20.10.2007

Bruchhagen und Rettig im Interview

„Kein Fußbreit den Milliardären“

Die DFL-Vorstandsmitglieder Heribert Bruchhagen und Andreas Rettig über asiatische Märkte, Sumo-Ringer als Torhüter, den empfindlichen DFB-Chef und aufgeblähte Scoutingabteilungen.

Interview: Philipp Köster und Thorsten Schaar Bild: Christiane Haid
Heribert Bruchhagen, Andreas Rettig, am 25. Oktober könnte auf dem DFB-Bundestag beschlossen werden, dass künftig auch Investoren die Mehrheit an deutschen Profiklubs übernehmen können. Kommt es dazu?

Andreas Rettig: In der Bundesliga sind einige Protagonisten sehr daran interessiert, dieses Thema voranzutreiben. Es gibt dazu allerdings noch nicht einmal einen Antrag. Es macht aber für mich keinen Sinn, die Entscheidung jetzt über das Knie zu brechen. Wir sollten erst einmal externe Experten dazu holen und die Erfahrungen anderer Ligen auswerten, bevor wir beschließen, ob eine solche Satzungsänderung sinnvoll ist.



Wo verläuft denn da die Grenze? Die großen Klubs gegen die kleinen?

Rettig: Nein. Bei dem Thema stehen sich Fußballromantiker und wirtschaftlich orientierte Entscheidungsträger diametral gegenüber. Aber: Nicht alles, was aus den USA oder von der Insel kommt, muss gut sein.

Sie klingen nicht sonderlich begeistert.

Heribert Bruchhagen: Ich komme von der TSG Harsewinkel und habe diverse Stationen in der Bundesliga durchlaufen. Ich weiß noch, was Vereinskultur bedeutet.

Diese Vereinskultur sehen Sie gefährdet?

Bruchhagen: Die Bundesliga ist für Investoren nicht der richtige Ort. So ein Investment ist doch immer nur eine temporäre Geschichte. Es kommt nur einmal frisches Geld in den Markt, strukturell verändert sich aber nichts.

Rettig: Wer solch große Summen in einen Klub investiert, macht das in der Regel nicht aus Liebe zum Sport. Wenn es eine Herzensangelegenheit wäre, würde ja auch eine Minderheitsbeteiligung ausreichen. Ich will das Investorentum gar nicht grundsätzlich geißeln. Nur wenn man sich darauf einlässt, dass derjenige die Geschäfte bestimmt, der das meiste Geld investiert, muss man auch mit den negativen Konsequenzen leben. Bisher sagen die Befürworter nur: »Wir brauchen frisches Geld, damit wir konkurrenzfähig sind.« Zu welchem Preis das geschähe, sagt aber niemand.

Wie hoch wäre der Preis?

Rettig: Der Fußball muss bezahlbar bleiben. Wenn am Ende die billigste Karte wie in England 35 Pfund kostet, ist er das aber nicht mehr, jedenfalls nicht für den, den wir auch gerne im Stadion haben wollen und der die Liebe zum Fußball mitbringt. Klar, wir wollen alle Geld verdienen. Wir müssen nur aufpassen, dass wir die Latte für die Fans nicht zu hoch legen.

Bruchhagen: Der Wettbewerb in der Bundesliga ist immer stärker gefährdet und hat in den letzten zwölf Jahren zementartige Züge angenommen. Die Großen bleiben groß, die Mittleren bleiben mittel und die Kleinen bleiben klein. Diese Entwicklung ist den Fernsehgeldern geschuldet. Wenn wir jetzt eine blühende Landschaft vor Investoren ausbreiten, wird man hinterher nicht mehr von Zement reden, sondern von Granit. Die Großen würden noch mehr bekommen und die Kleinen prozentual noch weniger.

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