28.02.2012

Best of 2012: Lothar Huber, BVB-Legende und Platzwart

»2,8 Zentimeter Schnittlänge sind ideal«

Diese Karriere ist einmalig: Lothar Huber machte mehr als 300 Bundesligaspiele für den 1. FC Kaiserslautern und Borussia Dortmund, heute arbeitet er als Platzwart beim BVB. Ein Interview über Rasenexperte Sammer, türkische Handys und die große Liebe Dortmund.

Interview: Alex Raack Bild: Imago
Zurück zu Ihrer Fußballer-Karriere. Und dem absoluten Tiefpunkt...

Lothar Huber: Ich weiß schon, worauf Sie hinaus wollen. 1978, das letzte Saisonspiel gegen Borussia Mönchengladbach?

Korrekt.

Lothar Huber: Das ist mir immer noch peinlich. Ich war in diesem Spiel unser Libero und in der gesamten Partie vielleicht dreimal am Ball. Nach dem sechsten Tor für die Borussia musste schon der Schiedsrichter (übrigens wieder Ferdinand Biwersi, d. Red.) die Bälle aus dem Netz holen, wir wollten den Gladbachern diesen Gefallen nicht mehr tun. Und dass sich nach dem Spiel Gott und die Welt auf unseren Trainer Otto Rehhagel stürzte, tut mir heute noch leid. Ehrlich gesagt, wir Spieler waren damals froh, dass die Öffentlichkeit einen Sündenbock gefunden hatte. Für Otto muss das furchtbar gewesen sein.

In solchen Momenten ist man als Trainer ganz allein.

Lothar Huber: Richtig grausam wurde es aber in den kommenden Wochen, denn dummerweise hatte die Vereinsführung schon vor dieser Katastrophe noch einige Freundschaftsspiele gegen Amateurmannschaften vereinbart. Wir zogen über die Dörfer und mussten uns gefallen lassen, als Betrüger beschimpft zu werden. »Wo steht denn nun dein neues Haus, dein neues Auto!«, riefen die Zuschauer. Sie glaubten allen Ernstes, wir hätten dieses Spiel verkauft.

Sie haben Ihre Karriere als Fußballspieler 1987 beendet – da hatten Sie allerdings schon einige Jahre Erfahrung als Trainer auf dem Buckel.

Lothar Huber: Richtig. Anfang der Achtziger suchte die Mannschaft des jüngeren Bruders meiner Frau einen Trainer, unser damaliger Chef Branko Zebec gab mir die Erlaubnis und ich stand schon bald als Übungsleiter für die B-Jugend vom VfR Sölde an der Seitenlinie. Das war super: Glücklicherweise trainierten wir mit den Profis immer tagsüber, abends hatte ich dann Zeit für meine Jungs aus Sölde. Wir stiegen sogar in die Westfalenliga auf, damals die höchste Jugendspielklasse der Region! Die Stars unserer Gegner aus Dortmund oder Gelsenkirchen hießen Olaf Thon oder Michael Skibbe.

Dann machten Sie einen ordentlichen Karrieresprung – und wurden Co-Trainer von Borussia Dortmund.

Lothar Huber: Das war während der Saison 1985/86, ich spielte ja noch selbst, assistierte aber in den letzten Spielen Reinhard Saftig. So gesehen war ich Spieler-Co-Trainer. Das war kein leichter Einstieg für mich: Wir mussten in die Relegation, es ging um den Verbleib in der ersten Liga. Das Hinspiel hatte Fortuna Köln mit 2:0 gewonnen, nach 90 Minuten im Rückspiel stand es erst 2:1 für uns. Wir waren also schon abgestiegen. Dann schoss Jürgen Wegmann in der Nachspielzeit doch noch das rettende 3:1. Das Entscheidungsspiel gewannen wir dann locker mit 8:0.

Nicht die erste Rettung des BVB, die Sie als Spieler miterleben mussten...

Lothar Huber: 1984 stand die Borussia kurz vor dem Konkurs, erst Dr. Reinhard Rauball als Präsident hat uns da vor dem Ende gerettet. Er war gerade ein paar Tage im Amt, da nahm er jeden von uns Spielern einzeln zur Seite und erklärte uns die missliche Situation. Er bat jeden Spieler, aufgrund der finanziell angespannten Lage, auf die fällige Jahresleistungsprämie zu verzichten. Das waren damals etwa 15.000 bis 20.000 DM. Für mich war das keine Frage, ich verzichtete auf das Geld, wie einige andere auch. Viele haben allerdings auf die Auszahlung der Summe bestanden. Das waren harte Monate, aber sicher nicht so schlimm wie in der Krisensaison 2004/05, als es nicht mehr fünf vor, sondern schon fünf nach Zwölf war. Ich bin heilfroh, dass es jedes Mal gut gegangen ist und wir heute auf so gesunden Füßen stehen. Für mich ist und bleibt der BVB mein Verein. Auch wenn ich ursprünglich aus der Pfalz komme...

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