27.12.2010

Best of 2010: Valerien Ismael über Defensivkunst

»Ich liebe Zweikämpfe!«

Valerien Ismael war einer der letzten Verteidiger der alten Schule – jetzt wechselt der Franzose verletzungsbedingt vom Rasen an den Schreibtisch. Wir sprachen mit ihm über verpasste Chancen, die Liebe zum Zweikampf und neue Ziele.

Interview: Dirk Gieselmann und Alex Raack Bild: Imago
Wenn Sie Ronaldos Namensvetter Cristiano Ronaldo sehen – Hand aufs Herz: Was denken Sie?

Ich persönlich mag ihn nicht, Ribery beispielsweise gefällt mir besser. Ribery spielt mit Herz, und man kann schon an seinem Gesicht erkennen, dass sein Leben eine Geschichte zu erzählen hat. Er kommt von der Straße, hat mit seinem Vater auf dem Bau gearbeitet. So wie er lebt, so spielt er Fußball. Was Ronaldo macht ist Zirkus. Fußball scheint ihn anzuöden, zu langweilen. Aber, okay, die Fans kommen wegen ihm ins Stadion.

Juckt es Sie nicht in den Füßen, wenn Sie Ronaldo im Fernsehen sehen?

Natürlich. Ich sitze da und frage mich: Ist er wirklich so stark, oder hätte ich mich mit ihm messen können?

Gegen welche Stürmer haben Sie nur ungern verteidigt?

Die kleinen und wendigen Stürmer habe ich gehasst. Solche Bullen wie Jan Koller waren meine idealen Gegenspieler. Schlimm waren auch Typen wie Roy Makaay. Der hat 89 Minuten so getan, als ob er nichts drauf hat, als ob er im Zweikampf gegen dich kein Land sehen würde, nur um dann in der 90. Minute das Tor zu machen.

Haben die beiden Innenverteidiger auf dem Platz eigentlich das engste Verhältnis untereinander?

Das ist tatsächlich der Fall. Auf dem Feld müssen die beiden Innenverteidiger wie ein Paar funktionieren und harmonieren. Wenn es dir gelingt allein durch Blickkontakt zu kommunizieren, dann hast du es geschafft.

In Ihrer besten Saison 2003/04, als Sie mit Werder Bremen Deutscher Meister wurden, war Mladen Krstajic ihr Nebenmann. Waren Sie Freunde?

Überhaupt nicht. Wir waren und sind ganz unterschiedliche Typen, aber auf dem Platz waren wir wie Brüder. So eine Beziehung zwischen Innenverteidigern zu schaffen, das ist Perfektion. Die Bayern haben das vor zwei Jahren erfahren dürfen, als Lucio und Demichelis solch eine Einheit gebildet haben und nur 21 Gegentreffer zuließen.

Kann es überhaupt echte Freundschaften im Profifußball geben?

Kann es. Vor allem dann, wenn du mit deinen Kollegen Erfolge feierst, so etwas schweißt zusammen.

Wir erinnern uns dabei an die Szenen, als der Flieger von Werder nach der Meisterschaft 2004 in Bremen landete und Thomas Schaaf die Fans mit Fahne in der Hand begrüßte...

Da saß ich leider nicht mit in der Maschine, ich musste nach dem Spiel gleich ins Sportstudio. Wir zeigen Ismael das Foto, auf dem der jubelnde Schaaf bei der Ankunft in Bremen zu sehen ist. Solche Momente sind unbezahlbar, das ist pure Emotion. Und die bekommt man nur, wenn man etwas zusammen erreicht hat. Wenn du gelernt hast zu verstehen, dass die Erfüllung deiner Träume, das Erreichen deiner Ziele das Wichtigste ist, dann begreifst du auch die Mechanismen in diesem Geschäft. Viel Geld, große Verträge: das ist alles nur kurzfristig von Bedeutung. Mehr nicht.

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