08.09.2007

Bettina Wiegmann im Interview

„Das Team ist gefordert“

2003 führte Bettina Wiegmann die deutsche Frauen-Nationalmannschaft zum ersten WM-Titel. Im Gespräch mit 11freunde.de analysiert sie die Chancen der DFB-Auswahl bei der Weltmeisterschaft in China, die am Montag beginnt.

Interview: oliver zeyen Bild: Imago
Am 10. September eröffnet die deutsche Mannschaft gegen Argentinien das Turnier. Was trauen Sie den Titelverteidigerinnen in diesem Spiel zu?

Für mich ist ein Sieg gegen Argentinien eingeplant.

...und im Turnier?

Wir werden die Gruppe als Erster überstehen, und dann kommt es auf den Gegner an. Das Viertelfinale wird dann entscheidend sein und die Weichen stellen.


In der Gruppenphase treffen die Deutschen neben Argentinien, auf England und Japan. Eine dankbare Auslosung?

Es gibt weitaus schwierige Gruppen, aber die Engländerinnen werden, genau wie Japan, schwer zu spielen sein. Und bei Argentinien muss man abwarten, wie sich die Mannschaft in den letzten vier Jahren entwickelt hat. Aber die Frage, ob die deutsche Elf weiterkommt, stellt sich für mich nicht.

Dann warten höchstwahrscheinlich die hoch gehandelten USA oder die Mitfavoriten Schweden und Nordkorea auf die deutsche Auswahl.

Das sind drei harte Konkurrenten. In diesem Spiel wird die Tagesform entscheiden. Es wird wie bei uns 2003 im Halbfinale gegen die USA oder im Finale gegen Schweden sein. Häufig entscheidet einfach ein Quäntchen Glück solche Spiele. Hoffentlich tankt das Team in den Gruppenspielen so viel Selbstvertrauen, dass es gegen jeden dieser drei bestehen kann. Es geht ja auch um die Olympia-Qualifikation.

Sie rauschten bei der WM 2003 durch die Gruppe, gewannen alle drei Spiele und erzielten 13 Tore. Würde das die diesjährige Mannschaft ebenfalls beflügeln oder ist es gefährlich, „ungeprüft“ in das erwartet schwere Viertelfinale zu gehen?

Ich glaube schon, dass das Team gefordert wird. Spätestens im zweiten Spiel gegen England müssen wir 110 Prozent geben, um uns durchzusetzen. Manchmal ist es viel schwieriger gegen ein Team zu spielen, das sich hinten rein stellt, als gegen einen Favoriten anzutreten, der mitspielt. Aber es ist klar: Wenn es gut läuft, kann man sich in den drei Begegnungen das nötige Selbstvertrauen holen.

Wäre ein Ausscheiden im Viertelfinale ein Desaster?

Wenn wir verlieren, und uns für Olympia qualifizieren können, hätte man zumindest dieses Minimal-Ziel erreicht. Aber eine Viertelfinalniederlage schmerzt natürlich sehr. Auch weil sich dann keiner für einen interessiert. Dann wird nur vermeldet, dass die Deutschen im Viertelfinale raus sind, und das war’s.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden