20.01.2007

Besart Berisha im Interview

„Ich spiele um mein Leben“

Besart Berisha floh als Kind mit seiner Familie aus dem Kosovo. Nach einer Odyssee durch die Bürokratie ist er in der Bundesliga angekommen - und spricht mit 11freunde.de über Verantwortung, Verbissenheit und Verliebtsein in den HSV.

Interview: oliver zeyen Bild: Imago
Herr Berisha, was ist für Sie Verantwortung?

Wenn man Verantwortung übernimmt, muss man für seine Fehler geradestehen, und für die Mannschaft da sein. In dieser Situation, wie wir mit dem HSV jetzt sind, muss jeder mit hundert Prozent ins Spiel gehen. Jeder muss zeigen, dass er Verantwortung übernehmen will.

Sie haben trotz Ihrer 21 Jahre in der Vergangenheit schon sehr viel Verantwortung übernommen. Bereits mit 17 waren Sie dem Druck ausgesetzt, Ihrer Familie die Existenz zu sichern – die Aufenthaltsgenehmigung für Sie und Ihre Familie hing davon ab, ob Sie einen Profivertrag bekommen.


Die letzten Jahre waren nicht leicht für mich. Mit 16, 17 ging es mir nur darum, für meine Familie dazusein. Ich musste viele Hindernisse überwinden, die mir insbesondere von den Behörden gestellt wurden. Und hatte dabei nur auf wenige Dinge Einfluß. Wir waren als Flüchtlinge aus dem Kosovo nur geduldet, die Aufenthaltsberechtigung wurde immer nur für kurze Zeit verlängert. Und dann war da die Zeit, als ich einen Monat in Priština festhing, um einen Paß zu bekommen. Ich konnte das Land nicht verlassen, und hatte Angst, mein Vertrag beim HSV könnte platzen. Als ich endlich zurückkam, hatte die Vorbereitung schon begonnen, und ich wurde dann nach Dänemark ausgeliehen.

Gab es Momente, in denen Sie aufhören wollten?

Es gab Momente.. tja, wenn man meine Geschichte gelesen hat, weiß man, dass es wirklich sehr viel auf einmal war. Natürlich war ich, besonders während der Zeit in Priština, oft der Verzweiflung nah und habe gedacht, oh Gott, wie soll das je wieder gut werden? Es war schlimm. Aber die Hoffnung konnte und durfte ich nicht aufgeben. Die Frage ans Aufhören stellte sich da gar nicht.

Hatten Sie Unterstützung?

Die bekam ich durch viele Menschen, besonders meine Berater. Dietmar Beiersdorfer war immer für mich ansprechbar, Auch zu Thomas Doll, der damals HSV Amateurtrainer war, und mich in die Mannschaft geholt hatte, hatte ich während dieser Zeit viel Kontakt. Und natürlich meine Freunde und meine Familie. Die Kraft, die mir meine Familie gibt, ist die Kraft, die ich Tag für Tag für den Fußball brauche.

Ist denn diese Art von Verantwortung, die Sie übernehmen mussten, eine Frage der Erziehung?


Bei uns im Kosovo ist das so: Ich würde alles für meine Familie tun. Wenn ich spiele, kämpfe ich für meine Familie.

Gehen denn hier aufgewachsene Spieler mit weniger Ernsthaftigkeit an den Fußball?

Ich kann nicht nachvollziehen, wie einige Spieler an den Sport herangehen. Aber jeder muss wissen, wie er den Weg weiter geht. Ob man nach drei Jahren zufrieden ist, oder mehr will.

Aber es muss Sie doch ärgern, wenn Teamkollegen ihre Chance und ihr Privileg nicht nutzen, und nicht hundert Prozent von dem geben, was sie könnten.


Ich gehe sehr emotional in jedes Spiel. Ich spiele jedesmal um mein Leben. Es geht um so viel, für mich, meine Familie, meinen Verein. Wenn ich auf dem Feld merke, dass jemand nicht mitzieht, dann mach ich was, da kann ich auch nicht ruhig bleiben und zusehen. Es macht mich wütend, wenn jemand nicht alles gibt. Ich bin so, weil es bei mir immer um mehr als nur drei Punkte geht. Viel mehr.

Thimothee Atouba wurde aus dem Trainingslager in Dubai nach Hause geschickt.


Jeder Spieler muss wissen, was er im Training macht, und wofür er dabei ist. Ob er fußballspielen will, ob er aufhören will. Timmy ist ein starker Typ, und ein guter Fußballer. Ich wünsche ihm und uns, dass er schnell wieder der Alte wird.

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