20.10.2007

Bruchhagen und Rettig im Interview

„Kein Fußbreit den Milliardären“

Die DFL-Vorstandsmitglieder Heribert Bruchhagen und Andreas Rettig über asiatische Märkte, Sumo-Ringer als Torhüter, den empfindlichen DFB-Chef und aufgeblähte Scoutingabteilungen.

Interview: Philipp Köster und Thorsten Schaar Bild: Christiane Haid
Die Befürworter einer neuen Regelung argumentieren international. Nur durch Investoren könne die Bundesliga mit der englischen Premier League mithalten.

Rettig: Ich kann nicht mehr hören, dass wir in Deutschland nicht mehr wettbewerbsfähig seien. Den Fernsehmarkt isoliert zu betrachten, ist Unfug. Die Fernsehlandschaft in England oder Frankreich ist eine ganz andere, dort hat sich ein anderer Pay-TV-Markt entwickelt. Dafür haben wir in Europa die höchsten Werbeeinnahmen. Und das liegt daran, dass wir im Free-TV laufen und an jedem Samstag sechs Millionen die Sportschau gucken. Wenn man die Marketingerlöse erhalten will, kann man den Fußball nicht im Pay-TV verstecken, es sei denn, es gibt signifikant höhere Reichweiten.

Kämpft die Liga jetzt schon ihr letztes Gefecht? Investoren wie der Red-Bull-Erfinder Dietrich Mateschitz stehen bereit. Auch Martin Kind würde gerne bei Hannover 96 investieren.

Bruchhagen: Hannover 96 ist da interessiert. Aber es würde nicht so kommen, wie 96 sich das wünscht. Es würde einen einmaligen »Return of investment« geben, strukturell würde sich aber nichts ändern. Denn nach den großen Investoren suchen auch noch sieben andere Klubs. Hannover wird da nicht der erste Kandidat sein und dasselbe gilt für Eintracht Frankfurt. Da aber Trends in Deutschland manchmal eine Eigendynamik kriegen, nicht zuletzt durch die Medien, will ich nicht ausschließen, dass ein solcher Hype irgendwann uns, die Puristen, wegfegt. Das haben wir schon zu oft erlebt.

Dann mischen russische Investoren und Dietrich Mateschitz in der Liga mit.

Rettig: Einen Mateschitz haben wir ja schon mit Herrn Hopp in der Liga. Wenn man die Meldungen über die Transfers der TSG Hoffenheim hört, horcht man schon auf. Für mich ist das immer noch ein Unterschied, ob der FC Bayern für Millionen Spieler kauft, schließlich ist das selbst erwirtschaftetes Geld. Ob andere Vereine solches Geld generieren können, stelle ich zumindest mal in Frage.

In vielen Klubs wird inzwischen sehr ökonomisch gedacht. Fans gelten als Kunden, deren Konsumwünsche es zu befriedigen gilt.

Bruchhagen: Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst. Der Fußball muss bezahlbar sein. Bei uns kostet die billigste Jahreskarte 100 Euro. Und solange ich Verantwortung habe, versuche ich, das beizubehalten. Auch was Würstchen und Bier kosten, sind elementare Dinge. Da lasse ich mir nicht reinreden; das bestimme ich – und nicht der Caterer.

Rettig: Es sind viele kleine Dinge, die den Ausschlag geben. Nehmen Sie die Trikots. In Augsburg gibt es das günstigste Trikot im bezahlten Fußball, es kostet unter 40 Euro. Wenn ich nun welche sehe, die ihr Trikot für 75 Euro verkaufen, gibt es dafür sicherlich einen Markt. Ich finde aber, dass das Trikot nicht zum Weihnachtsgeschenk verkommen sollte. Wenn du als Familienvater nicht mehr dazu in der Lage bist zu sagen »Gutes Zeugnis, jetzt kriegst du ein Trikot«, dann haben wir ein Problem.

Bruchhagen: Auch dieses ganze Ballyhoo, das anderswo um den Fußball erzeugt wird, ist nicht meine Sache. Es muss immer mit Fußball zu tun haben. Ich will auch keine Schreihälse als Stadionsprecher. Bei uns singt der Polizeichor »Eintracht vom Main«. Das Lied ist 40 Jahre alt – und das haben die Fans am Ende sogar lieb gewonnen. Da muss man ganz behutsam vorgehen. Man darf nicht jeden Scheiß mitmachen.

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