Bernhard Peters im Interview

»Ich hege keinen Groll«

Der ehemalige Hockeycoach Bernhard Peters gilt als der erfolgreichste Bundestrainer einer Mannschaftssportart in Deutschland. Trotzdem wurde Matthias Sammer Sportdirektor des DFB. Wir sprachen mit ihm über die verhunzte Chance. Bernhard Peters im InterviewImago

Herr Peters, Sie haben mit dem Sport-Psychologen Hans-Dieter Hermann und dem Journalisten Moritz Müller-Wirth das Buch Führungsspiel veröffentlicht, in dem Sie unter anderem Ratschläge geben, wie Menschen zu begeistern und Teams zu formen sind. Wie sind Sie zu Ihren Erkenntnissen gelangt?

Ich habe in den 21 Jahren als Trainer beim Deutschen Hockey-Bund viel gelernt und entwickelt. Für einen Trainer ist es ganz wichtig, dass er selbst immer offen für Neues ist. Ein Lehrender muss auch immer ein Lernender sein.

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Eine Ihrer wichtigsten Aussagen ist, dass man bei der Führung einer Mannschaft nicht alle Spieler gleich behandeln kann. Können Sie das etwas näher ausführen?

Das ist richtig. Eine Mannschaft kann sich nur verbessern, wenn ich differenziert auf die einzelnen Spieler eingehe. Ein Spieler muss in seinen Anlagen und Möglichkeiten individuell wahrgenommen werden. Es geht darum, auf jeden anders zuzugehen und mit jedem anders zu sprechen. Jemand, der frisch verliebt ist, ist anders zu führen als jemand, der gerade von seiner Freundin verlassen wurde. Jemand, der sich gerade auf sein Examen vorbereitet, ist anders zu behandeln als jemand, der täglich ohne Stress trainiert.

Was raten Sie einem Trainer, der harte Entscheidungen treffen muss, wenn es darum geht, einen Kader zusammenzustellen?

Wer auswählt verletzt. Wichtig ist deshalb, dass man seine Entscheidungen sehr gut vorbereitet. Es muss Klarheit und Transparenz über den Entscheidungsprozess geben.

Dass Sie mit all Ihren Erfolgen den Sprung ins kalte Wasser, zu einer anderen Sportart und einer anderen Tätigkeit gewagt haben, hat viele überrascht. Was war der Grund dafür?

Man muss wissen, wann der Moment erreicht ist, an dem man sich nicht mehr weiterentwickelt und Veränderungen braucht. Ich bin ganz froh, dass ich diesen Moment erkannt habe. Ich habe schon Ende 2000, als ich angefangen habe als Bundestrainer Herren, dem Deutschen Hockey-Bund gesagt, ich mache den Job vielleicht vier bis sechs Jahre. Mir war aber auch klar, dass ich im Leistungssport bleiben möchte.

Schon nach den Olympischen Spielen 2004 hat es Sie zum Fußball gezogen. Was hatte Sie veranlasst, noch zwei Jahre mit Hockey weiterzumachen?

Ich habe meine Stärken immer im Planerischen gesehen, im Entwickeln von Strukturen. Ich hatte nach 2004 einige Alternativen im Kopf. Nach Olympia 2004 habe ich ein halbes Jahr durchgehangen. Aber dann hat mich die junge Mannschaft, die ich 2005 nominiert hatte, total mitgerissen, so dass ich nochmal heiß auf die WM 2006 war. Ich wusste aber auch, dass ich das danach nicht noch einmal schaffe.

Besonders in die Schlagzeilen sind Sie gekommen, als Jürgen Klinsmann Sie im Frühjahr 2006 als Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes installieren wollte. Über die Entscheidung zu Gunsten von Matthias Sammer und Ihre persönliche Enttäuschung schreiben Sie eindrucksvoll in Ihrem Buch. Wie sehen Sie diese Zeit mit dem Abstand von zwei Jahren?


Es war eine wichtige und auch schmerzhafte Erfahrung. Aber alles ist gut so, wie es jetzt gekommen ist. Ich bin in Hoffenheim an der richtigen Stelle aufgehoben. Ich hege keinen Groll gegen den DFB oder einzelne Personen.

Statt beim DFB sind Sie beim damaligen Regionalligisten 1899 Hoffenheim gelandet. Was genau ist Ihre Aufgabe?

Mein Job jetzt ist sehr vielfältig. Ich stehe für die Einheitlichkeit der Ausbildung, die Eliteförderung der Toptalente, Auswahl der Trainer und der Mitarbeiter. Es ist eine übergreifende Tätigkeit über einzelne Mannschaften oder Altersstufen hinweg. Es geht darum, das Jugend-Leistungssportsystem weiter zu optimieren. Ich bringe mich auch bei der Profimannschaft mit Ideen ein. Ich bin ein Berater für den Trainerstab. Mit Ralf Rangnick sitze ich oft zusammen. Ich bringe mich im Videobereich ein, schlage Spiel- und Trainingsformen als Ideen fürs Training vor, insbesondere im Offensivbereich.

Nun ist Jürgen Klinsmann ab der kommenden Saison Trainer bei Bayern München. Könnten Sie sich vorstellen dort mit ihm zu arbeiten?

Nein, derzeit nicht. In Hoffenheim sind wir noch lange nicht mit unserem Weg fertig. Hier sind alles unheimlich ehrgeizige Leute, die nicht Zweiter werden wollen. Es ist eine faszinierende Sache, für Dietmar Hopp zu arbeiten. Wir haben noch sehr viele Aufgaben vor uns. Das ist ein breites Spektrum und das reizt mich. Da möchte ich nicht weggehen.

Die junge Mannschaft hat die Chance, schon in diesem Jahr als Aufsteiger in die erste Bundesliga durchzumarschieren. Sind Sie überrascht von diesem Erfolg?

Nein, das sind alles selbstbewusste Spieler in Hoffenheim, der Erfolg überrascht mich nicht. Es ist eine großartige Leistung des Trainerteams, die Talente zu formen und der Mannschaft eine Handschrift zu geben. Jetzt schauen wir mal, wo es hingeht.

Wie groß ist noch Ihr Interesse am Hockey?


Zum Hockey habe ich noch Kontakt. Schon durch das Training meiner Kinder. Ich habe die Olympia-Qualifikation natürlich verfolgt. Ich habe ein gutes Verhältnis zu meinem Nachfolger Markus Weise und den Spielern. Etliche melden sich immer noch bei mir. Neulich haben sich acht, neun bei mir getroffen, und wir hatten echt Spaß.

Und was trauen Sie Ihrer alten Mannschaft bei den Olympischen Spielen in Peking zu?

Es war klar, dass es nach dem Riesenerfolg bei der WM 2006 zu einer Talsohle kommen würde. Die Mannschaft musste sich ja auch umstellen. Es gab eine neue Struktur in der Führung, es musste sich eine neue Dynamik in der Gruppe entwickeln. Jetzt ist die Mannschaft in einer super Position. Sie hat eine mental starke Vorstellung in Japan gezeigt. Sie war darauf gut vorbereitet und hat dort zugeschlagen. Eine optimale Entwicklung zum Höhepunkt, die für Peking viel Selbstvertrauen geben wird.

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