26.01.2009

Bernd Schröder im Interview

»Hans Meyer lacht mich aus«

Seit 37 Jahren trainiert Bernd Schröder die Damen von Turbine Potsdam und hat mit ihnen so ziemlich alles gewonnen. Im Interview spricht er über die Verlegung des Pokalfinales, Spiele gegen Mailand und 40 Mädchen im Klubheim.

Interview: 11Freunde Bild: Imago
Bernd Schröder, der Interviewtermin steht schon eine Weile, jetzt wurde uns auch noch ein aktueller Anlass geliefert. Das Pokalfinale der Frauen wird ab 2010 nicht mehr gemeinsam mit den Männern in Berlin stattfinden. Wie stehen Sie zu der Verlegung?

Eine Entscheidung, die mich sehr überrascht. Ich habe vorige Woche noch mit Theo Zwanziger gesprochen, da ist nichts dergleichen verlautet worden. Für mich ist das eine der ungünstigsten Entscheidungen des DFB, die man vor einer WM im eigenen Land überhaupt treffen könnte. Dass die beiden Spiele nacheinander in Berlin stattfinden, wurde vor 25 Jahren doch nur entschieden, um den Frauenfußball populärer zu machen. Es sollte von Seiten des DFB zu dokumentieren, dass der Oberbegriff Fußball für alle gilt, für Frauen und Männer gleichermaßen. Das wird mit einer Verlegung absolut ausgedünnt.

Sie befürchten, dass das Interesse an einem Finale an anderer Spielstätte nachlassen wird?

Unabhängig davon, wo gespielt werden wird: Es kommen doch maximal 10.000 Zuschauer. Für ein Pokalfinale der Frauen in Duisburg, München oder Hintertupfingen würde sich kein Mensch interessieren, und es würde den Frauenfußball in keiner Weise populärer machen. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben am Tag des Finals die Spiele von Nachmittag bis zum späten Abend begleitet und damit den Frauenfußball in der Öffentlichkeit viel mehr in den Vordergrund gestellt. Die Entscheidung ist für mich nicht nachvollziehbar – es sei denn, der DFB garantiert wirklich eine Live-Übertragung, aber wie soll das gehen? Man hätte einfach mal mit den Leuten reden sollen, die was vom Frauenfußball verstehen.



Es ist folglich der falsche Schritt, sich immer weiter von den Männern zu emanzipieren?


Wenn wir den Frauenfußball voran bringen wollen, müssen wir eine eigene Philosophie entwickeln, wir müssen uns von den Männern nicht abgrenzen, aber in irgendeiner Form anders darstellen.

Inwiefern?

Wir müssen sympathischer sein und weniger taktieren. Natürlich sind die Frauen Lichtjahre von den Männern entfernt, aber wir spielen beide unter dem Dach des DFB. Nehmen wir uns doch ein Beispiel an den Wintersportlern, gerade die Biathleten haben es überhaupt nicht nötig, dass Männer und Frauen gemeinsam an den Start gehen. Was haben sie daraus gemacht? Sie haben dafür gesorgt dass eine komplexe Sympathie für die ganze Sportart gibt, indem man bei allen wichtigen Veranstaltungen gemeinsam auftritt.

Sie sind jetzt seit über 37 Jahren Trainer der Frauen von Potsdam, haben die Frauen Abteilung des Vereins gegründet und waren zwischenzeitlich auch mal Präsident, können sie sich ein Leben ohne den Verein überhaupt vorstellen?


Man darf ja bei mir nicht vergessen, dass ich von 1968 bis kurz nach der Jahrtausendwende in leitender Position bei einem der größten Energieversorger Europas gearbeitet habe. Für mich gab es immer auch das Leben als Abteilungsleiter.

Was hat Sie in einer Zeit, in der sich so gut  wie niemand für Frauenfußball interessierte, bewogen, eine eigene Abteilung zu gründen?

Das war alles eine ganz spontane Sache. Eines Tages hing bei uns in der Firma die Meldung am schwarzen Brett: »Wir gründen eine Frauenfußballmannschaft«. Das sollte nur ein Scherz sein, eine Schnapsidee von irgendwelchen Leuten, doch dann standen mit einem Mal 40 Mädchen im Klubhaus, die diese Sache ernst genommen hatten. Von wem der Scherz kam, weiß bis heute niemand.

Waren Sie im Klubheim, als die Mädchen ankamen?


Ja, ich habe meinen ratlosen Freund und Sektionsleiter angesehen und gesagt: »Ich mach das erstmal!« Eine total spontane Entscheidung. Wir konnten die Mädchen ja nicht einfach wieder heimschicken. Dann stand ich mit einem Mal in der Verantwortung, ich konnte jedenfalls nach drei Wochen nicht einfach wieder aufhören. Das alte bekannte Problem des Zauberlehrlings: »Die Geister, die ich rief...«

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