26.06.2009

Bernd Schneider zieht Bilanz

»Ich möchte nichts missen«

Wegen einer Rückenverletzung beendet Bernd Schneider seine Karriere. Zeit, noch einmal eines seiner wenigen Interviews hervor zu holen, das er uns 2007 gab: »Schnix« über den Unterschied zwischen Fußballmannschaft und Fußballschneider.

Interview: Tim Jürgens und Jens Kirschneck Bild: imago
Bernd Schneider zieht Bilanz

Sie werden im November 34. Wenn man die letzte Saison betrachtet, wirken Sie aber putzmunter.

Ich würde eher sagen: jung und frisch (lacht). Putzmunter bin ich ja auch, wenn ich morgens die Augen öffne.

War die letzte die bislang beste Saison Ihrer Karriere?


Nein, ich hatte schon viele gute Jahre in der Bundesliga. Die Saison 2003/04 ist mir auch in guter Erinnerung geblieben, weil ich damals zehn Tore gemacht habe und wir uns für die Champions League qualifiziert haben. Dieses Jahr habe ich nur sechs Tore geschossen und wir spielen UEFA-Cup.

Aber warum entdecken plötzlich alle Bernd Schneider?

Das ist eine Sicht, die durch die Medien gesteuert wird – und mit dem gesteigerten Interesse an den Nationalspielern nach der WM zu tun haben dürfte. Vielleicht haben auch die Tore dazu beigetragen, die ich in der Liga gemacht habe. Die waren ja durch die Bank alle etwas spektakulärer.

Empfinden Sie den gegenwärtigen Hype um Ihre Person als späten Lohn für Ihr uneitles Spiel?

Gar nicht, intern werde ich sowohl bei Bayer als auch in der Nationalelf schon lange geschätzt.

Stimmt die Geschichte, dass Sie während eines Spanien-Urlaubs von einigen Engländern nicht erkannt wurden, die Sie dann bei einem Freizeitkick schwindelig gespielt haben?


Die Geschichte wurde ein wenig aufgebauscht.

Wie lief es denn ab?


Na ja, wir haben halt Fußball gespielt – so wie man im Urlaub eben spielt – und die haben sich ein wenig gewundert (grinst).

Und Sie haben sich ins Fäustchen gelacht?

Mich stört es nicht, wenn mich die Leute nicht erkennen. Ich spiele seit fast zehn Jahren Bundesliga und in der Nationalmannschaft bin ich Stammspieler – das reicht mir völlig.

Ist Fußball für Sie immer noch mehr Spiel als Beruf?


Beides. Natürlich will ich Spaß bei der Arbeit haben, denn wenn ich beim Training permanent schlecht gelaunt rumlaufe, schlägt sich das auch auf mein Spiel nieder. Aber ich will und muss auch Erfolg haben.

Trotzdem wird Ihnen sogar in kleinen Testspielen eine ungeheure Spielfreude bescheinigt.

Was gibt es Schöneres, als bei strahlendem Sonnenschein gegen einen unterklassigen Verein zum Trainingsspiel aufzulaufen?

Es wirkt alles so leicht, wenn man Ihnen zuhört. Müssen Sie sich in Ihrem Alter gar nicht quälen?

Natürlich, und in meinem Alter muss ich mich noch viel mehr schinden als in jungen Jahren, um auf dem Fitnesslevel zu bleiben.

Mussten Sie Ihren Lebenswandel ändern? Jürgen Kohler entsagte ab dem 30. Geburtstag dem Alkohol.

Nein, aber ich bin noch nie jede Woche ins Nachtleben abgetaucht. Deshalb ist das kein Problem für mich.

Stimmt es, dass Sie Raucher sind?

Ab und zu. Doch das spielt überhaupt keine Rolle.

Weiß der Trainer darüber Bescheid?


Hier in Leverkusen weiß es fast das ganze Stadion, deshalb wundert mich Ihre Frage.

Sie waren im Laufe Ihrer Karriere selten verletzt.


In der Tat, ich habe Glück gehabt. Als 20-Jähriger hatte ich eine Arthroskopie (Gelenkspiegelung, Anm. d. Red.) im Knie, mit 16 eine Bänderdehnung und als Kleinkind einen Schien- und Wadenbeinbruch.

Ist es ein Vorteil, dass Sie Ihr erstes Bundesligaspiel erst mit 24 gemacht haben?


Nein, ich habe in Jena direkt nach der Jugend in der 2. Liga angefangen. Das Spiel dort ist deutlich körperbetonter als in der 1. Liga. Für die Physis ist es also eher ein Nachteil, nicht gleich ganz oben zu spielen.

Warum sind Sie so lange bei Carl Zeiss Jena geblieben? Haben die Bundesligascouts Sie einfach übersehen?

Nein, es gab auch vor 1998 schon drei Wechselangebote, die aber aus verschiedenen Gründen nicht geklappt haben.

Zum Beispiel?

Rudi Assauer wollte mich nach Schalke holen, doch die Ablösesumme, die Jena haben wollte, war ihm zu hoch.

Wussten Sie damals schon, dass Sie zu Höherem geboren waren?

Nein, damals waren die Champions League und die Nationalmannschaft noch ein Traum. Doch als die ersten Angebote kamen, habe ich natürlich darauf spekuliert, irgendwann in der Bundesliga eine Chance zu bekommen.

So gesehen, war es wohl ein harter Schlag, als Carl Zeiss Jena Sie wegen der Ablösesumme nicht nach Schalke ziehen ließ.

Ich bin ein sehr heimatverbundener Mensch. Und es kommt so, wie es kommt.

So einfach ist das?


Wenn Sie vor einer roten Ampel stehen, fahren Sie ja auch nicht los.

Manchmal würden wir aber gern.

Aber Sie tun’s nicht. Wie gesagt, Jena bedeutet mir sehr viel, deshalb war es auch schön, dort noch ein bisschen zu bleiben.

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