07.09.2012

Best of 2012: Trainer-Legende Uwe Klimaschefski im Interview

»Ja und? Ihr seid doch Arschlöcher!«

Uwe Klimaschewski ist der Mario Balotelli der deutschen Trainerszene. Mit einem Unterschied: Die meisten Geschichten über ihn stimmen. Ein Gespräch über kaputte Knie, Schlägereien mit US-Soldaten und ein Angebot des FC Bayern München.

Interview: Alex Raack Bild: Imago

Uwe Klimaschefski, kennen Sie Mario Balotelli von Manchester City?
Natürlich.

Balotelli wurde vor ein paar Monaten in einem Interview von Musiker und City-Fan Noel Gallagher zu seinen angeblichen Eskapaden befragt. Die meisten Anekdoten, die über ihn im Umlauf sind, stimmen gar nicht.
Wie langweilig.

Hätten Sie Lust, dieses Frage-Antwort-Spielchen auch mit uns zu spielen?
Schießen Sie los.

Als Sie 1974 von einem Mainzer Fan beleidigt wurden, sollen Sie den Herren gebeten haben, Ihr Brötchen zu halten und verpassten ihm anschließend einen rechten Haken?
Stimmt.

Weil Sie als Trainer vom FC Homburg zu viele verletzte Spieler im Kader hatten, setzten Sie in der Nacht vor dem Spiel den Platz unter Wasser. Es war Winter, am nächsten Tag fiel die Partie wegen Glatteis auf der Spielfläche aus.
Nicht ganz. Es war unser Platzwart, der mit einem Gartenschlauch den Mittelkreis über Nacht bewässerte. Ich hatte ihm den Auftrag gegeben. Es war richtig kalt, und am nächsten Morgen waren Teile der Spielfläche spiegelglatt. Der Schiedsrichter schaute sich das an und sagte das Spiel dann wirklich ab.

Den Platzwart haben Sie 1976 an einen Torpfosten fesseln und mit Bällen beschießen lassen.
Leider wahr. Er war betrunken und hatte uns zuvor ziemlich genervt. Wir trafen ihn nur ein paar Mal, dann schnitt ihn seine Frau mit einem Küchenmesser los.

Weil er einen Rentner zusammengeschlagen hatte, schlugen Sie Anfang der Achtziger einen amerikanischen G. I. k. o. – mit einem Hammer. Ich stellte den Idioten, doch der bedrohte mich mit einem Messer.
In meinem Auto lag ein Vorschlaghammer, den ich dabei hatte, um Startblöcke für das Sprinttraining in die Aschebahn zu kloppen. Den rammte ich ihm in den Bauch und rief die Polizei.

Weil zu einem Heimspiel vom FC Homburg nur 1000 Zuschauer erwartet wurden, versprachen Sie eine ganz besondere Halbzeitshow: ein Wettrennen von weiblichen Oben-ohne-Models.
Es kamen schließlich 3000 Leute zu unserem Spiel.

Und die Frauen?
Waren erfunden. In der Halbzeit riefen die Zuschauer: »Klima, wo sind die Weiber?«

Eine letzte Posse hätten wir noch: Dem Spieler Günter Kirch hauten Sie im Training eine runter, weil er Sie im angetrunkenen Zustand mit einem Ball abgeschossen hatte. Abends versuchte der Mann auf einer Party, eine Frau zu begrapschen und bekam noch eine gescheuert – von Ihrem Vereinspräsidenten Udo Geitlinger.
Ich habe ihn nicht geschlagen, lediglich im Trainingsspielchen umgetreten, das tat aber sicherlich auch ordentlich weh. Dass Udo ihm eine geklebt hat, halte ich allerdings durchaus für realistisch.

Worauf wir hinauswollen: Während Ihrer Zeit als Trainer zwischen 1970 und 1994 gab es offenbar keinen verrückteren Trainer als Sie. Haben Sie ganz bewusst den Entertainer und Unberechenbaren gespielt?
Geschauspielert habe ich nie. Als Mensch und als Trainer habe ich immer aus dem Bauch heraus entschieden, nur ganz selten mit dem Kopf. Das war eben meine Art.

Woher stammt dieses Bauchgefühl?
Das ist sicherlich beeinflusst durch meine Herkunft. Ich wurde 1938 in Bremerhaven geboren, einen Kilometer vom Hafen entfernt. Ich war ein norddeutscher Straßenjunge, der gerne den ganzen Tag Fußball spielte und eine große Klappe hatte.

Was wollten Sie als kleiner Junge werden?
Vor allem wollte ich nie arbeiten, sondern Fußballer werden. Mein Vater war Hafenarbeiter, der schuftete sich den Rücken für ein paar Mark krumm. Nur meiner Mutter zuliebe machte ich die Ausbildung zum Bauklempner. Doch schon mit 17 verdiente ich mein erstes Geld als Fußballer, nach einem halben Jahr bekam ich schon mehr Gehalt als mein Vater. Da wusste ich, dass ich aufs richtige Pferd gesetzt hatte.

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