20.01.2007

Besart Berisha im Interview

„Ich spiele um mein Leben“

Besart Berisha floh als Kind mit seiner Familie aus dem Kosovo. Nach einer Odyssee durch die Bürokratie ist er in der Bundesliga angekommen - und spricht mit 11freunde.de über Verantwortung, Verbissenheit und Verliebtsein in den HSV.

Interview: oliver zeyen Bild: Imago

Haben denn Ihre Kollegen Verständnis für Ihre Verbissenheit?

Einer meiner engsten Freunde, mit dem ich viel über diese Zeit rede, ist Rafael van der Vaart. Der zweite Satz, den ich normalerweise von Leuten höre, ist ein beeindrucktes „An deiner Stelle hätte ich schon längst aufgegeben.“ Viele können sich meine Geschichte einfach nicht vorstellen.

Allerdings unterscheidet sich Ihre Lebensgeschichte von denen der meisten.


Natürlich. Ich hatte, im Gegensatz zu den meisten Spielern in der Bundesliga, nie eine andere Perspektive als Fußball. Die anderen hatten Perspektive durch Schule, durch Verwandte. Ich musste ja alles geben, denn Fußball war für meine Familie und mich die einzige Möglichkeit. Nun bin ich stolz, Profi zu sein, weil für mich und meine Familie viele Dinge leichter geworden sind. Dennoch hatte es vielleicht einen Sinn, was ich durchgemacht habe. Ich hab vieles aus der Zeit mitgenommen, und gehe anders ans Leben ran.

Und an den Fußball.


Ich vergesse niemals, wo ich herkomme, und was ich hatte. Zu mindest droht da nicht, dass ich überheblich werde (lacht).

Aus Priština nach Berlin geflohen, nach Hamburg gezogen, nach Dänemark ausgeliehen, und wieder zurück nach Hamburg. Ihre Familie lebt immer noch in Berlin. Wo fühlen Sie sich zuhaus?

Ich habe die größte Zeit meines Lebens in Berlin verbracht. Aber ich spiele so gern für den HSV, ich liebe Hamburg, und wenn meine Familie nicht in Berlin wäre, sondern hier, würde ich vermutlich gar nicht mehr hinfahren müssen. (lacht)

Wenn der Verein zur Ersatzfamilie wird, muss Ihnen die momentane Situation doch besonders an die Nieren gehen.

Es tut besonders weh. Ich würde sehr gern noch lange bei diesem Verein spielen. Ich fühle mich sehr wohl hier. Der HSV ist ein besonderer Verein, mit vielen Traditionen. Wir sind noch nie abgestiegen. Vor allem tut’s mir leid, was die Fans jetzt durchmachen müssen. Das Stadion ist immer ausverkauft, und man merkt, wie sehr die Stadt darunter leidet, wie es jetzt um uns aussieht.

Jetzt möchte ich aber wissen, was das besondere am HSV ist.

Was soll ich sagen? Es macht mir einfach Spaß, hier Fußball zu spielen. Ganz einfach.

Sie haben also trotz all dem Druck und der Verantwortung noch so etwas wie Spaß am Spiel?

Natürlich! Wenn man den Spaß verliert, kann man gleich aufhören. Dann macht’s keinen Sinn. Außerdem: Die Mannschaft ist großartig, der Trainer, die Fans, das Stadion...(stutzt) Ich glaube, ich habe mich etwas in den HSV verliebt (lacht). Auch wenn’s mal nicht so gut läuft, und das tut’s ja – dann muss man aufstehen, weitermachen, an den Erfolg denken. Und ich denk an den Erfolg, und es macht einen Stolz, wenn man sich von unten aufrappeln muss, und es schafft. Aber nebenbei verliere ich nie, nie den Spaß am Fußball. Solange ich von mir sagen kann, ich habe alles gegeben, werde ich diesen Spaß auch nicht verlieren.

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