26.06.2009

Bernd Schneider zieht Bilanz

»Ich möchte nichts missen«

Wegen einer Rückenverletzung beendet Bernd Schneider seine Karriere. Zeit, noch einmal eines seiner wenigen Interviews hervor zu holen, das er uns 2007 gab: »Schnix« über den Unterschied zwischen Fußballmannschaft und Fußballschneider.

Interview: Tim Jürgens und Jens Kirschneck Bild: imago
Bernd Schneider zieht Bilanz
Was war das schönste Spiel Ihrer Karriere?

Ein ganz wichtiges war die Zweitligapartie mit Carl Zeiss Jena gegen Eintracht Frankfurt in der Saison 1997/98, in der ich aus 16 Metern ein schönes Tor gemacht habe. Durch den Treffer wurde nämlich die Eintracht auf mich aufmerksam, mit der ich im darauf folgenden Sommer in die 1. Liga aufstieg.

Wir dachten, das Spiel Ihres Lebens sei das WM-Finale 2002 gewesen?

Ein tolles Spiel, keine Frage. Aber mir fallen viele große Matches ein: etwa das Champions-League-Halbfinale gegen Manchester United im gleichen Jahr, als wir uns mit einem 1:1 über die Zeit gerettet haben – Placente, wie er kurz vor Schluss den Ball auf der Linie rettet?… Auch solche Abwehrschlachten vergesse ich nicht.

Schlafen Sie vor Spielen schlecht?

Ich schlafe nach den Spielen schlecht, vor allem nach Abendspielen. Egal, ob wir gewonnen oder verloren haben.

Grübeln Sie über Spielsituationen?


Kann schon sein. Nach Spielen bin ich völlig aufgedreht, das Adrenalin steht mir noch bis in die Haarspitzen. Wenn wir also spät spielen, wird es schwierig mit dem Einschlafen.

Geht Ihnen bis heute Ihre vergebene Chance im WM-Halbfinale 2006 gegen Italien durch den Kopf?


Eher weniger. Ich weiß auch nicht, warum. Natürlich war es ärgerlich, dass der Schuss nicht drin war, viel ärgerlicher aber war, dass ich den Ball bereits schlecht mitgenommen habe.

Oliver Kahn sagt, er habe nach seinem Wechsel zum FC Bayern lange keine echte Freude über Siege empfinden können. Der Druck bei so einem Spitzenverein sei zu groß. Können Sie nachvollziehen, warum er so empfindet?


Nein, wieso soll er sich nicht über einen Sieg gefreut haben?

Weil er in Gedanken schon beim nächsten Spiel war.


Schwer vorstellbar, dass da kein Platz für Freude ist. Ich fahre nach einem Erfolg jedenfalls gut gelaunt nach Hause. Und die Freude hält auch bis zum nächsten Morgen an. Aber drei Tage später, vorm nächsten Spiel, muss ich mich dann auch wieder beruhigt haben.

Experten rühmen die Schussstärke von Roberto Carlos oder das Kopfballspiel von Michael Ballack. Welche Fähigkeit ist signifikant für Bernd Schneider?

Beim Kopfball habe ich sicherlich Defizite, das werde ich zum Karriereende wohl auch nicht mehr aufholen (lacht). Ansonsten ist meine Technik sicherlich ein eher positives Merkmal meiner fußballerischen Fähigkeiten.

Sie sind ein klassischer Allrounder. Wo spielen Sie selbst am liebsten?

Im halbrechten oder halblinken Mittelfeld, wo, ist mir eigentlich egal. Hauptsache, ich muss nicht auf den Flügeln spielen.

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