Brasiliens Edelfan und sein schlimmster Moment

»Nimm' meinen Pokal - ihr habt es verdient«

Das Bild des weinenden Clovis Fernandes ging um die Welt. Wie es ihm nach der Niederlage gegen Deutschland erging und was mit seinem Pokal passiert, sagte er uns im Interview.

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Clovis Fernandes, Sie reisen seit 1990 der brasilianischen Nationalmannschaft hinterher, waren bei allen Turnieren dabei. War die 1:7-Niederlage der schlimmste Moment?
Ja, ich habe mehr als 153 Spiele mit der brasilianischen Mannschaft bestritten. Ich war in Italien, den USA, bei Olympia, in Japan, in Deutschland. Ich bin der zwölfte Mann und derjenige mit den meisten Einsätzen. Ich habe auch euren Kaiser Franz Beckenbauer schon persönlich getroffen. Es stimmt, das 1:7 gegen Deutschland war für mich der absolute Tiefpunkt. Auf der anderen Seite war ich aber auch beim Finale der WM 2002 in Yokohama dabei, als Brasilien die Deutschen mit 2:0 geschlagen hat. Das war mein schönster Moment.

Sie haben immer eine Nachbildung des Pokals dabei. Wie haben Sie es in all den Jahren eigentlich geschafft, Ihren Pokal nicht zu verlieren?
Ich trage diesen Pokal mit sehr viel Hingabe. Ich schütze ihn, als wäre es das Original. Er hat auch die gleiche Größe und das gleiche Gewicht. Ich nehme den Pokal sogar mit ins Bett und schlafe neben ihm. Der WM-Pokal ist das Traumobjekt von Fans aus aller Welt. Aber ich sage auch immer, dass meine Nachbildung noch häufiger angefasst und geküsst wurde als das Original. Ich habe so viele Leute auf meinen Reisen getroffen, die ihn in die Höhe gereckt haben wie all die großen Kapitäne der WM-Geschichte.

Die Bilder von Ihnen, wie Sie sich nach dem Spiel unter Tränen an den Pokal klammern, gingen um die Welt. Haben Sie denn mittlerweile Brasiliens 1:7-Halbfinalniederlage verwunden?
Klares Nein! Diese Niederlage ist historisch und wird ewig währen. Selbst die bisherigen fünf Weltmeistertitel können diese Schmach nicht aufwiegen.

Es kursieren Bilder im Internet, auf denen Sie einem deutschen Mädchen ihren Pokal nach dem Spiel überreichen.
Als ich dieses Mädchen gesehen habe, entschied ich mich, ihr symbolisch den Pokal zu überreichen. Einfach aus dem Grund, weil Deutschland einen so unglaublichen Fußball spielt. Ich kann euch dazu einfach nur beglückwünschen.

Was haben Sie ihr genau gesagt?
Ich sagte: »Nimm den Pokal zum Finale. Aber sei vorsichtig, weil er nicht ganz leicht ist. Ihr habt es verdient.« Wie gesagt: Schließlich hat mein Pokal die gleiche Größe und das gleiche Gewicht wie das Original.

War es nicht schwer für Sie, sich von »Ihrem Pokal« zu trennen?
Alles, was ich tue, tue ich mit ganzem Herzen. Wenn alle mit dem Herzen entscheiden würden, gäbe es auch keine Kriege.

Haben Sie Ihren Pokal denn nun verschenkt oder nur symbolisch überreicht?
Der Pokal wird nach Maracana ins Stadion gehen. Mehr brauchen Sie nicht zu wissen.

Das klingt kryptisch. Heißt das, Sie nehmen den Pokal mit?
Ich würde gerne im Maracana dabei sein, leider habe ich noch keine Eintrittskarte.

Werden Sie dem brasilianischen Team nun weiter folgen oder legen Sie eine Pause ein?
Solange ich lebe, werde ich der brasilianischen Nationalmannschaft hinterher reisen. Zu allen Spielen und allen Turnieren, die sie bestreitet.

Letzte Frage: Wie geht das Finale aus?
Ich hoffe, dass ihr den Pokal in die Höhe reckt. Im heiligen Tempel des Fußballs, im Maracana. Ihr habt es verdient.

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