Brentford-Trainer Uwe Rösler zwingt den FC Chelsea ins Wiederholungsspiel

»Wir waren besser!«

Mit seinem Drittligist Brentford FC trotzte Trainer Uwe Rösler dem großen FC Chelsea ein 2:2 in der vierten Runde des FA-Cups ab und zwang den Dritten der Premier League somit ins Wiederholungsspiel. Wir sprachen mit dem Deutschen England-Legionär über die Coolness des Rafa Benitez, die Eckkneipen im Stadion und den Aufstand der Kleinen.

Uwe Rösler, herzlichen Glückwunsch zum beeindruckenden 2:2 Ihres Brentford FC im FA-Cup gegen Chelsea! Haben Sie mit so einem Auftritt Ihrer Mannschaft gerechnet?

Ich habe damit gerechnet, dass wir Chelsea Probleme bereiten können. Wir haben viele Spieler im Team, die bei Premier League-Klubs ausgebildet wurden und technisch und taktisch auf hohem Niveau sind. Meine Mannschaft kommt mit höherklassigem Fußball fast besser zurecht als mit dem Spiel in den unteren Ligen. Ich wusste: Mit dem richtigen Hunger und dem Glauben an die Sache können wir denen weh tun.



Gut ausgebildete, junge Spieler sind also das Erfolgsrezept?

Ja. Das geht bei uns aus finanziellen Gründen auch gar nicht anders. Die Arbeit mit jungen Spielern macht mir aber auch großen Spaß. Man bekommt unheimlich viel zurück, auch wenn die Konstanz manchmal fehlt. Das Vertrauen bekommen sie von mir. Wer sich reinhängt, hat bei mir eine große Zukunft.



Gegen Chelsea haben Sie zweimal geführt und waren das bessere Team. Ist das nicht auch ärgerlich? 

Wir haben das Spiel kontrolliert. Erst durch den Wechsel von Juan Mata gegen Marko Marin wurden wir dann in der zweiten Halbzeit ein wenig hinten reingedrückt. Mata ist ein Weltklassespieler. Die Gegentore sind durch individuelle Klasse gefallen, das lässt sich bei einer Mannschaft wie Chelsea leider kaum vermeiden. Aber die bessere Mannschaft waren wir! 



Im Stadion in Brentford gibt es in jeder Ecke eine Kneipe. Hat das Team nach Abpfiff dort den Erfolg gefeiert?

Nein. Wir sind Profis und haben zur Zeit alle drei Tage ein Spiel. Und Grund zu Feiern gibt es ja noch gar nicht. Wir haben uns ein Rückspiel erkämpft, was für den Verein eine tolle Sache ist. Aber weiter sind wir noch lange nicht. Ich kann als Trainer auch gar nicht in die Kneipen gehen, ich muss die Distanz wahren! Aber vielleicht gibt es ja nach dem Rückspiel Grund zu feiern.



Was geht für Ihre Mannschaft an der Stamford Bridge?

Die Chancen werden natürlich geringer. Aber wir müssen uns nicht verstecken. Wir hatten im Angriffsdrittel mehr Ballbesitz als Chelsea. Das ist bemerkenswert und zeigt, dass wir den Ball auch ordentlich laufen lassen können. Wichtig wäre außerdem, die ersten dreißig Minuten ohne Gegentor zu überstehen.



Ihr Gegenüber Rafael Benitez steht als Chelsea-Coach stark in der Kritik. Hat man das gemerkt? 

Benitez ist ein Profi und total cool. Der gibt seine taktischen Anweisungen wie sonst auch. Die Chelsea-Fans haben ihm ordentlich Dampf gemacht, das ist natürlich nicht angenehm. Es schien ihm aber nicht sonderlich viel auszumachen, der ist mit allen Wassern gewaschen. 



Und die Spieler? Bei Fernando Torres etwa läuft seit Monaten fast gar nichts mehr zusammen.

Bei Torres hat man den Druck total gemerkt. Den hatten wir eigentlich die ganze Zeit im Griff, er hatte nur eine Chance. Dummerweise hat er die dann in der 83. MInute reingemacht. 



Neben Brentford haben unlängst auch Oldham Athletic und Bradford für Überraschungen gesorgt und größere Teams aus dem Pokal geworfen. Erlebt der englische Fußball gerade den Aufstand der Kleinen? 

Die Qualität in den unteren Ligen ist einfach höher geworden. Es gibt viele Spieler, die es nicht direkt in die Premier League schaffen, aber durchaus die Qualität dazu haben. Dadurch ist das Niveau gestiegen, so sind auch die Siege der kleinen Teams zu erklären. 



Sie selber haben Ihren Vertrag gerade bis 2015 verlängert, wollen aber auch höherklassig trainieren. Passt das zusammen? 

Ich bin hier noch nicht fertig. Wir haben in Brentford etwas aufgebaut und erleben seit ungefähr 20 Monaten einen stetigen Aufschwung. In dieser Saison sind wir permanent unter den ersten Sechs und hoffen, dass das auch so bleibt. Ich habe hier alle Vorraussetzungen, um erfolgreich zu sein. Mit beschränktem Budget zwar, aber mit fähigen Mitarbeitern und einem guten Umfeld. 



Haben denn schon größere Klubs angeklopft?

Es sind einige Anfragen gekommen, aber warum sollte ich hier weg? Der Sportdirektor hat ein Angebot von West Bromwich Albion gehabt, ist aber hier geblieben. Einige Spieler und Mitarbeiter aus dem Funktionsteam haben sich zum Verein bekannt, obwohl auch sie andere Angebote hatten. Für mich war klar, dass ich mich auch zu unserer Sache bekenne. Das Gras ist nicht immer grüner auf der anderen Seite des Zauns.

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