Bielefelds Interimspräsident Hajo Faber zieht Bilanz

»In 15 Jahren kann man mich wieder fragen«

Im aktuellen 11FREUNDE-Heft porträtierten wir Hajo Faber, der auf wundersame Weise innerhalb weniger Wochen vom ganz normalen Fan zum Präsidenten von Arminia Bielefeld wurde. Jetzt, nach dem Ende seiner Amtszeit, zieht er Bilanz. Bielefelds Interimspräsident Hajo Faber zieht BilanzJens Nieth
Heft#119 10/2011
Heft: #
119

Hans Joachim Faber hat vermutlich die aufregendsten Wochen seines Lebens hinter sich. Der gerade 43 Jahre alt gewordene Arminia-Fan wollte sich eigentlich nur ein bisschen mehr im Verein engagieren und fand sich Anfang Juli plötzlich als Präsident des strauchelnden ostwestfälischen Traditionsklubs wieder. Mittlerweile hat Arminia Bielefeld ein neues Präsidium um den Apotheker Jörg Zillies gewählt und Hajo Faber hat seine Ruhe zurück. Wir sprachen mit ihm über die Zeit am Rande des Nervenzusammenbruchs.

Hajo Faber, Ihre Zeit als Interims-Präsident von Arminia Bielefeld ist zu Ende. Froh, dass alles vorbei ist?

Hajo Faber: Richtig froh wäre ich, wenn wir allmählich anfangen würden, Punkte zu sammeln. Aber es ist schon angenehm, nicht mehr in der Verantwortung zu stehen.

[ad]

Würden Sie es wieder tun?

Hajo Faber: Klar, für Arminia immer. Wenn ich meinem Verein damit helfen kann.

Inwieweit konnten Sie helfen?

Hajo Faber: Es war existenziell, dass wir die Fananleihe auf den Weg bringen. Das wäre ohne Unterschrift eines Präsidiums nicht möglich gewesen. Da wir damals keines hatten, brauchten wir eines. 

Das heißt, es ging vor allem darum, die Insolvenz abzuwenden?

Hajo Faber: Darum geht es ja immer.

Was war der schlimmste Moment Ihrer zweimonatigen Amtszeit?

Hajo Faber: Als vier Fünftel des Verwaltungsrates zurückgetreten sind, weil sie glaubten, dass die Mitglieder ohnehin keine Macht über die Entscheidungen im Verein haben. Ich kann diese Sicht zwar nachvollziehen, aber damals fühlte ich mich im Stich gelassen.

Gab es auch gute Momente?

Hajo Faber: Die Leute auf der Mitgliederversammlung waren positiv überrascht von meinen rhetorischen Fähigkeiten. Ich galt ja immer als der Nette, Harmlose, aber danach haben mir viele gesagt, dass mein Auftritt im Vergleich zu den Versammlungsleitern der letzten zwanzig Jahre ein Quantensprung gewesen sei.

Hat Ihnen das Amt am Ende mehr genutzt oder geschadet?

Hajo Faber: Da bin ich mir nicht so sicher.

Arminia ist zwar im Moment ein Verein am Abgrund, aber man sagt ja immer: »Any promotion is good promotion.«

Hajo Faber: Im Moment bin ich noch dabei, die Stapel unerledigter Sachen in meiner Rechtsanwaltskanzlei zu sortieren. Und was den Spruch angeht: Ich habe mal mit dem inzwischen ehemaligen Geschäftsführer Schnitzmeier über dieses Thema gesprochen. Damals sagte er: »Popularität zahlt sich immer aus.« Nach seiner Bordellaffäre, die ihn den Job gekostet hat, ist er inzwischen möglicherweise auch anderer Meinung.

Gibt es eine Moral von der Geschicht', die Sie aus den letzten Wochen und Monaten mitnehmen?

Hajo Faber: Anfangs hatte ich ja meine Befürchtungen, doch so schlimm war es letztendlich nicht. Ich hatte großen Rückhalt im engeren Kreis des Vereins, von den Fans und sogar von der Presse. Eigentlich sind alle sehr ordentlich mit mir umgegangen.

Und wie geht es weiter? Sie sind kein Präsident mehr, aber nach wie vor im Ehrenrat des Klubs engagiert.

Hajo Faber: Das kann ich jetzt die nächsten 30 Jahre machen. Die Altersgrenze liegt bei 73 Jahren.

Und Präsident?

Hajo Faber: Da ist mit 68 Schluss. Man kann mich also in 15 oder 20 Jahren gerne noch mal fragen.

Sind Sie zufrieden mit Ihren Nachfolgern?

Hajo Faber: So wie ich sie kennengelernt habe, machen sie einen guten Eindruck. Ich war erleichtert, dass sie die Konsequenzen aus der schlechten sportlichen Lage gezogen und rasch einen Trainerwechsel veranlasst haben. Da war etwas, was wir mit unserem Not-Präsidium nicht auch noch tun wollten, nachdem wir bereits einen Geschäftsführer beurlauben mussten. Ansonsten gehe ich davon aus, dass ein promovierter Wirtschaftswissenschaftler als Schatzmeister für den Verein nur ein Glücksfall sein kann. Seit den Zeiten von Rüdiger Lamm in den Neunzigern hat niemand mehr so richtig das Wirken von Arminias Geschäftsführern durchschaut. Vielleicht ändert sich das ja in Zukunft.

Arminia Bielefeld steht nicht nur finanziell, sondern auch sportlich mit dem Rücken zur Wand. Glauben Sie noch an den Klassenerhalt in der 3. Liga?

Hajo Faber: Ich bin nach wie vor der Meinung, dass diese Mannschaft gut zusammengestellt ist und wesentlich besser spielen kann, als sie es bisher getan hat. Eine Platzierung um Rang 8 sollte immer noch drin sein. Den Aufstieg müssen wir aber sicher um ein Jahr verschieben.

Auf Ihre Fußballgedichte im Lokalradio unter dem Titel »Lyrik in Leder« haben Sie als Klubpräsident verzichtet. Gibt es die jetzt wieder?

Hajo Faber: Aber ja. Nach dem letzten 0:4 gegen Saarbrücken gab es eines unter dem Titel »Torhunger gestillt«.

----
In 11FREUNDE #119: Wie das Chaos bei Arminia Bielefeld aus einem ganz normalen Fan den Präsidenten machte. Jetzt am Kiosk!

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!