Betreuer Thommy Westphal über Hannover 96

»Es herrschte großer Frust«

Seit Juli 2001 ist Thomas »Thommy« Westphal Bertreuer der Mannschaft von Hannover 96 – und aktuell Zeuge einer grandiosen Saison. Ein Gespräch über die nassen Rituale der Profis und die Erkenntnis, sich wieder freuen zu dürfen. Betreuer Thommy Westphal über Hannover 96Imago

Thomas Westphal, nach dem Ausscheiden aus dem DFB-Pokal im Sommer gegen Elversberg sahen viele Hannover 96 als sicheren Abstiegskandidaten. Wie haben Sie die Situation damals erlebt?
 
Es war unglaublich bitter, im Elfmeterschießen als Bundesligist gegen einen Viertligisten auszuscheiden.
 
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Welche Reaktionen gab es im Team?
 
Es herrschte großer Frust. Die Jungs selbst waren traurig oder einfach richtig sauer. Entscheidend war aber die Reaktion von Mirko Slomka. Der Trainer blieb damals ruhig und sachlich. Er ist nicht laut geworden, sondern hat ihnen das Vertrauen gegeben, das sie jetzt zurückzahlen.
 
Letztes Wochenende hat Hannover mit 2:1 gegen den VfB Stuttgart gewonnen und steht auf Platz drei. Wie ist die Stimmung im Team?.
 
Sehr gut. Alte Rituale werden auch wieder gelebt.
 
Alte Rituale?
 
Unser Zeugwart Michael »Mille« Gorgas wurde nach dem Spiel ins Entspannungsbecken geschmissen. Das gab es schon nach dem Sieg gegen Gladbach. Mittlerweile hat Mille auch raus, dass er mir vorher schnell sein Handy gibt.
 
Hat er es schon einmal mit in den Pool genommen?
 
Im Trainingslager hat er es vergessen. Die Folge: Unser Zeugwart war ein paar Tage nicht erreichbar. Wenn bei den Spielern das Kind im Mann durchkommt, ist meistens er das Ziel. Das darf man aber nicht falsch verstehen, hier wird keiner gemobbt. »Mille« ist nicht nur Zeugwart, sondern im Allgemeinen für die Stimmung verantwortlich. Nach einem gewonnenen Spiel ist er der Erste, der in der Kabine ein Lied anstimmt und anfängt zu klatschen. »Mille« ist nicht nur Mitarbeiter des Vereins, sondern auch Fan.
 
Das schwierige letzte Jahr ist also Vergangenheit?
 
Wir haben eine super Arbeitsatmosphäre, für die unser Manager Jörg Schmadtke und Trainer Mirko Slomka verantwortlich sind. Die Situation von Hannover 96 ist exemplarisch für die alte Weisheit: Erfolg heilt alle Wunden.
 
Die in Hannover waren nach Robert Enkes Tod besonders tief.
 
Wir müssen alle nach der letzten Saison wieder lernen, dass man solche Situationen wie jetzt bei uns auch genießen darf. Für Außenstehende ist das vielleicht nur schwer nachzuvollziehen. Die Jungs freuen sich wieder und haben sich das auch verdient.
 
Wie sieht die hannöversche Freude aus?
 
Es wird wieder mehr gelacht, und die Musik in der Kabine vor und nach den Spielen ist lauter. Das mögen aber nicht alle. (lacht)
 
Wem ist das zu viel?
 
Altin Lala und anderen älteren Spielern. Altin dreht die Musik gerne leiser.
 
Hört sich nach Ärger an.
 
Nein, nein.  Unsere selbsternannten DJs um Karim Haggui und Emanuel Pogatetz nehmen gerne Rücksicht. Die Stimmung ist aber allgemein gut. Durch die vergangene Saison hat das Team eine engere Beziehung zu den Fans bekommen. Nach jedem Spiel gehen die Jungs an die Zäune der Kurve und klatschen mit den Menschen ab. Diese Stimmung ist auch ein Grund für den momentanen Erfolg.
 
Was wird 96 diese Saison noch erreichen?
 
Mit dem Abstieg haben wir wohl nichts mehr zu tun. Wo wir aber endgültig landen werden, weiß ich nicht. Wir sind in der letzten Saison gerade noch so von der Klinge gesprungen, da werde ich jetzt keine Prognosen abgeben.

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