Blaise Nkufo über Twente Enschede

»Wir feiern später«

Der Schweizer Auswahlstürmer Blaise Nkufo ist die prägende Figur bei Twente Enschede. Am Sonntag reicht Twente ein Sieg gegen NAC Breda für die holländische Meisterschaft. Wir sprachen mit ihm über Partys und Flügelstürmer. Blaise Nkufo über Twente Enschede

Blaise Nkufo, verraten Sie uns: Wo kann man in Enschede anständig eine holländische Meisterschaft feiern gehen?

Ach, hören Sie. Es steht noch nichts fest, also gibt es auch noch keine Feier! Am Sonntag findet das letzte Spiel statt und vorher mache ich mir noch gar keine Gedanken, über irgendwelche Party-Planungen.

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In der Tabelle steht Ajax aktuell auf Platz zwei – mit einer Tordifferenz von 102:19. Twente hat 61:23 vorzuweisen. Können sie uns das erklären?

Ganz einfach: Ajax hat mehr Tore geschossen. Aber am Ende sind es die Punkte, die den Unterschied ausmachen. Und diesen einen Punkt Vorsprung haben immer noch wir. So einfach ist das auch in Holland.

In Deutschland weiß man nur wenig über den Ligafußball in Holland. Was macht die Ehrendivision so besonders?

Die meisten holländischen Mannschaften spielen ein 4-3-3, es wird offensiver Fußball gespielt, die Flügelpositionen haben eine extrem große Bedeutung. Außerdem ist in den letzten Jahren die Monopolstellung der großen Clubs wie Feyenoord, Ajax oder PSV, die sich die Titel bis dahin geteilt haben, aufgeweicht worden – jetzt spielen auch mal andere Klubs um den Titel mit. Sie sehen es ja aktuell an Twente. Diese Liga ist immer für Überraschungen gut, das macht sie so attraktiv.

Sie selbst haben eine unglaubliche Bilanz in Holland. Nkufo und Twente – das scheint eine unglaubliche Mischung zu sein. Warum passen Sie so gut zu diesem Verein?

»Unglaublich« ist vielleicht etwas übertrieben, aber ja, ich habe einen ziemlich guten Durchschnittswert – ich treffe fast in jedem zweiten Spiel. Aber: Dass ich so oft die Möglichkeit habe zu treffen, ist auch meinen Mitspielern zu verdanken und der Tatsache, dass, wie gerade schon erwähnt, die Mannschaft immer auf Angriff eingestellt ist.

Bei aller Bescheidenheit: Erst seit Sie in Enschede spielen, hat sich auch der Erfolg eingestellt. Und die Zuschauer verehren Sie als einen der besten Spieler der Vereinsgeschichte...

Als ich hier ankam, steckte der Club in finanziellen Schwierigkeiten, aber dank der Investitionen unseres Präsidenten konnte sich Twente in den letzten Jahren immer weiter entwickeln. Wir haben jetzt eine bessere Mannschaft, bessere Spieler, eine bessere technische Ausstattung, ein besseres Trainerteam. Seit 2008 Steve McClaren Trainer geworden ist, spielen wir mit einer gewissen Kontinuität und falls wir die holländische Meisterschaft gewinnen sollten, wäre es keine Überraschung mehr, sondern eine logische Schlussfolgerung. Wie sie sehen können, liegt es also nicht allein an der Verpflichtung von Blaise Nkufo.

Sie waren lange Jahre als Wandervogel des europäischen Fußballs bekannt. Fühlen Sie sich eigentlich wohl in Enschede?

Absolut. Als Spieler ist es immer gut, in einem ambitionierten Verein zu spielen, der auch im internationalen Geschäft mitmischen will. Und ich bin sehr stolz, dass ich mich mit und in dieser Mannschaft weiterentwickeln durfte.

Sie sprechen bereits von der Vergangenheit: Die Partie am Sonntag gegen Breda wird Ihr letzter Auftritt für Twente sein, ein Vertrag zur neuen Saison in den USA bei den Seattle Sounders ist bereits unterzeichnet. Das letzte Spiel – wie fühlt sich das an?

Es ist in der Tat schwierig zu realisieren, dass es wirklich das letzte Spiel sein soll. Eigentlich kann ich es mir nicht erlauben, in dieser Phase der Meisterschaft gedanklich abzuschweifen, aber es wird sicherlich ein bewegender Moment.

Was bedeuten Ihnen diese Jahre in Enschede?

Der Verein hat mich sehr gut aufgenommen. Ich konnte mich hier weiter entwickeln und alle meine Qualitäten einbringen als Kapitän dieser Mannschaft und es ist nicht immer einfach, Kapitän zu sein, außerhalb seines Heimatlandes. Außerdem bin ich in meiner Zeit hier Vater geworden, ich habe eine Familie gegründet. Ich bin gereift, sowohl als Familienvater, als auch als Fußballer. Es sind hier so viele Dinge passiert, die ich für immer in Erinnerung behalten werde.

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