10.12.2013

Bernd Krauss über seine Zeit bei San Sebastian, die Bundesliga und Gladbach

»Man darf die Basken nie unterschätzen«

Vor dem Spiel gegen Leverkusen sprachen wir mit San Sebastians Ex-Trainer Bernd Krauss über seine Zeit im Baskenland, die Unterschiede von Primera Division und Bundesliga und der Sehnsucht nach einer neuen Aufgabe.

Interview: Ilja Behnisch Bild: Imago

Bernd Krauss, zwischen 1997 und 1999 trainierten Sie Leverkusens heutigen Champions-League-Gegner Real Sociedad San Sebastian. Wie kamen Sie als deutscher Trainer in die Primera Division?
Das war ein glücklicher Zufall. Ein Jahr zuvor haben die Junioren von Borussia Mönchengladbach in San Sebastian an einem Nachwuchsturnier teilgenommen. Der mitgereiste Dolmetscher hatte den Verantwortlichen des Vereins gesagt: »Wenn ihr mal einen Trainer braucht, nehmt den Krauss aus Mönchengladbach.« Im Januar 1997 hat man mich dann tatsächlich angerufen und gefragt, ob ich mir das vorstellen könne. Man hat mich eingeladen, mir vor Ort alles anzuschauen: Das Trainingsgelände, das Stadion und die Stadt. Das hat mir alles gut gefallen, und somit war es klar.

Konnten Sie denn spanisch?
Kein Wort. Zunächst habe ich zu Hause mit meiner Frau geübt, die hatte französisch und spanisch studiert. Aber das ging gar nicht (lacht). Dann habe ich Einzelunterricht genommen. Aber mit 40 ist es nicht mehr so leicht, eine neue Sprache zu lernen. Also habe ich auch in San Sebastian weiter Unterricht genommen. Trotzdem brauchte ich zumindest im ersten Jahr die Hilfe eines Dolmetschers. Und sportlich lief es ja. Ich habe damals schon immer gescherzt: »Vielleicht liegt das Geheimnis unseres Erfolges darin, dass mich meine Spieler nicht verstehen.«

Kannten Sie die Mannschaft?
Kaum. Da wir uns aber schon im Januar darauf geeinigt hatten, dass ich den Verein zum Sommer übernehme, hatte ich ein halbes Jahr Zeit, mir die Spiele der Mannschaft anzuschauen und nach und nach ihre Stärken und Schwächen kennenzulernen.

Was waren die größten Unterschiede zwischen Bundesliga und Primera Division?
Zum einen die Spielweise. Die Mannschaft spielte unter meinem Vorgänger sehr defensiv. Eigentlich spielten damals alle spanischen Mannschaften so, wie es heute üblich ist, mit nur einem Stürmer. Ich aber wollte einen anderen Fußball spielen lassen. So wie zuvor in Mönchengladbach, mit zwei Stürmern, offensiv und viel über außen. Wir hatten mit Darko Kovacevic einen Stürmer, der für diese Art Fußball prädestiniert war. Im System mit nur einem Stürmer war er noch die ärmste Sau. Zum anderen war die Mentalität der Spieler eine andere.

Haben Sie die typischen deutschen Tugenden vermisst?
Ganz im Gegenteil. Der Respekt der Spieler war viel größer, als ich das aus der Bundesliga kannte. Da kam niemand auf die Idee eine Übung oder Aufstellung zu hinterfragen. Was ich als Trainer sagte, galt. Vielleicht lag das auch an der besonderen Situation in San Sebastian. Ähnlich wie bei Athletico Bilbao legte man Wert auf seine baskischen Wurzeln, das schweißte zusammen. Die Regel war: Der Kader besteht aus Basken und Ausländern. Spanier hingegen waren nicht gern gesehen. Als Kovacevic 1999 für 20 Millionen Mark zu Juventus Turin wechselte, schlug ich unserem Präsidenten als Ersatz Fernando Morientes vor. Der war damals unzufrieden bei Real Madrid und hätte gut zu uns gepasst. Der Präsident sagte nur: »Aber Bernd, das geht nicht, der ist Spanier.«

Nach einer Serie von fünf sieglosen Spielen in Folge war 1999 auch Ihre Zeit in San Sebastian beendet.
Sicherlich lief die Saison bis dahin nicht nach Wunsch. Aber mir war klar, dass es schwer werden würde. Ich erinnere mich noch, was ich Darko Kovacevic zum Abschied gesagt hatte: »Viel Glück in Turin. Aber in zwei Monaten schmeissen sie mich raus.« Das lag nicht nur an den Ergebnissen. Es war auch viel Politik im Spiel. Hinter den Kulissen hatte der ehemalige spanische Nationaltrainer, Javier Clemente, Stimmung gemacht. Er war Baske, er wollte den Job und brachte die Mehrheit des Präsidiums hinter sich.

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