Best of 2015: Maik Franz über seine Karriere

»Ich war schon grenzwertig«

Jahrelang galt Maik Franz als das Raubein der Liga, nun hat er seine Karriere beendet. Aber war er wirklich so schlimm?

Imago

Maik Franz, vor Kurzem haben Sie Ihre Karriere beendet. Was denken Sie, wieviele Stürmer bundesweit erleichtert aufgeatmet haben?
(lacht) Der ein oder andere wird sich bestimmt gefreut haben, dass der Idiot jetzt weg ist. Ich war 14 Jahre lang Profi, da waren einige harte Fights dabei.

Jetzt können Sie es ja sagen: Wie schlimm waren Sie denn wirklich?
Ich war schon grenzwertig. Auf dem Platz hatte ich immer ein anderes Gesicht als im Privaten. Im Spiel geht es um so viel, da muss man mit allen erlaubten Mitteln versuchen, seinen Gegner aus dem Konzept zu bringen. Und manchmal eben auch mit unerlaubten Mitteln.

Bereuen Sie das?
Absolut nicht. Es gibt doch nichts Schlimmeres, als wenn sich der Gegner freut, wenn er gegen dich spielt, weil du so ein netter Kerl bist. Ich habe versucht, immer an die Grenze zu gehen. Körperlich, aber eben auch mit allem anderen. Trash Talk zum Beispiel.

Wie dürfen wir uns einen Mike-Franz-Trash-Talk vorstellen?
Das dürften Sie wahrscheinlich gar nicht abdrucken. Haben Sie selber Fußball gespielt?

Auf überschaubarem Niveau.
Na gut, aber dann haben Sie in etwa eine Ahnung. Ob Bundesliga oder Bezirksliga, was Beschimpfungen und Trash Talk angeht, nimmt sich das nicht viel. Im Spiel machen das alle, und ich halte das auch für ein legitimes Mittel. Auch wenn das natürlich Dinge sind, die man auf der Straße niemals sagen würde.

Sie haben zu Beginn ihrer Profilaufbahn fünf Jahre bei Wolfsburg gespielt, das Image des Bad Boys kam aber erst beim Karlsruher SC.
Bei Wolfsburg hatte ich sogar ein ganz anderes Image. Ich bin 2001 mit 19 Jahren von Magdeburg nach Wolfsburg gekommen und war dort erstmal das Nesthäkchen. Der kleine Maik, der ab und zu einen Fehler machte und dem nie jemand böse sein konnte. Ich hätte noch fünf Jahre dort weiterspielen können, ich wäre für immer der kleine Maik geblieben.

Aber Sie gingen nach Karlsruhe. Warum?
Wolfsburg war der perfekte Verein, um in der Bundesliga Fuß zu fassen. Unter der Woche ist nach 22 Uhr kaum mehr auf der Straße und wenn Betriebsferien sind, ist die Stadt wie ausgestorben. Man kann sich komplett auf den Sport konzentrieren. Nur wollte ich irgendwann aus dieser Komfortzone raus. Ich wollte nicht mehr der kleine Maik sein.

Sie gingen in die Zweite Liga. War das kein Rückschritt?
Nein. Beim KSC kam ich in eine unglaublich gute Truppe. So wie man sich als Fußballromantiker eine Fußballmannschaft vorstellt: Wir verstanden uns alle super, waren oft gemeinsam feiern und haben auf dem Trainingsplatz und im Spiel füreinander Gas gegeben. Direkt im ersten Jahr legten wir eine Rekordsaison hin und standen vom ersten bis zum letzten Spieltag auf einem Aufstiegsplatz, obwohl uns vor der Saison niemand auf dem Zettel hatte. Außerdem hatte ich mit Ede Becker einen Trainer, der mir von Anfang an ganz deutlich gesagt hat, dass er mich als Führungsspieler sieht. Dadurch bin ich als Spieler sehr gereift.

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