13.06.2010

Blumentopf über die »Raportage«

»Wir schminken uns nicht«

Wie schon 2006, werden deutsche Fernseh-Zuschauer bei der WM in Südafrika von der HipHop-Kombo »Blumentopf« mit mundgerechten Wortspielen verwöhnt. Wir sprachen mit Schu und Holunder über Özil und Baden-Baden.

Interview: Dominik Drutschmann Bild: Promo
Holunder, am 13. Juni 2010 spielt die deutsche Nationalmannschaft das erste WM-Spiel gegen Australien. Wie wird Euer Tag aussehen?

Holunder: Für die »Raportage« fangen wir erst während des Spiels an zu arbeiten. Dieses Jahr macht der SWR in Baden-Baden die WM-Berichterstattung, der Regisseur ist dann auch vor Ort. Wir haben also das große Los gezogen und dürfen jetzt für jedes Spiel von München aus nach Baden-Baden fahren, die Stadt ist ja immer eine Reise wert...



Wie sieht die 90 Minuten Arbeit für Euch aus?

Holunder: Es geht in erster Linie um prägnante Bilder, aus denen man irgendeine schöne Zeile bauen kann. Anschließend setzen wir uns mit dem Regisseur zusammen und entscheiden, welche Szenen wir verwenden. In der Stunde nach dem Spiel schreiben wir dann den Text, nehmen die Musik in der darauf folgenden halben Stunde bis Stunde auf und drehen noch ein paar Bilder von uns, wie wir die Sachen einrappen.

Verbarrikadiert ihr Euch während der Spieltage oder schauen auch mal ein paar Freunde und Bekannte vorbei?

Schu:
Es standen schon euphorische Fußball-Fan-Freunde weinend vor unserer Studiotür, nach dem Viertelfinale gegen Argentinien bei der WM 2006. Die konnten nicht glauben,  dass wir eben nicht feiern konnten, weil wir erst noch das Video fertig machen mussten. Mittlerweile wissen die Leute, dass wir, so sehr wir auch Fußballfans sind, während dieser Zeit in erster Linie arbeiten. Wir brauchen unsere Ruhe, damit wir in den Arbeitsfluss reinkommen.

Holunder: Darum fahren wir ja auch nach Baden-Baden (lacht)

Wie viel Nationalmannschafts-Fan steckt eigentlich in Euch?

Schu: Die Backen schminke ich mir nicht und ein Fähnchen hängt auch nicht unbedingt aus meinem Fenster. Aber ganz ehrlich: Wenn die Nationalmannschaft spielt, dann bin ich Fan und will auch, dass was geht.
Gerade bei den großen Turnieren ist eine gesunde Portion Patriotismus nicht verkehrt. Dass einem bei der WM 2006 die Fahnen nur so ins Gesicht geschlagen wurden, war allerdings ein wenig zu viel des Guten.

Wie hat sich Euer Blick auf das Spiel und die Art und Weise, wie ihr ein Spiel schaut, verändert?

Holunder: Wenn ein Fußballer einen blöden Namen hat, ist es schon so, dass einem dann direkt auch ein Reim dazu einfällt. Dann denkt man sich: »Hey, vielleicht schafft der es ja doch noch in die australische Nationalmannschaft und dann kann ich den Reim verwirklichen.«

Schu: Manchmal sitzt man aber auch da und wünscht jungen Nachwuchstalenten, dass sie eben nicht mit zur WM mitgenommen werden. Ein Mesut Özil mag noch so gut Fußball spielen, reimtechnisch gibt er nicht so viel her, die »Mertesacker-Herzschrittmacher-Reime«  fallen einem dann nicht ein. Da muss man sich dann schon was aus der Nase ziehen.

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