24.08.2012

Best of 2012: Kevin-Prince Boateng im großen 11FREUNDE-Interview (#2)

»Ich bin der beste Fußballer der Welt!«

Unser Coverboy in diesem Monat heißt Kevin-Prince Boateng. Für seine Reportage über den Milan-Star traf Tim Jürgens Boateng zum Interview. Im zweiten Teil geht es um das Techtelmechtel zwischen Gina-Lisa und seinem Bruder, das ominöse Ballack-Foul – und die Frage nach dem besten Spieler der Welt.

Interview: Tim Jürgens Bild: Imago

Kevin-Prince Boateng, der Journalist Michael Horeni hat gerade ein Buch über »Die Brüder Boateng« veröffentlicht. Im Gegensatz zu ihren Halbbrüdern Jerome und George haben Sie ihm nicht als Gesprächspartner zur Verfügung gestanden.
Weil ich mit dem Buch nicht einverstanden war, es war nicht mit mir abgeklärt. Außerdem will ich mein eigenes Buch schreiben. Denn in vielen Dingen wurde ich – gerade in Deutschland – falsch verstanden und dargestellt. 


Wie schwer hat Sie die mediale Wahrnehmung des Ballack-Fouls getroffen?
Was soll ich dazu sagen? Sowas passiert auf dem Fußballplatz jeden Tag, aber dass bei mir mehr daraus gemacht wird, war doch klar: der »Bad Boy«, Ballack, die bevorstehende WM. Aber dass es nachher sogar in den rassistischen Bereich ging und meine Familie angegriffen wurde, hat mich schon getroffen.


Wie stecken Sie diese Anfeindungen weg?
Ich denke, es macht im Fußball eben auch den Unterschied aus, wie ein Spieler mit solchem Druck zurecht kommt. Es gibt keinen aktiven Fußballer in Deutschland, der in den letzten Jahren soviel negative Schlagzeilen bekommen hat. Aber wie Sie sehen, ruhe ich in mir und bin zufrieden.


Sie haben gesagt, Sie hätten den Eindruck, in Deutschland würde man Sie für einen »Verrückten« halten. Wie sehr nagt das an Ihnen?
Natürlich bedrückt es mich, wenn mich Leute für einen Bescheuerten halten. Aber auch hier habe ich gelernt, die Dinge nicht zu sehr an mich heran zu lassen. Früher habe ich mir über mein Image den Kopf zerbrochen. In Italien mögen mich die Menschen für das, was ich bin: Ein erfolgreicher Fußballer, der hart arbeitet und sich nichts zu Schulden kommen lässt. In Deutschland wird nicht viel über mich als Milan-Spieler geschrieben. Statt dessen aber erscheint ein Bild von mir in Badehose mit meiner Freundin, und alle Zeitungen drucken es ab. 


Dabei stehen italienische Medien nicht gerade in dem Ruf, besonders zimperlich mit Fußballstars umzugehen.
Die sind radikal, dagegen ist die deutsche Presse ein Kindergarten. Wenn es nicht läuft, hauen die ohne Kompromisse dazwischen. Die schreiben sogar Dinge, die schlicht und einfach gelogen sind.


Zum Beispiel?
Wenn ich abends in ein Restaurant zum Essen gehe, kann es schon vorkommen, dass morgens in der Zeitung steht, ich sei bis zum Morgengrauen feiern gewesen. Aber wenn es läuft, dann heben die Medien einen hier auch in den Himmel. 


Negative Schlagzeilen kennen wir viele von Ihnen. Gibt es auch eine, die Ihnen besonders gut gefallen hat?
Die stand in einer deutschen Zeitung.


Und zwar?
»Boateng, der Sexgott«.


Weil Ihre Freundin Melissa Satta einer italienischen Zeitung sagte, Sie hätten zwischen vier- und sieben Mal Sex in der Woche.
Im Ernst: So toll fand ich das nicht. Sie hat da leider etwas amateurhaft geantwortet. Sie ist den Journalisten auf den Leim gegangen. Was Sie gesagt hat, bezog sich eigentlich gar nicht auf unsere Beziehung, aber den italienischen Medien war das egal, die haben es gleich in diesen Zusammenhang gesetzt – und in Deutschland haben es die Boulvardzeitung gern übernommen. 


Und Sie waren sauer.
Nein, ich habe ihr aber gesagt, welche Tragweite solche Aussagen haben. Dass solche Sätze global verbreitet werden und sie genau aufpassen muss, was sie sagt. Ein kurzes mediales Erdbeben, dann war es vom Tisch.


Aber ein bisschen Spaß macht Ihnen das Popstarleben schon?
Was die Paparazzi machen, dafür kann ich ja nichts. Aber natürlich gehe ich ab und an unter Leute, ich tanze gerne und singe auch mal. 


Spielen Sie ein Instrument?
Leider nicht. Ich habe mal ein bisschen Klavier gespielt, jetzt überlege ich, Gitarre zu lernen. Meine Freundin macht mit. Es wird unser Hobby. Man sagt doch immer, Paare müssen etwas zusammen machen, das stärkt den Zusammenhalt. (lacht)


Stimmt es, dass Sie für 15.000 Euro die Sneakers ersteigert haben, die Michael J. Fox in dem Film »Zurück in die Zukunft« gestragen hat?
Ja, es ist eine meine frühesten Kindheitserinnerungen, dieser Film, in dem er in der Zeit zurückreist. 
Unter anderem tut er das, um sicher zu stellen, dass seine Eltern sich ineinander verlieben.

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