Braunschweigs Co-Trainer über die Aufstände in Tunesien

Jürgen Rische: »Die Menschen haben Angst«

Wegen der Unruhen in Tunesien hat Drittligist Eintracht Braunschweig sein Trainingslager in der Küstenstadt Port el Kantaoui vorzeitig abgebrochen. Co-Trainer Jürgen Rische über geplünderte Geschäfte und leere Straßen. Braunschweigs Co-Trainer über die Aufstände in Tunesien

Jürgen Rische, Eintracht Braunschweig hat das Winter-Trainingslager in Tunesien abgebrochen. Warum?

Jürgen Rische: Außer uns war ja keiner mehr da. Wir sind gestern geflogen. Einen Tag vorher, am Samstag, wurden bereits alle deutschen Touristen außer Landes gebracht. Und auch für uns gab es keinen Grund mehr, noch eine Minute länger in Tunesien zu bleiben.

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Wie sehr haben Sie in den vergangenen Tagen bemerkt, was in Tunesien passiert?

Jürgen Rische: Wir haben zwar keine Gewehrschüsse auf dem Trainingsplatz gehört, aber die Stimmung hat sich merklich verändert. Wir waren in Port el Kantaoui untergebracht, circa 30 Kilometer von der Küstenstadt Monastir entfernt. Dort, wo am Samstag bei einem Gefängnisaufstand 50 Menschen verbrannten. Fürchterlich.

Wie haben Sie sich über die Geschehnisse im Land informiert?

Jürgen Rische: Vor allem über die deutschen Medien, weniger über die tunesische Presse. In den ersten Tagen sickerten natürlich nur wenige Informationen durch. Am intensivsten habe ich die so mit Furcht aufgeladene Atmosphäre in den Gesprächen mit unseren tunesischen Hotelangestellten bemerkt. Viele hatten Angst über Diktator Ben Ali oder das Regime zu sprechen.

Waren die Unruhen in Tunesien auch Inhalt der Gespräche im Mannschaftskreis?

Jürgen Rische: Natürlich, es ging nur darum. Wenn man in einem Land ist, wo so etwas passiert, dann will man sich auch darüber informieren. Was uns als Trainerstab aber wichtig war: Bis zu unserer vorzeitigen Abreise am Sonntag, haben wir unser Trainingsprogramm voll durchziehen können.

Jürgen Rische, hatten Sie eigentlich Angst, dass auch Ihnen etwas zustoßen könnte?

Jürgen Rische: Es ist schon ein mulmiges Gefühl, wenn die Straßen vollkommen leer sind und in der Hotelanlage niemand mehr ist, außer man selbst. Und auf der Fahrt zum Flughafen sahen wir dann Geschäfte, die geplündert wurden, brennende Autos und vor allem an jeder Ecke das Militär. Das ist kein schönes Gefühl. Am Flughafen war dann alles ganz normal. Einen Tag vorher sollen sich dort unglaubliche Szenen abgespielt haben, als alle Touristen auf einen Schlag ausgeflogen wurden. Ich bin jetzt froh, wieder in Deutschland zu sein.

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