Borussia Neunkirchen kämpft um sein Stadion

»Das Ellenfeld ist einzigartig!«

Es gilt als schönstes Stadion des Saarlands, jetzt steht das Ellenfeldstadion von Borussia Neunkirchen vor dem Abriss. Nicky Kassner, Borussias Fanbeauftragter, kämpft für den Erhalt der historischen Kultstätte. Wir sprachen mit ihm. Borussia Neunkirchen kämpft um sein StadionPrivat

Nicky Kassner, das legendäre Ellenfeldstadion von Borussia Neunkirchen soll nächstes Jahr eigentlich den 100. Geburtstag feiern. Warum muss man nun Angst haben, dass dieser runde Geburtstag überhaupt stattfindet?

Nicky Kassner: Leider ist unser schönes Stadion ziemlich baufällig. Die »Spiesser Kurve«, der Gästeblock, ist bereits komplett gesperrt und auch an der Haupttribüne sind die Schäden deutlich sichtbar. Wer als Zuschauer heute ins Ellenfeld gelangen möchte, muss erst einmal einen Holztunnel durchqueren, um nicht von herabfallenden Betonstücken getroffen zu werden. Außerdem hängen an vielen Stellen Fangnetze, um die Zuschauer zu schützen. Beim DFB-Pokalspiel 2003 wurde gar ein weiblicher Fan von einem Stück Beton getroffen. Das sind auf Dauer natürlich keine haltbaren Zustände.

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Also muss das Ellenfeldstadion abgerissen werden?

Nicky Kassner: Um Gottes Willen, nein! Wir, das heißt ich und einige Mitglieder aus der Fanszene, setzen uns ja gerade dafür ein, dass unser Stadion erhalten bleibt und renoviert wird.

Warum?

Nicky Kassner: Diese Frage braucht man eigentlich keinem Fan stellen. In Neunkirchen hat das Stadion noch einmal eine besondere Bedeutung, denn diese Stadt hat es geschafft, in den vergangenen Jahren so gut wie alle historischen Gebäude in der Stadt abzureißen; damit reißt man der Stadt ihre Wurzeln heraus. In diesem Stadion hat die Borussia 1964 und 1967 die Aufstiege in die 1. Bundesliga feiern können, hier haben wir gegen den Hamburger SV oder Eintracht Frankfurt gewonnen. Das Ellenfeld ist eines der wenigen reinen deutschen Fußballstadien, dieser Ort ist einzigartig und darf nicht einfach von der Landkarte gelöscht werden!

Sieht das die Vereinsführung genauso?

Nicky Kassner: Das lässt sich nicht genau sagen, weil sich die Klubführung zu diesem Thema sehr bedeckt hält.

Wieso?

Nicky Kassner: Bereits seit 1999 gehört das Stadion der Stadt Neunkirchen, die dürfen also damit machen, was sie wollen. Nur: Was sie genau machen wollen, das wissen wir nicht, die Verantwortlichen möchten sich zu diesem Thema nicht äußern. Wir sind also ziemlich ratlos.



Wie wollen Sie und Ihre Mitstreiter das Ellenfeldstadion vor dem Abriss bewahren?

Nicky Kassner: Wir haben bereits vor einiger Zeit die politischen Vertreter der Parteien eingeladen, um mit uns über dieses Thema zu sprechen. Lediglich »Die Linke« kam vorbei und stellte dann auch einen Antrag im Stadtrat, um über das Thema Ellenfeldstadion informiert zu werden. Der Antrag wurde abgelehnt. Außerdem haben wir mit dem aktuellen Borussia-Präsidenten Guiseppe Ferraro über die Möglichkeit gesprochen, das Ellenfeldstadion unter Denkmalschutz zu stellen. Aber das möchte er nicht. Jetzt starten wir eine Unterschriftenaktion in der Stadt und versuchen damit die Medien und ehemalige Neunkirchen-Spieler wie FCK-Präsident Stefan Kuntz für den Erhalt unseres Stadions zu aktivieren.

Wie groß sind die Chancen, dass Sie damit tatsächlich Erfolg haben?

Nicky Kassner: Schwer zu sagen. So eine Renovierung würde natürlich auch sehr viel Geld kosten. 2003 hat die Stadt errechnet, dass eine komplette Sanierung der Anlage neun Millionen Euro kosten könnte. Eine andere Möglichkeit wäre diese: Da der 1. FC Saarbrücken sein Ludwigsparkstadion renovieren möchte, benötigt er für die Zeit der Bauarbeiten ein Ausweichstadion. Die Fans aus Saarbrücken würden »Heimspiele« in Kaiserslautern, Elversberg oder Homburg nicht akzeptieren, da ist die Rivalität zu groß. Kämen eigentlich nur noch wir in Frage. Dann müssten hier natürlich so schnell wie möglich die Renovierungsarbeiten beginnen. Das wäre unsere Rettung...

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Wer Nicky Kassner und Borussia Neunkirchen beim Kampf um das Ellenfeldstadion unterstützen möchte, kann das hier tun:
www.schwarz-auf-weiss.info

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