26.01.2009

Bernd Schröder im Interview

»Hans Meyer lacht mich aus«

Seit 37 Jahren trainiert Bernd Schröder die Damen von Turbine Potsdam und hat mit ihnen so ziemlich alles gewonnen. Im Interview spricht er über die Verlegung des Pokalfinales, Spiele gegen Mailand und 40 Mädchen im Klubheim.

Interview: 11Freunde Bild: Imago
War da schon abzusehen, das aus der neu gegründeten Frauenabteilung mal was ganz Großes werden könnte?

Nein, wir haben nie damit gerechnet oder nur daran gedacht, dass wir uns einmal in so eine Richtung entwickeln. Aber uns war klar: Wenn wir so was als Verein machen, dann müssen wir es auch mit hoher Ernsthaftigkeit und mit einem verantwortungsvollen Pflichtbewusstsein betreiben. Ich habe von der ersten Minute an leistungsorientiert gearbeitet.

Wie hat sich der Frauenfußball im Osten entwickelt?

Offiziell wurde es erst 1979, mit der Einführung der »Bestenermittlung«, Meisterschaft wollte  man es wegen der Verknüpfung des Wortes mit dem Leistungsgedanken nicht nennen. Auch vorher gab es schon viele Spiele und Hallenturniere mit sehr vielen Zuschauern. Es ist bloß in der Presse zu kurz gekommen, was ja auch verständlich ist bei den vielen Weltmeistern und Olympiasiegern, die wir hatten.

Kurzzeitig waren Sie auch Nationaltrainer der DDR, wie sind Sie  zu dem Posten gekommen?

Es gab bei uns drei Vereine, die Titel gewonnen hatten, dass waren Rotation Schlema, Wismut Aue und wir. Da hat man erkannt, dort arbeiten Leute, die spezifisch über diese Sportart Bescheid wissen und dann haben sie mir und dem Trainer von Aue  angeboten das einfach mal zu machen. Das Ganze wurde ja durch die Wende schnell beendet. Wir haben nur ein Länderspiel gemacht, eine 0:3 Niederlage gegen die CSSR.

Sie sind der letzte DDR-Funktionär, der noch immer im Amt ist. Das hat zur Folge, dass bei Wikipedia unter ihrem Namen sofort das Wort Stasi fällt. Wie geht man mit dem generellen Stasi-Verdacht um, der einem entgegen schlägt?  

Demjenigen, der solche Dinge da rein schreibt, könnte ich links und rechts in den Arsch treten. Das ist der größte Blödsinn. Ich bin ja sogar noch ein Jahr für internationale Aufgaben gesperrt worden, weil wir international in Tschechien gegen internationale Teams gespielt haben, etwa gegen den AC Mailand.

Das hat den Oberen nicht gepasst?

Natürlich nicht. Wir mussten sogar die Einladungen manipulieren. Wir durften ja nur in Tschechien, Polen oder Ungarn spielen. Wenn die Einladungen geschrieben haben, haben wir sie entweder gebeten, diese noch mal zurück zu nehmen und nur Mannschaften zu bekannt zu geben, die aus dem Ostblock kamen. Oder wir haben sie selber verändert. Das Problem waren nur die Funktionäre, die dabei waren und  gesagt haben, dass wir abreisen sollen. Wir haben uns immer dagegen gewehrt und demonstrativ weitergespielt.

Im Gegensatz zu den ostdeutschen Männerteams hat Turbine nach der Wende den Sprung zum Spitzenteam geschafft. Wie schwer war dieser Übergang?

Sehr schwer. Das sieht man ja daran, dass wir die einzige Fußballmannschaft aus dem Osten sind, die einen gesamtdeutschen Titel gewonnen hat. Zunächst einmal ging es darum, wie viele Teams aus der DDR in die erste Liga kommen, wir haben für vier plädiert, da wir zu dem Zeitpunkt nur Dritter waren, uns wurden aber nur zwei gestattet. Wir mussten uns erstmal neu konsolidieren, hatten dabei wie die Männervereine auch große Schwierigkeiten, aber wir wussten wo es lang geht und sind dann unseren Weg gegangen.

Mittlerweile haben Sie mit Ihrer Mannschaft nahezu alles gewonnen, was es im Frauenfußball zu gewinnen gibt, sind deutscher Meister und Pokalsieger geworden und haben 2005 den UEFA Women’s Cup gewonnen. Was für Ziele haben Sie noch?

Wir als Verein haben natürlich auch die WM 20011 im Blick. Wir versuchen über das Verbundsystem Schule, Verein, Verband  und Olympiastützpunkt eine große Anzahl von Spielerinnen auszubilden, die es in die Nationalelf schaffen und dort unseren Klub repräsentieren. Das Nahziel mit Turbine ist es natürlich wieder Mal einen Titel zu holen um unseren Ansprüchen und unserer Verantwortung gegenüber unseren tollen Fans gerecht zu werden.

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