03.10.2011

Bodo Rudwaleit über die Wendezeit

»Sie riefen: Stasi-Schweine«

Bodo Rudwaleit stand 33 Mal im Tor der DDR-Nationalmannschaft und über 20 Jahre im Kasten des BFC Dynamo. Ein Gespräch über »Stasi«-Rufe im Stadion, seinen Mercedes 280 und das Schweineschlachten.

Interview: Johannes Ehrmann Bild: Imago

Herr Rudwaleit, wo haben Sie den Mauerfall erlebt?

Beim Schlachtefest! Wir waren gerade bei meinen Schwiegereltern in Heiligenstadt in Thüringen. Am frühen Morgen ging es los, wir haben das Schwein und das Bolzenschussgerät geholt, das Schlachten zog sich über den ganzen Tag hin. Nachmittags kamen Kumpels meines Schwippschwagers und sagten: »Wir waren im Westen, wir kommen gerade von drüben!«



Wie war Ihre Reaktion?

Abends, als alles angerichtet war, schalteten wir den Fernseher an. Und tatsächlich: Die Grenzen waren offen. Wir konnten es gar nicht glauben.

War es speziell als Spieler des »Stasi-Klubs« BFC Dynamo ein Spießrutenlauf bei den Spielen nach dem Mauerfall?

Anfeindungen von den Rängen waren wir ja schon gewohnt. Durch die sich ändernde Atmosphäre im Land hat sich das dann weiter hochgeschaukelt.

Was mussten Sie sich als BFC-Spieler anhören?

Rufe wie »Stasi-Schweine« gab es regelmäßig. Die Aggressionen begannen aber schon, als wir zwei, drei Mal Meister geworden waren. Mich als Torwart haben sich die gegnerischen Fans als besonderes Feindbild aufgebaut. Ich war nur »Bodo Eierkopp« für die. Aber das kennt man ja, Olli Kahn hat man ja auch ohne Ende beschimpft. Ich habe daraus eher zusätzliche Motivation gezogen.

Alle DDR-Profis hatten auch einen zivilen Beruf. Wer war Ihr Arbeitgeber?

Ich hatte einen Dienstgrad bei der Volkspolizei, andere waren auch direkt beim Ministerium für Staatssicherheit angestellt. Das bedeutete natürlich nicht, dass sie automatisch Leute bespitzelt haben. Ich wäre auch gerne bei der Stasi angestellt gewesen – da gab es nämlich mehr Geld. Da meine Oma im Westen wohnte, hatte ich kadermäßig keine weiße Weste, mir war deshalb dieser Weg verbaut.

Ende 1989 verließen Sie den BFC Dynamo nach über 20 Jahren. Warum?

Nach dem Ausscheiden im Europapokal in Monaco erfuhr ich, dass ich beim Pokalspiel in Halle nicht spielen sollte. Mich hat gestört, dass keiner es für nötig hielt, mir das vorher zu sagen. Es hatte schon längere Zeit Strömungen gegen mich in der Mannschaft gegeben. Für mich war der Punkt erreicht, wo ich mich dem Druck nicht mehr unbedingt stellen wollte.

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