13.12.2010

Bochums Chong Tese im Interview

»Ich habe wenig Talent«

Bochums Stürmer Chong Tese ist Nordkoreas Gesicht in Deutschland. Dabei wuchs er in Japan auf. Gestern erzielte er bereits seinen achten Saisontreffer und sprach mit uns über Talent und deutsche Weihnachtsmärkte.

Interview: 11Freunde Bild: Imago
Bochums Chong Tese im Interview
Chong Tese, was lesen Sie im Moment?

Ich lese ein Buch zum Deutschlernen. Wieso?

Man hört, dass Sie auch Fußballbücher auf Deutsch lesen.

Ja (lacht). Letztens habe ich mich am Buch »Fußballgeschichten – Der neue Stürmer« (ein Kinderbuch, d.Red.) versucht. Aber es war für mich doch noch etwas zu schwer. Ich habe kaum etwas verstanden.



Trotzdem können wir uns schon auf Deutsch unterhalten. Sie sprechen außerdem koreanisch, japanisch, portugiesisch und englisch. Warum sind Sie ein solcher Sprachenexperte?

Ich lerne gerne Sprachen. Als Kind fand ich es immer cool, viele Sprachen zu sprechen. Da hatte ich Spaß dran. Deshalb habe ich in Japan Englisch und Portugiesisch gelernt. Aber Deutsch ist schwerer. Da kann ich schon verstehen, dass es vielen anderen Fußballprofis zu anstrengend ist die Sprache zu lernen.

Wundert es Sie, dass über Ihre Lernerfolge ständig berichtet wird?

Schon. Als mich zum ersten Mal ein Reporter gefragt hat, warum ich so viel Deutsch lerne, wusste ich gar nicht, was er von mir wollte. Für mich ist das normal. Ich habe immer viel gelernt.

Sehen Sie sich auch als Botschafter Nordkoreas? Immerhin sind Sie neben der politischen Führung vielleicht der bekannteste Nordkoreaner der Welt.

Klar möchte ich Botschafter sein. Aber Sport und Politik sind zwei unterschiedliche Dinge. Ich weiß, dass Nordkoreas Image sehr schlecht ist, aber vielleicht kann ich es durch meinen Sport ein wenig verbessern.

Was machen Sie eigentlich in Deutschland, wenn Sie gerade nicht Fußball spielen oder Deutsch lernen?

Ich höre sehr gerne Musik. Zur Zeit sehr viel von Bushido. Aber meine Lieblingsband sind die Fantastischen Vier. Bochum als Stadt gefällt mir auch gut, selbst wenn es kleiner als Tokyo und Kawasaki ist. Da habe ich vorher gelebt. Ich gehe gerne auf den Weihnachtsmarkt. Der ist fantastisch. Ich bekomme da immer Hunger und esse dauernd etwas.

Sie gelten auch als Autofan. In Japan hatten Sie einen riesigen Hummer-Geländewagen. Was fahren Sie in Deutschland?

Einen schnellen Sportwagen von VW. Eigentlich wollte ich wieder einen Hummer H2 kaufen, aber der ist in Deutschland sehr unpraktisch, weil man ihn fast nirgends parken kann.

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