30.06.2007

Bernhard Peters im Interview

„Mich schmeißt man nicht raus“

Als Hockey-Trainer galt Bernhard Peters als weltweit Bester seines Fachs. Nun, als Sportdirektor der TSG Hoffenheim, blickt er dem Alltag in der 2. Fußball-Bundesliga entgegen. Wie lange hält ein ehrgeiziger Mann wie er das aus?

Interview: Christoph Ries Bild: Imago

Hockey-Weltmeister Philipp Crone sagt über Sie: »Man muss ihn kennen, um ihn zu mögen.« Mögen Sie die Spieler in Hoffenheim schon?

Ob die Spieler mich mögen?

Ja.

Also, es ist schon schwierig an jemanden wie mich ranzukommen. Ich stehe hier nicht im eins-zu-eins Kontakt mit den Spielern, wie es beispielsweise ein Trainer tut. Meine Arbeit bewegt sich eher im konzeptionellen Bereich, auf der Schiene eines Mitarbeiters dahinter. Dadurch ist mein Kontakt zu den Spielern etwas weniger intensiv. Auf einer etwas anderen Ebene komme ich mit den Spielern gut zurecht. Aber umfassend kennen die mich sicherlich noch nicht.

Die Situation des deutschen Fußballs haben Sie einmal mit einem schwer manövrierbaren Riesentanker verglichen. Wie groß ist der Vorsprung der TSG Hoffenheim gegenüber den anderen Profiklubs?

Die TSG Hoffenheim entspricht am ehesten dem Bild eines kleinen Schnellbootes, das einfach und schnell auf neue Entwicklungen reagieren kann. Die Geschehnisse in unserem Verein sind leichter zu manövrieren als in einem großen Klub. Ein automatischer Vorsprung gegenüber diesen Vereinen leitet sich dadurch allerdings nicht ab. Wir sind ja erst in der zweiten Liga.

Sie kamen vor acht Monaten zur TSG. Wie vertraut war ihnen die Materie Fußball bis dato?

Ich war und bin Lehrling und muss mich weiter in die Materie Fußball einarbeiten. Viele Dinge konnte ich mir im Vorfeld anschauen. In anderen Bereichen muss ich mich erst weiterentwickeln. Fußball ist in seiner Komplexität dem Hockeyspiel sehr ähnlich. Gerade im Bereich der Nachwuchsförderung gibt es viele Übereinstimmungen zwischen beiden Sportarten.

Sie arbeiten als Berater mittlerweile auch für den DFB. Was ist noch übrig von der Skepsis gegenüber externen Einflüssen?

Das ist sehr unterschiedlich. Man hat den Eindruck, dass durch die neue Denkweise von Klinsmann und Löw eine Öffnung stattgefunden hat. In vielerlei Hinsicht tut man sich aber immer noch sehr schwer, was äußere Einflussnahme angeht. Das wechselt je nach Aufgabenbereich. Einige Gebiete des DFB sind da auf einem sehr guten Weg. In anderen herrschen weiterhin tradierte Mechanismen, die sich gegen eine breitere Öffnung wehren.

Sind Sie bei ihrem Amtsantritt beim DFB davon ausgegangen, dass diese Skepsis nicht mehr existiert?

Nein davon bin ich nicht ausgegangen. Ich habe trotzdem schon Unterstützung für meine Denkweise erfahren. Es ist wie im normalen Leben, da muss man auch kämpfen, um Skeptiker zu überzeugen. Das ist gut so!

Wie weit können Sie sich mit der Arbeit von Joachim Löw identifizieren?

Löw ist ein ganz anderer Trainertyp als ich. Er ist viel besonnener, ruhiger und ausgeglichener, als ich es je war. Ich bin auf dem Platz mehr ein Mann der Extreme. Dennoch kann ich mich stark mit dem identifizieren, was Löw macht. Er hat klare Vorstellungen von seinen Zielen. Die Art und Weise, wie er nach seiner Arbeit als zweiter Mann hinter Klinsmann jetzt die Rolle des Cheftrainers übernommen hat, zeugt jedenfalls von einer starken Führungspersönlichkeit. Dafür zolle ich ihm meine Annerkennung.
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