27.05.2008

Bernd Stange im Interview

»Ich bin kein Politiker«

Bernd Stange betreut derzeit die weißrussische Nationalelf und trifft heute im Testspiel auf Deutschland. Wir sprachen mit ihm über politische Konflikte, die erschreckende Qualität der weißrussischen Liga und Saddam Hussein.

Interview: Roland Wiedemann Bild: Imago
Bernd Stange im Interview
Herr Stange, was darf man von Ihrem Team im Spiel gegen Deutschland erwarten?

Meine Mannschaft wird ein mutiger und offensiv spielender Gegner sein. Ich denke nicht, dass wir wie die Schweiz mit 0:4 verlieren werden.



Holland besiegt und gegen die Türkei unentschieden gespielt - Sie feierten mit Ihrem Team zuletzt Achtungserfolge. Dabei lief es anfangs überhaupt nicht rund.

Harald Irmscher, mein Assistent, und ich haben nach der Amtsübernahme im August einen radikalen Schnitt vorgenommen. Wir verabschiedeten Denkmäler wie Sergei Gurenko, weil diese Generation mit dem Nationalteam nichts, aber auch wirklich überhaupt nichts erreicht hatte. Wir versuchten mit jungen Leuten, die teilweise in ihren Klubs noch in der zweiten Mannschaft spielten, einen Neuanfang. Damit sind wir zunächst auf die Nase gefallen.

Tiefpunkt war die Heimniederlage gegen Luxemburg…

…das war mehr als blamabel. Wir haben dann ein wenig korrigiert und ein, zwei erfahrene Spieler ins Team geholt, sonst aber unseren Weg konsequent weitergeführt. Irgendwie erinnert mich das ein bisschen an die Startphase unter Jürgen Klinsmann. Zu Beginn haben Harald Irmscher und ich auch kräftigen Gegenwind verspürt. Inzwischen schlägt uns und den Spielern eine Welle der Sympathie entgegen.

Was hat Sie an der Aufgabe in Weißrussland gereizt?


Es war das in sportlicher Hinsicht attraktivste Angebot. Damit öffnete sich für mich quasi wieder das Tor zur großen Fußballwelt. Ich treffe mit meinem Team auf Gegner wie Deutschland, Argentinien oder England.

Sie ließen sich nicht davon abschrecken, dass in Weißrussland laut westlicher Beobachter Menschenrechte verletzt werden?

Ich bin Fußballtrainer und kein Politiker und plädiere für die Unabhängigkeit des Sports. Minsk, wo ich wohne, ist eine Stadt mit hoher Lebensqualität. Und ich kann Ihnen nur sagen, dass Weißrussland ein sehr sauberes und aufgeräumtes Land ist, bei allen Gegensätzen, die hier wie in anderen GUS-Staaten nicht zu übersehen sind. Ich habe es mir abgewöhnt, öffentlich über Politik zu sprechen. In diesem Punkt bin ich durchaus störrisch.

Was wohl auch mit den Reaktionen auf Ihr früheres Engagement im Irak zusammenhängt.


Als ich das Angebot im Irak annahm, machte man mich in Deutschland zum Handlanger von Saddam Hussein. Welch eine Heuchelei und Verlogenheit. Dass zur gleichen Zeit deutsche Firmen im Irak gute Geschäfte machten, hat niemanden interessiert. Später bin ich dann von der Fifa mit dem Presidential Award ausgezeichnet worden. Die Arbeit im Irak war die härteste in meinem Leben. Sie hat mich wetterfest gemacht. Ich bin stolz darauf, dass ich das bei allen Schwierigkeiten durchgezogen habe und die Mannschaft sich für die olympischen Spiele 2004 qualifizierte.

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