08.05.2008

Bernhard Peters im Interview

»Ich hege keinen Groll«

Der ehemalige Hockeycoach Bernhard Peters gilt als der erfolgreichste Bundestrainer einer Mannschaftssportart in Deutschland. Trotzdem wurde Matthias Sammer Sportdirektor des DFB. Wir sprachen mit ihm über die verhunzte Chance.

Interview: Andreas Hardt Bild: Imago
Bernhard Peters im Interview
Herr Peters, Sie haben mit dem Sport-Psychologen Hans-Dieter Hermann und dem Journalisten Moritz Müller-Wirth das Buch Führungsspiel veröffentlicht, in dem Sie unter anderem Ratschläge geben, wie Menschen zu begeistern und Teams zu formen sind. Wie sind Sie zu Ihren Erkenntnissen gelangt?

Ich habe in den 21 Jahren als Trainer beim Deutschen Hockey-Bund viel gelernt und entwickelt. Für einen Trainer ist es ganz wichtig, dass er selbst immer offen für Neues ist. Ein Lehrender muss auch immer ein Lernender sein.



Eine Ihrer wichtigsten Aussagen ist, dass man bei der Führung einer Mannschaft nicht alle Spieler gleich behandeln kann. Können Sie das etwas näher ausführen?

Das ist richtig. Eine Mannschaft kann sich nur verbessern, wenn ich differenziert auf die einzelnen Spieler eingehe. Ein Spieler muss in seinen Anlagen und Möglichkeiten individuell wahrgenommen werden. Es geht darum, auf jeden anders zuzugehen und mit jedem anders zu sprechen. Jemand, der frisch verliebt ist, ist anders zu führen als jemand, der gerade von seiner Freundin verlassen wurde. Jemand, der sich gerade auf sein Examen vorbereitet, ist anders zu behandeln als jemand, der täglich ohne Stress trainiert.

Was raten Sie einem Trainer, der harte Entscheidungen treffen muss, wenn es darum geht, einen Kader zusammenzustellen?

Wer auswählt verletzt. Wichtig ist deshalb, dass man seine Entscheidungen sehr gut vorbereitet. Es muss Klarheit und Transparenz über den Entscheidungsprozess geben.

Dass Sie mit all Ihren Erfolgen den Sprung ins kalte Wasser, zu einer anderen Sportart und einer anderen Tätigkeit gewagt haben, hat viele überrascht. Was war der Grund dafür?

Man muss wissen, wann der Moment erreicht ist, an dem man sich nicht mehr weiterentwickelt und Veränderungen braucht. Ich bin ganz froh, dass ich diesen Moment erkannt habe. Ich habe schon Ende 2000, als ich angefangen habe als Bundestrainer Herren, dem Deutschen Hockey-Bund gesagt, ich mache den Job vielleicht vier bis sechs Jahre. Mir war aber auch klar, dass ich im Leistungssport bleiben möchte.

Schon nach den Olympischen Spielen 2004 hat es Sie zum Fußball gezogen. Was hatte Sie veranlasst, noch zwei Jahre mit Hockey weiterzumachen?

Ich habe meine Stärken immer im Planerischen gesehen, im Entwickeln von Strukturen. Ich hatte nach 2004 einige Alternativen im Kopf. Nach Olympia 2004 habe ich ein halbes Jahr durchgehangen. Aber dann hat mich die junge Mannschaft, die ich 2005 nominiert hatte, total mitgerissen, so dass ich nochmal heiß auf die WM 2006 war. Ich wusste aber auch, dass ich das danach nicht noch einmal schaffe.

Besonders in die Schlagzeilen sind Sie gekommen, als Jürgen Klinsmann Sie im Frühjahr 2006 als Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes installieren wollte. Über die Entscheidung zu Gunsten von Matthias Sammer und Ihre persönliche Enttäuschung schreiben Sie eindrucksvoll in Ihrem Buch. Wie sehen Sie diese Zeit mit dem Abstand von zwei Jahren?


Es war eine wichtige und auch schmerzhafte Erfahrung. Aber alles ist gut so, wie es jetzt gekommen ist. Ich bin in Hoffenheim an der richtigen Stelle aufgehoben. Ich hege keinen Groll gegen den DFB oder einzelne Personen.

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