24.11.2013

Bjarne Mädel über seinen HSV

»Richtig dicke Eier«

Bjarne Mädel liebt schräge Figuren. Er war Berthold »Ernie« Heisterkamp in »Stromberg« und spielt Heiko Schotte im »Tatortreiniger«. Trotzdem wäre es ganz schön, wenn sein HSV ein bisschen normal
wäre. Für Ausgabe #144 sprachen wir mit ihm über Bert van Marwijk, Pinkelrituale und dicke Eier.

Interview: Andreas Bock und Paul Hofmann Bild: Christoph Voy

Bjarne Mädel, wie oft haben Sie in den vergangenen Monaten die Schlagzeile »Uwe Seeler sorgt sich um seinen HSV« gelesen?
Viel zu oft. Aber er hat ja recht. Leider.

Warum?
Der HSV will ein Luxusschlitten sein: geile Optik und richtig teuer. Was fehlt, ist der Motor.

Sportdirektor Oliver Kreuzer sprach von »zu viel Gucci« im Kader. Fehlt den Spielern von heute die Demut?
Einigen, ja. Aber eine Mannschaft braucht verschiedene Typen. Sie braucht einen launischen Superstar, sie braucht aber auch einen Heiko Westermann. Der läuft sich die Lunge aus dem Leib, trägt die Raute mit Stolz und kommt ziemlich geerdet rüber. In einem sonst eher gesichtslosen Team bietet er Identifikationspotenzial, obwohl er fußballerisch im Spiel nach vorne … (Pause) ein wenig limitiert ist.

Wird mit Bert van Marwijk alles gut?
Er ist unter allen Kandidaten die beste Lösung gewesen. Und ich bin mir sicher, dass diese Mannschaft auf Dauer keine kumpeligen Trainer wie Thomas Doll oder Thorsten Fink verträgt. Sie braucht Typen wie Martin Jol oder eben einen Bert van Marwijk.

Sie sind Jahrgang 1968 und haben die große Zeit des HSV miterlebt. Was unterscheidet den motorlosen HSV von dem der goldenen Jahre?
Der HSV der späten Siebziger und frühen Achtziger war mir sympathischer. Er war nahbar.

Nicht auch arrogant?
Fand ich überhaupt nicht. Ich habe mir jedenfalls oft vorgestellt, wie ich mit Manni Kaltz abends ein Bier trinken gehe.

Auch mit Ernst Happel oder Dr. Peter Krohn?
Die umgab eine kalte Aura. Happel war ein Fachmann und Erfolgstrainer, aber für Außenstehende irgendwie furchteinflößend. Mir haben schon dieser Dialekt und die Augenbrauen Angst gemacht. Doch auch bei »Breaking Bad« gibt es unangenehme Figuren, aber trotzdem – oder gerade deshalb – ist es ja eine coole Serie. 

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