29.09.2008

Bernd Storck im Interview

»Man kann etwas wecken«

Bernd Storck ist Nationaltrainer Kasachstans – zumindest für ein Spiel. Wir sprachen mit ihm über seine Suche im Atlas und das bevorstehende Länderspiel im Londoner Wembley-Stadion gegen England.

Interview: Stefan Hermanns Bild: Imago
Bernd Storck im Interview
Herr Storck, Sie sind neuer Nationaltrainer Kasachstans. Da darf man ruhig gratulieren, oder?

Gerne, das ist schon eine schöne Sache. Und unglaublich eigentlich. Im Sommer habe ich als Trainer der U 21 angefangen, dann ist der Job bei Kairat Almaty hinzugekommen – und jetzt bin ich auch noch Nationaltrainer, allerdings nur für ein Spiel.



Das steht schon fest?

Zumindest hat sich der Verband so geäußert, aber er hat sich auch alle Optionen offen gelassen.

Es gibt auf jeden Fall Schlimmeres, als sein Debüt als Nationaltrainer im Wembley- Stadion gegen England zu geben.

Allerdings. Vor allem für meine jungen Spieler wird das eine große Sache. In meinem Kader für London gibt es einige Überraschungen. Der bisherige Stammtorwart ist nicht mehr dabei. Der hat in den letzten sechs Spielen 16 Tore kassiert und überhaupt keine Sicherheit ausgestrahlt. Und unseren einzigen Legionär von Dynamo Moskau kann ich auch nicht brauchen.

Warum nicht?


Der hat öffentlich gesagt, dass ihm die Nationalmannschaft scheißegal ist. Da vertraue ich lieber jungen, hungrigen Spielern. Von den 22, die bei den letzten beiden Qualifikationsspielen im Aufgebot standen, sind noch acht dabei. Alle anderen kommen aus der U 21.

Deren Trainer zufälligerweise Sie sind.


Die jungen Spieler sind fußballerisch einfach besser. Wir haben mit der U 21 in der EM-Qualifikation Polen 3:0 geschlagen, und gegen Spanien kurz vor Schluss das 1:2 kassiert, ein Eigentor. Die Spanier hatten Spieler dabei, die bei Real und Barcelona zum Stamm gehören.

Was erwarten Sie von Ihrer Mannschaft gegen England?

Dass die Jungs sich gut verkaufen, dass sie frech auftreten, aggressiv sind und nach vorne spielen, wenn sich ihnen die Chance dazu bietet. Ich bin da ganz zuversichtlich. Und Angst habe ich als Deutscher sowieso nicht.

Sie haben Ihrem Kollegen Fabio Capello zumindest eines voraus: Sie kennen seine Spieler vermutlich besser als er Ihre.


Wahrscheinlich kennt er keinen einzigen. Ich weiß auch nicht, ob ihn das interessiert. Das kann ein kleiner psychologischer Vorteil sein, dass die Engländer denken: Kasachstan? Die hauen wir weg!

Ihr Vorgänger wurde nach Niederlagen gegen Kroatien und Ukraine entlassen. Könnte es sein, dass die Ansprüche in Kasachstan etwas zu hoch sind?

Wenn man nur die Resultate nimmt, 0:3 in Kroatien, 1:3 gegen die Ukraine, hört sich das nicht besonders dramatisch an. Aber gegen Kroatien hätten wir auch sechs oder sieben Stück kriegen können. Fußballerisch war das viel zu wenig. Derjenige, der den Ball hatte, war die ärmste Sau. Es gibt hier im Fußball eine gewisse Stagnation. Wir müssen jetzt den nächsten Schritt machen. Von unten kommen gute Jungs nach. Die sind sehr willig und aufnahmefähig. Das ganze Land ist im Aufbruch. Wir wollen bei der EM 2016 dabei sein. Aber man muss auch realistisch bleiben. Das geht nicht von heute auf morgen.

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