Brasiliens Superstar Neymar im Interview

»Die Bayern? Warum nicht!«

Neymar gilt als das Wunderkind des brasilianischen Fußballs. Seit Jahren wird über einen Wechsel des 21-Jährigen nach Europa spekuliert. Hier spricht er über die Qualität von Bastian Schweinsteiger, seine Zukunft und geheime Karnevalsfeiern.

Neymar, wenn man in Deutschland von Brasilien spricht, fallen automatisch die Begriffe: Samba, Karneval und Pelé. Was erinnert Sie an Deutschland?
Mir fallen natürlich sofort die klasse Fußballer ein: Miroslav Klose, Thomas Müller und Bastian Schweinsteiger gehören für mich zu den besten der Welt.

Woher kennen Sie diese Spieler?
Natürlich von der Playstation. (lacht) Aber ich beobachte auch ihr echtes Spiel. Ich bin jung und kann von jedem Spieler etwas lernen. Zum Beispiel von Bastian Schweinsteiger. Er ist für mich einer der besten Spieler, die ich überhaupt jemals gesehen habe. Seine Übersicht, sein Passspiel, seine Präsenz auf dem Platz – daran kann ich mich orientieren.

Und welche deutsche Mannschaft wählen Sie auf der Konsole?
Den FC Bayern München.

Bisher hat man gehört, dass Sie bei einem Wechsel nach Europa vor allem auf die spanischen Topklubs Real Madrid und den FC Barcelona schielen. Nun kehrt mit Pep Guardiola ein bisschen Barca in die Bundesliga. Bleibt Spanien die einzige Option für Sie?
Natürlich sind der FC Barcelona und Real Madrid sehr attraktive Klubs. Aber meine Entscheidung fällt definitiv nicht nur zwischen diesen beiden Mannschaften. Mir ist wichtig, dass ich zu meiner neuen Mannschaft passe, mich weiterentwickeln kann und mich vor allem wohl fühle. Da gibt es einige Klubs in Europa, die dafür in Frage kommen.

Ist auch der FC Bayern eine Option?
Bayern München ist ein großer Verein mit herausragenden Spielern. Jetzt bekommen sie einen der besten Trainer der Welt. Ich kann mir das durchaus vorstellen.

Hat Ihr neuer Nationalmannschaftskollege Dante Ihnen schon von München vorgeschwärmt?
Dante ist ein verdammt guter Innenverteidiger und ein feiner Kerl. Ich kannte ihn vorher nur von Videos, jetzt bringt er eine große Qualität in unsere Mannschaft. Über München haben wir uns aber nicht unterhalten.

Welche Dinge fallen Ihnen außerhalb des Fußballs zu Deutschland ein.
An erster Stelle natürlich die hervorragende Organisation und die Zuverlässigkeit. Nicht umsonst baut zum Beispiel Volkswagen so beliebte Autos. Aber ich erinnere mich auch an die tollen Stadien und die hervorragenden Fans, die mich bei meinem letzten Besuch einen beeindruckende Empfang bereitet haben.



Die brasilianische Liga findet in Europa keine allzu große Aufmerksamkeit. Viele sagen, dass Sie deswegen bei der Wahl zum Weltfußballer auch nicht in den Fokus rücken können. Sehen Sie sich schon auf einer Stufe mit Messi, Ronaldo, Iniesta und Xavi?
Nein! Messi, Ronaldo und Iniesta spielen in einer ganz anderen Liga. Sie sind einzigartig, nicht nur als Fußballer, sondern eben auch als Menschen. Jeder arbeitet daran, um vielleicht eines Tages auf dem Niveau dieser Spieler zu sein.

In der Nationalmannschaft spielten Sie zuletzt mit Ronaldinho zusammen. Ist er für Sie ein warnendes Beispiel im Bezug auf eine nachhaltige Karriereplanung?
Man kann die Situationen nicht miteinander vergleichen. Ronaldinho war viel jünger, als er nach Europa gegangen ist. Er ist dort zum besten Spieler der Welt gereift. Ich nehme mir die Zeit, um in Brasilien zu wachsen. Aber es ist ein Kindheitstraum von mir, eines Tages in Europa zu spielen.

Im Spiel gegen England hat er Ihnen einen Elfmeter weggeschnappt und verschossen. Ärgert Sie das?
Sicher hätte ich auch gerne geschossen. Aber dann hat es eben Ronaldinho versucht. Das er nicht getroffen hat, ist kein Problem. So etwas gehört zum Fußball dazu.

Der WM-Titel 2014 ist das große Ziel für den brasilianischen Fußball. Wann ist für Sie der richtige Zeitpunkt gekommen, um etwas Neues auszuprobieren?
Der Zeitpunkt rückt definitiv näher. Ich werde mich in Ruhe mit meiner Familie abstimmen, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Ob das in einem halben Jahr oder nach der WM ist, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.

Man kennt Ihre fantastischen Sololäufe, bei Youtube werden Ihre Videos millionenfach geklickt. Im Spiel gegen England standen Sie mal wieder europäischen Verteidigern gegenüber. Bemerken Sie da Unterschiede?
Natürlich. In Europa hat man einfach viel weniger Raum, um sich zu entfalten. Es ist geht härter zur Sache und alles ist etwas schneller. Daran muss ich mich gewöhnen.

Sie sind das Gesicht der aktuellen Selecao. Das ganze Land setzt alle Hoffnungen in Sie. Spüren Sie den Druck?
Von Druck kann keine Rede sein. Ich tue einfach nur das, was ich liebe. Ich spiele in der Selecao, da versucht jeder immer sein Bestes zu geben. Aber eine Belastung ist das für mich nicht.

Aber Sie realisieren schon, dass die Fans beinahe in Ohnmacht fallen, wenn Sie in Ballnähe kommen?
Wenn ich am Ball bin, nehme ich gar nichts mehr wahr. Dann gibt es nur mich und den Ball. Aber wenn er mal etwas weiter weg ist, höre ich doch mal die ein oder andere kreischende Stimme.

Momentan steht Brasiliens auf Platz 18 der Weltrangliste und kann nicht zum Favoritenkreis bei der WM gezählt werden. Was muss sich konkret verbessern in den nächsten Monaten?
Es gibt einige Sachen, an denen wir arbeiten müssen. An erster Stelle steht das Zusammenspiel. Ich glaube aber, dass dieses Verständnis untereinander immer besser wird, je öfter wir in Zukunft zusammenspielen. Wenn sich das verbessert, vertraue ich darauf, dass wir auch bei der WM 2014 unser Ziel erreichen.

Wie bewerten die heimischen Fans die Ausgangslage für die Selecao?
Natürlich erwarten die Fans den Titel von uns. Da ist auch ein gewisser Druck da. Aber ganz unabhängig davon, dass wir für sie laufen und kämpfen wollen, können die Fans uns auch helfen. Durch ihre Unterstützung tragen Sie dazu bei, dass wir sicherer werden. Als Einheit können wir auch unser großes Ziel erreichen.

Derzeit gilt die deutsche Mannschaft als Mitfavorit auf den WM-Titel. Hat sie das Zeug zum Weltmeister?
Die deutsche Mannschaft ist sehr, sehr gut. Sie gehören mit Spanien und Brasilien immer zu den Titel-Anwärtern bei einem großen Turnier. Aber bis zum Turnier sind es noch viele Monate hin. Deswegen kann man jetzt sicher noch keinen Favoriten ausmachen.

Vor der WM 2014 steht in Brasilien aber noch ein anderes Highlight auf dem Plan: der Karneval. Bei einer Trikotpräsentation sah man zuletzt hunderte Menschen mit Neymar-Masken auflaufen. Ist so eine Maske für Sie vielleicht eine Möglichkeit, auch mal in Ruhe zu feiern?
(lacht) An diese Möglichkeit habe ich bisher noch gar nicht gedacht. Aber danke für den Tipp. Ich werde es einfach mal ausprobieren.


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