Bernd Rupp über Gladbach-Schalke

»Ich war zu klein für die Nationalelf«

Gladbach-Legende Bernd Rupp weiß, wie man Tore gegen Schalke schießt. 1967 gelangen ihm beim 11:0 gleich drei Treffer. Ein Gespräch über Spiele auf Schnee, Mentor Hennes Weisweiler und Größennachteile in der Nationalmannschaft.

Bernd Rupp, 1967 gewann Borussia Mönchengladbach mit 11:0 gegen Schalke 04. Sie machten drei Tore. Das Spiel müssen Sie in guter Erinnerung behalten haben?
Ich kann mich noch erinnern, dass wir auf Schnee gespielt haben, mit einem roten Ball. Und dass wir Stürmer alle mehrfach trafen. Jupp Heynckes, Herbert Laumen und ich je dreimal, Günter Netzer zweimal. Wobei, der Jupp hat mir kurz vor Schluss noch ein Tor geklaut.

Es heißt, sie hätten die ganz Woche über auf Schnee trainiert um gut vorbereitet zu sein?
Das weiß ich nicht mehr. Aber eigentlich lag uns Schnee nicht besonders. Ich kann mich noch erinnern, dass wir einmal bei Tasmania Berlin auf Schnee nur 0:0 gespielt haben. Da lief bei uns wirklich gar nichts zusammen. Wir haben ja sehr offensiv gespielt, mit vielen Dribblings und schnellen Pässen. Uns waren gute Platzverhältnisse lieber.

Auf der Bank der Schalker saß Borussias Ex-Trainer Fritz Langner. Der soll die Spieler Mönchengladbachs im Unfrieden verlassen haben. War das die entscheidende Motivation?
Ich war zu Langners Zeiten noch gar nicht beim Verein, aber er soll bei seinem Abschied gesagt haben: »Ich kann aus Ackergäulen keine Rennpferde machen.« Das hat Hennes Weisweiler bei seiner Ansprache natürlich genutzt, um uns zu motivieren.

Weisweiler scheint Sie gemocht zu haben. Unter ihm machten Sie 100 von 102 möglichen Spielen.
Weisweiler hatte mich geholt, da musste er mich ja auch spielen lassen (lacht). Aber im Ernst: Weisweiler mochte meine Art zu spielen. Er hat immer gesagt: »Dribbel weiter. Und wenn es viermal nicht klappt, beim fünften Mal gehst du vorbei.«

Warum sind Sie dann 1967 zu Werder Bremen gewechselt?
Das war der Fehler von Manager Helmut Grashoff. Nachdem wir 1965 in die Bundesliga aufgestiegen waren, hat er allen Spielern neue Zweijahres-Verträge ausgestellt. Als diese 1967 zeitgleich auliefen, hatte er nicht genug Geld, um alle mit guten Angeboten zu versorgen. Deswegen ist auch Jupp Heynckes nach Hannover gegangen. Und ich zu Werder Bremen. Die haben einfach sehr viel besser bezahlt.

Wieder zwei Jahre später wechselten Sie zum Gladbacher Erzrivalen nach Köln. Hat man Sie nicht angefeindet?
Das war damals alles noch viel entspannter. Seinerzeit gab es nicht mal in Gladbach Pfiffe gegen mich. Ich hatte vor dem Wechsel nach Köln übrigens auch mit Borussia über einen Vertrag verhandelt. Doch dann kam Ulrik le Fevre, und für einen weiteren Stürmer war kein Geld mehr da.

Obwohl Sie regelmäßig bei Top-Klubs spielten und trafen, war Ihnen nur ein Länderspiel vergönnt. Warum reichte es nicht zu mehr?
Da habe ich meine ganz eigene Theorie: Ich war mit meinen 1,69 Meter zu klein. Bundestrainer Helmut Schön war 1,95 Meter groß, Gerd Müller 1,76 Meter. Zwei kleine Stürmer wollte Schön nicht haben. Deswegen hat übrigens auch Berti Vogts ein Jahr gebraucht, bis er unter Schön in der Nationalmannschaft angekommen war. Ich bin mir sicher: Wäre damals Dettmar Cramer Bundestrainer geworden, hätte ich mehr Länderspiele absolviert. (Cramer war 1,61 Meter groß, d. Red.)

Hat Sie das geärgert?
Nicht so sehr. Mir war immer der Verein wichtiger. Zumal die Nationalmannschaft damals noch nicht diesen Stellenwert hatte. Auch in Sachen Werbung. Heute hat man als Nationalspieler ja automatisch auch jede Menge lukrative Werbeverträge. Nur der Franz Beckenbauer hat für seine Suppe Werbung gemacht.

Am Samstag kommt es zur Neuauflage Gladbach gegen Schalke. Haben Sie noch Kontakt zur Borussia?
Ich bin in der Regel zweimal im Jahr im Stadion. Einmal im Frühling, wenn es gerade wieder wärmer wird, und einmal im Herbst, wenn es gerade noch warm ist. Ansonsten habe ich weniger Kontakt zu den alten Mitspielern. Vergangenes Jahr hatte der Verein alle Pokal-Sieger von 1973 zu einer Jubiläumsfeier eingeladen. Das war ein langer Abend. Sogar Jupp Heynckes ist bis nach Mitternacht geblieben.

Was trauen Sie den Nachfolgern der Fohlenelf dieses Jahr zu?
Die Mannschaft hat sich enorm entwickelt. Wenn man demnächst noch ein bisschen in die Defensive investiert, ist einiges möglich. Aber auch diese Saison halte ich Platz vier schon für realistisch.

Ihr Tipp für das Spiel?
2:0 für die Borussia.

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