss. Auch deswegen, weil ich das Gefühl habe, dass meine Karriere als Spieler Lichtjahre entfernt ist und dass ich schon ewig Trainer bin. Ich bin jetzt so in dem Job drin, dass ich keine Sekunde mehr an meine Zeit als Spieler denke.

Hätten Sie auch manchmal gern die 101 Zweitligatore gegen ein paar mehr in der Bundesliga eingetauscht?

Man muss ja immer sehen, dass ich nicht zwischendrin in der 2. Liga gespielt habe, sondern am Anfang meiner Karriere und zum Ende hin. Mit den 17 Toren im zweiten Jahr hätte ich heutzutage sofort in die Bundesliga wechseln können. Damals musste man in der nächsten Saison noch einmal 18 Tore machen, damit man überhaupt ein Angebot bekam. Ganz allgemein habe ich in der 2. Liga einen Riesenspaß gehabt, besonders in dem Jahr, in dem ich für Bielefeld 28 Tore gemacht habe. Auch damals hatte ich mehrere Angebote aus der 1. Liga. Aber mich hat das in Bielefeld einfach zu sehr gereizt.

Sind Sie damals auf den markanten Pistolero-Jubler gekommen?


Nein, das war früher und eigentlich auch nur Zufall. Ein Spieler eines gegnerischen Vereins hatte mich mal vor einem Spiel gereizt, und nachdem ich dann ein Tor geschossen hatte, wollte ich ihm zeigen, wie scharf ich schießen kann. Ohne, dass ich mir Gedanken darüber gemacht hätte – es kam wie aus der Pistole geschossen (lacht).

Zurück zur 2. Liga: Fürth spielt seit über 10 Jahren dort und ist mittlerweile der „dienstälteste“ Zweitligist. Würden Sie gern ein zweites Fortuna Köln werden?


Der Verein macht seit Jahren eine unglaubliche Arbeit unter sehr schwierigen Bedingungen. In der heutigen Zeit wird die Kluft zwischen den Vereinen ja immer größer. Man muss sehen, unter welchen Voraussetzungen wir in die Saison gestartet sind: Wir haben 15 Spieler verloren und 13 neue Spieler geholt. Wir haben mittlerweile zusammen mit Kaiserslautern die jüngste Mannschaft. Wir haben den zweitniedrigsten Etat der Liga. Diese Dinge sind mittlerweile Normalität in Fürth – aber es ist eigentlich nicht normal.

Dient Ihnen die Fortuna in der Hinsicht auch als warnendes Beispiel? Nachdem sie zu ehrgeizig geworden war, folgten die Insolvenz und der Absturz in die Verbandsliga.


Dafür ist unser Präsident Helmut Hack zu strategisch und zu weitsichtig. So wie ich ihn jetzt kennen gelernt habe, wird er den Verein immer so führen, dass er auf guten Füßen steht. Wir sind da das Bremen der 2. Liga: Werder hatte früher auch nicht die gleichen Mittel und die gleiche Infrastruktur wie andere größere Vereine und hat trotzdem immer super gewirtschaftet, sodass sie heute eine Spitzenmannschaft haben. Genauso müssen auch wir in Fürth arbeiten.

Fürth ist in den letzten Jahren regelmäßig am Aufstieg gescheitert. Macht es wirklich einen Unterschied, ob man in der 2. Liga fünf Mal fünfter wird oder fünf Mal knapp den Abstieg verhindert?


Das kommt auf die eigene Wertung an, und das habe ich auch so unseren Fans gesagt. Man kann enttäuscht sein, wenn es nicht klappt – aber eines darf man nie: In dem Moment schlecht über den Verein denken. Denn diese Leistung, die der Verein in den letzten Jahren vollbracht hat, ist unglaublich. Ein passender Vergleich dazu: Es hat jemand eine Million Euro um ein Haus zu bauen, und ein anderer hat nur 250 000 Euro zur Verfügung, soll aber genau das gleiche Haus mit der gleichen Qualität bauen - das ist doch nicht gerecht. So ist es zwischen uns und Vereinen wie Köln, Gladbach oder Aachen.

Ihr Kollege Ede Becker hat kürzlich bei uns im Interview gesagt, dass er in der Bundesliga mit seinem Karlsruher Mofa den Formel-1-Boliden der Bayern jage. Womit fahren Sie in der 2. Liga?


Mit einem ganz kleinen Mofa, diese Solex, wie es sie früher noch gab. Also nicht so aufgemotzt und hochgetuned wie die heutigen. Aber das ist vergleichbar mit dem erwähnten Haus: Es heißt nicht, dass derjenige mit der Million Euro ein schöneres Haus baut. Mit Kreativität und viel Ärmelhochkrempeln kann man manchmal auch etwas reißen, und das versuchen wir in Fürth.

Als Spieler waren Sie ein Wandervogel. Jetzt als Trainer wollen Sie doch sicherlich etwas länger bei einem Verein bleiben.

Das hängt davon ab, ob ich meine Visionen verwirklichen kann. Darum bin ich auch Trainer geworden: Um meine Philosophie durchsetzen zu können. In Darmstadt hätte ich schon nach dem zweiten Jahr in die Bundesliga gehen können, aber ich bin nicht gewechselt, weil ich dort etwas zu Ende bringen wollte. So etwas entscheide ich immer punktuell, und da interessiert mich auch nicht, was andere Leute denken.

Nach ihrer langen Spielerkarriere wurden Sie sofort Trainer bei Darmstadt. Wollten Sie da nicht erstmal eine Auszeit einlegen?

Das war der ursprüngliche Plan, auch um erst einmal Abstand zu gewinnen. Aber Darmstadt war mein Heimatverein, und ich hatte immer gesagt, dass ich dem Verein helfen werde, sollte es ihm mal schlecht gehen. Und dem Verein ging es sehr schlecht, nachdem er in die Oberliga abgestiegen war.

Darmstadt war Ihr erster Verein als Spieler und als Trainer. So etwas wie Ihre große Liebe?

Ich habe einen ganz besonderen Bezug zu dem Verein, und das war auch der Grund für mein Versprechen zu helfen, wenn es nötig sein sollte. Auch heute schaue ich noch an jedem Wochenende nach, wie Darmstadt gespielt hat.

Mit wie viel Wehmut verließen Sie dann die “Lilien”?


Ich musste ja schon im Jahr davor lange überlegen, ob ich dort weitermache. Es war dann einfach die Zeit gekommen.

Ihr Fürther Vorgänger Benno Möhlmann meinte, dass das Gesamtpaket des Vereins nicht aufstiegsreif sei.

Die Aussage von Benno Möhlmann ist aus dem Zusammenhang gerissen. Tatsächlich wirkt es gegenüber anderen Vereinen erst einmal sehr schwierig. Aber was ist schon unmöglich? Es ist doch immer reizvoll, etwas zu schaffen, was unter normalen Umständen nicht für möglich gehalten wird.

Arbeiten Sie lieber bei kleineren Vereinen mit niedrigeren Etats, weil dort der Druck nicht so hoch ist?


Nein. Es muss immer das Ziel sein, bei den besten Vereinen zu arbeiten. Ich habe zum Beispiel damals gesagt, dass ich zum FC Bayern gehe, weil ich gerne Druck habe. Ich mache mir auch selbst den größten Druck.

Sie begründeten ihre Entscheidung für Fürth als
Bauchentscheidung.

Das hat mit dem Präsidenten zu tun. Er hat auch in der Zeit, in der schon Bundesligisten an mir dran waren, nie aufgegeben und immer gesagt, dass er mich unbedingt will. Mein Bauch hat mir geraten, dass ich hier am Besten meine Philosophie umsetzen kann.

Inwiefern entspricht ihr Konzept als Trainer Ihrer eigenen früheren Spielweise?


Zu hundert Prozent. Ich möchte, dass meine Mannschaft attraktiv und offensiv spielt. Man soll merken, dass das Team einen Plan hat. Wir reagieren nicht auf den Gegner, sondern wir agieren, das ist mir wichtig. Nur Schönspielen allerdings geht nicht. Das Ergebnis ist natürlich wichtig. Und das wollen wir am besten mit unserer Spielweise erreichen.

Als Spieler waren Sie sehr emotional. Müssen Sie sich als Trainer nun mehr zurückhalten?


Ja, das ist schon ein Stück weit anders. Während der Spiele bin ich jetzt ruhiger, weil ich mich voll auf die Mannschaft konzentrieren und den Überblick bewahren muss. Zwischen dem Dasein als Trainer und als Spieler besteht ein großer Unterschied.

Werden Sie deswegen von den Spielern in Fürth gesiezt?


Nein, ich bin nur kein Freund von Duzerei. Das ist einfach eine Eigenart von mir und hat nichts mit Autorität-Ausstrahlen zu tun. Ich will den Spielern auch nahe sein, sie können bei Problemen zu mir kommen, aber eine gewisse Distanz zwischen Trainer und Spielern ist sehr wichtig.

Sind Sie zufrieden mit dem, was Sie bisher erreicht haben?


Man kann natürlich immer mehr erreichen. Aber ich bin glücklich, mit dem, was ich habe. Ich konnte mein Hobby zum Beruf machen – und was will man mehr?

Wo sehen Sie sich am Ende Ihrer Trainerkarriere?


Es ist ja viel zu schade, mir jetzt zu überlegen, wo ich mal am Ende der Karriere stehen werde. Nein, es ist viel spannender, jetzt gerade wieder von neuem das mitzumachen, was ich auch schon als Spieler mitgemacht habe. Ich könnte mir nie vorstellen zu sagen: „Ich habe als Spieler aufgehört – jetzt sind meine Höhepunkte vorbei.“ Mein großes Ziel als Trainer ist nun, dass eine Mannschaft auf Dauer meine Philosophie umsetzt und wir damit Erfolg haben.

Eine letzte Frage: Wie sterilisiert man etwas hoch?

Das war ja klar (lacht). Ich weiß gar nicht, wie viele Interviews ich gegeben habe, wohl Tausende, und das (Anm.: ein früheres Zitat Labbadias: “Das wird doch alles von den Medien hochsterilisiert”) bleibt als Einziges hängen. Vor kurzem kam erst meine Tochter, die davon noch gar nichts gehört hatte, zu mir und hat sich halb krankgelacht. Aber so etwas muss man einfach mit Humor nehmen. Ich war auch einmal bei Harald Schmidt eingeladen und hatte mir schon überlegt, im Arztkittel zu erscheinen. Leider hat es dann doch nicht mit dem Besuch bei ihm geklappt. War wohl besser so.


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